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12.06.2006
 

Qaida im Irak

Al-Muhadschir soll Sarkawis mörderisches Werk fortsetzen

Von Yassin Musharbash

Das Statement des Terrornetzwerks al-Qaida liest sich wie die Pressemitteilung eines Konzerns über eine Veränderung im Vorstand: Abu Hamza al-Muhadschir soll die Nachfolge Sarkawis antreten. Der Neue sei gebildet und erfahren, versichern die Terroristen.

Berlin - "Das Ratgebergremium der Mudschahidin der irakischen al-Qaida hat sich darauf geeinigt, dass Scheich Abu Hamza al-Muhadschir der Nachfolger des Scheichs Abu Mussab al-Sarkawi als Befehlshaber der Organisation al-Qaida sein soll": So heißt es in der Erklärung, die am Montagnachmittag von der "Medienabteilung" der irakischen Qaida-Filiale veröffentlicht wurde. Das Dokument liegt SPIEGEL ONLINE vor. Zwar ist seine Authentizität noch nicht bewiesen, aber es erschien auf genau jener Website, die al-Sarkawis Organisation seit Jahr und Tag als Abwurfstelle für Kommuniqués aller Art nutzt.

Leichnam Sarkawis: Ein fast unbekannter Nachfolger
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AFP/ DOD

Leichnam Sarkawis: Ein fast unbekannter Nachfolger

Viele Details über den neuen "Emir" Abu Hamza enthält die Erklärung nicht. Es heißt lediglich, er sei ein "tugendhafter Bruder", habe Erfahrung und sei gebildet. Der Name scheint ein Kampfname zu sein, der Zusatz "al-Muhadschir" bedeutet "der, der die Hidschra vollzogen hat". Hidschra bedeutet so viel wie "Auszug", Vorbild ist der Auszug des Propheten Muhammad aus seiner Heimatstadt Mekka, weil deren Bewohner seine Botschaft nicht hören wollten, woraufhin er einen Stadtstaat in Medina errichtete. Moderne Islamisten bezeichnen mit diesem Begriff gerne ihren Gang in den Untergrund. Deutsche Sicherheitsdienste arbeiteten am Montagnachmittag noch an einer Bewertung der Nachricht über die Berufung Abu Hamzas.

Wie schon in Verlautbarungen der letzten Tage wurde auch heute betont, der bisherige Kurs werde beibehalten. Ob Abu Hamza sich indes tatsächlich als Nachfolger wird durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Auch andere Namen potentieller neuer Führer kursieren seit Sarkawis Tod am vergangenen Donnerstag. Als natürliche Kandidaten gelten etwa der offizielle "Stellvertreter" Abu Abd al-Rahman al-Iraqi, sowie der Chef des von der Qaida dominierten "Ratgebergremiums", Abdallah Raschid al-Baghdadi. Zum Teil wurden von Unterstützern im Internet bereits Unterschriften für die beiden gesammelt, um vollendete Tatsachen zu schaffen.

Die beiden Qaida-Funktionäre sind Iraker, bei dem heute ernannten Abu Hamza bleib das zunächst offen. Die US-Armee hatte zudem einen Mann mit dem Beinamen "Abu al-Masri", "Vater des Ägypters", ins Spiel gebracht, über den aber so gut wie nichts bekannt ist - außer dass er ein Afghanistan-Veteran sein soll.

Die irakische al-Qaida wurde erst im Herbst 2004 offiziell gegründet. Sie ging hervor aus dem Netzwerk Abu Mussab al-Sarkawis, das bereits Ende der Neunziger in Jordanien und Afghanistan geschmiedet worden war und ab Herbst 2003 unter der Bezeichnung "al-Tawhid wa al-Dschihad" im Irak eine gigantische Terrorkampagne entfesselt hatte. Abu Mussab al-Sarkawi kam in der vergangenen Woche bei einem Luftangriff der US-Armee nahe der irakischen Stadt Baakuba ums Leben.

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