Washington - Die US-Regierung präsentierte den Entwurf zur Reform ihres Atomprogramms gestern dem Kongress, wie die "Los Angeles Times" berichtet. Demnach sieht der Plan die umfassendste Neustrukturierung und Modernisierung der mit der Entwicklung von Atomwaffen befassten US-Einrichtungen seit dem Ende des Kalten Kriegs vor. 1989 hatten die USA ihre letzte Atombombe hergestellt, der letzte unterirdische Atomwaffentest fand 1992 statt. Seitdem beruht die Abschreckungspolitik der USA auf der Instandhaltung der alternden Waffen, die während des atomaren Wettrüstens produziert wurden.
Der Chef des Nuklearwaffenprogramms der Nationalen Atomsicherheitsbehörde, Thomas d'Agostino, kündigte dem Bericht zufolge vor dem Kongress an, dass die US-Regierung bis zum Jahre 2022 in der Lage sein will, jährlich 125 Nuklearwaffen zu bauen. Gleichzeitig will das Pentagon alte Waffen ausmustern, die als nicht mehr sicher oder zuverlässig gelten. Offenbar sollen dafür die bislang acht Waffenfabriken aufgelöst und die Produktion innerhalb der kommenden vier Jahre an einem noch unbekannten Ort konzentriert werden.
Wie die "L.A. Times" weiter berichtet, wollen die USA dafür sämtliches atomwaffentaugliches Plutonium in einer Einrichtung zusammenziehen, die besser gegen mögliche terroristische Anschläge geschützt werden kann. Die Kosten für den verstärkten Schutz der derzeitigen Standorte sind nach den Anschlägen vom 11. September 2001 deutlich gestiegen. Eine wissenschaftliche Studie aus dem vergangenen Jahr hatte für die nächsten 20 Jahre diese auf rund 25 Milliarden Dollar geschätzt.
Bereits früher hatte es an den US-Plänen, den Bau von Atomwaffen wieder aufzunehmen scharfe Kritik gegeben, weil sich andere nach Atomwaffen strebende Staaten ermutigt fühlen könnten, ihrerseits an der Bombe zu bauen. In der Tat begibt sich die US-Regierung auf eine Gratwanderung, wie d'Agostino in einem Interview einräumte: Es müsse gelingen, das Atomwaffenprogramm zu modernisieren und gleichzeitig der Welt zu versichern, dass die USA kein neues Wettrüsten anstrebten.
Das Ziel der "nuklearen Abrüstung" allerdings formuliert die US-Regierung schon lange nicht mehr. Zuletzt hatten Ex- Präsident Bill Clinton und der damalige russische Präsident Boris Jelzin im Herbst 1998 in einer gemeinsamen Erklärung die Verpflichtung beider Länder zum "ultimativen Ziel der nuklearen Abrüstung" bekräftigt. Vor knapp einem Monat hatte der Chef der Atomsicherheitsbehörde, Linton Brooks, jedoch eingeräumt, dass Washington das unter anderem im Atomwaffensperrvertrag festgehaltene Ziel nicht mehr verfolge.
phw
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