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07.06.2006
 

Brasilien

Landlose stürmen Parlament

Chaotische Szenen in Brasilia: Hunderte landlose Bauern stürmten das brasilianische Parlament und drangen bis zum Plenarsaal vor. Dutzende Polizisten wurden bei den Ausschreitungen verletzt. Das Fernsehen übertrug direkt.

Brasilia - Es habe sich zunächst um eine "friedliche Bewegung" gehandelt, sagte der Vertreter der Landlosen, Bruno Maranhão, gestern in der Hauptstadt Brasilia. Der Anführer der "Bewegung zur Befreiung der landlosen Bauern" (MLST) fügte hinzu, die Demonstranten hätten den Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern friedlich einen Brief übergeben wollen, in dem sie eine Landwirtschaftsreform fordern. "Aber die Polizei hat uns angegriffen, wir mussten reagieren."

Brasilia: Landlosenbewegung stürmt Parlament
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REUTERS

Brasilia: Landlosenbewegung stürmt Parlament

Wie ein Verantwortlicher der Sicherheitskräfte im Parlament sagte, wurden 23 Einsatzkräfte verletzt. Der Koordinator der Parlamentspolizei Depol sei mit schweren Schädelverletzungen auf die Intensivstation gebracht worden und schwebe in Lebensgefahr. Maranhão sei zusammen mit rund 400 weiteren Menschen festgenommen worden, hieß es in TV-Berichten. Rund 500 Polizisten seien bei der Räumungsaktion im Einsatz gewesen.

Das brasilianische Fernsehen übertrug die Ausschreitungen live im Fernsehen; die Bauern schlugen die Fensterscheiben des Parlamentsgebäudes mit Steinen, Stöcken und Sensen ein und drangen bis zum Plenarsaal vor, in dem die Abgeordneten tagten. Die rund 700 MLST-Angehörigen zogen sich nach etwa einer Stunde wieder zurück. Die Abgeordneten hatte zuvor klargestellt, dass sie nicht verhandeln würden, solange das Gebäude besetzt werde.

Nach Angaben des MLST sollten mit dem Protest unter anderem mehr Mittel für die Agrarreform und die Enteignung von Landgütern gefordert werden, deren Besitzer Arbeiter in sklavenähnlichen Verhältnissen halten. Die MLST wurde 1997 von Dissidenten der bekannteren und größeren "Bewegung der Landlosen" (MST) gegründet. Die Organisation ist nach eigenen Angaben nur in vier der 27 Bundesstaaten Brasiliens aktiv. Im April 2005 hatte die MLST erstmals mit der Besetzung des Finanzministeriums für Schlagzeilen gesorgt.

Opposition und auch Vertreter von Kleinbauern beklagen, dass der seit 2003 amtierende linksgerichtete Staatschef Luiz Inácio "Lula" da Silva die Agrarreform kaum vorangebracht habe. Allein die MST vertritt nach eigenen Angaben vier Millionen Familien von landlosen Bauern. Der Landkonflikt hat in Brasilien allein seit der Rückkehr zur Demokratie 1985 mehr als 1200 Menschenleben gefordert. 20 Prozent der Bevölkerung besitzen 90 Prozent des Bodens. Dagegen verfügen die ärmsten 40 Prozent nur über ein Prozent des Landes.

lan/AFP/AP/dpa

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