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17.06.2006
 

Irak

Pentagon berichtet über Gefangenen-Misshandlung

Erneut sind Misshandlungen irakischer Häftlinge in US-Gewahrsam bekannt geworden. Dem US-Verteidigungsministeriums zufolge haben Spezialeinheiten 2003 und 2004 unzulässige Verhörmethoden angewandt. So seien Gefangene in Käfigen gehalten und mit lauter Musik beschallt worden.

Washington - Das Pentagon veröffentlichte am Freitag einen Bericht über Vergehen amerikanischer Soldaten im Irak. Irakische Gefangene haben denmach bis zu 17 Tage lediglich Wasser und Brot als Nahrung erhalten. Einige Häftlinge wurden bis zu eine Woche lang in winzigen Zellen eingesperrt - sie konnten darin weder stehen noch liegen. Ihnen seien die Augen mit Klebeband verbunden worden; gleichzeitig hätten Soldeten sie mit lauter Musik am Schlafen gehindert. Mehrere Häftlinge seien nackt ausgezogen, mit Wasser übergossen und dann in Räumen mit Klimaanlagen oder im Kalten verhört worden.

Gefängnis im Irak: "Unzureichende Personalstärke und mangelnde Aufsicht"
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AP

Gefängnis im Irak: "Unzureichende Personalstärke und mangelnde Aufsicht"

Dem Pentagon zufolge geht es in dem Bericht um Ereignisse aus den Jahren 2003 und 2004. Die genannten Praktiken seien nicht gut, aber auch nicht illegal gewesen. Das Verhalten sei eher auf unzureichende Personalstärke, mangelnde Aufsicht und Führung zurückzuführen und nicht als vorsätzlicher Missbrauch einzustufen. Gegen keinen Soldaten sei vorgegangen worden.

Der Bericht wurde von Brigadegeneral Richard Formica erstellt, nachdem Berichte über Gefangenenmisshandlungen durch US-Soldaten im Gefängnis Abu Ghureib 2004 international Empörung ausgelöst hatten. Formica schreibt darin, das Festhalten von Gefangenen in winzigen Zellen "wäre für 24 bis 48 Stunden akzeptabel, nicht aber für fünf bis sieben Tage."

Drei Gefangene hatten dem Bericht zufolge erzählt, sie seien für jeweils zwei, fünf und sieben Tage in käfigähnlichen Zellen eingesperrt worden. Formica empfahl keine Disziplinarmaßnahmen gegen die Soldaten. Wegen Misshandlungen oder Demütigungen Gefangener in Abu Ghureib wurden bislang elf Soldaten verurteilt.

Die Veröffentlichung des Berichts war vom Verein für die Verteidigung bürgerlicher Freiheiten (ACLU) beantragt worden. Einige Textpassagen waren geschwärzt worden. So waren die Namen der Beteiligten und der Orte, in denen sich die Vorfälle ereigneten, nicht lesbar.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge war die Untersuchung die letzte von insgesamt zwölf gewesen, die sich mit angeblichen Misshandlungen durch US-Soldaten im Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba, in Afghanistan und im Irak beschäftigten. Es sei die erste Studie, die sich auf das Verhalten von Spezialeinheiten konzentriere.

ler/AFP/dpa

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