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25.06.2006
 

Geheimer Abzugsplan

USA wollen Truppen im Irak massiv reduzieren

Gerade erst hatte der Senat Forderungen nach einem Zeitrahmen für einen Abzug aus dem Irak abgeschmettert. Dabei sind die Rückzugspläne schon weiter gediehen als angenommen. Laut "New York Times" will das US-Militär seine Truppen schon bald drastisch reduzieren.

New York – Noch soll es nur ein mögliches Szenario sein, eine Prognose und kein fester Zeitplan, entworfen jedoch vom Oberkommandierenden der US-Streitkräfte im Irak mit erstaunlich konkreten Zahlen und Daten, die die Erwartungen der Experten und Analysten übersteigen. In einer geheimen Unterrichtung im US-Verteidigungsministerium soll General George Casey jüngst seine Pläne für einen massiven Truppenabbau im Irak vorgestellt haben, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf US-Regierungsvertreter.

US-Soldat im Irak: Abzug ab September?
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AFP

US-Soldat im Irak: Abzug ab September?

Erste Kontingente der derzeit noch 127.000 Mann starken US-Truppe im Irak sollen nach Caseys Planspielen bereits im September abgezogen werden - mehrere Wochen vor den im November anstehenden Kongresswahlen. Zwei der 14 US-Kampfbrigaden sollten dann den Irak verlassen, ohne - wie bislang im Rotationsverfahren üblich - ersetzt zu werden. Eine Brigade hat etwa eine Mannschaftsstärke von 3500 Mann. Bis zum Ende nächsten Jahres solle die Zahl der US-Kampfgruppen im Irak dann schrittweise von derzeit 14 auf fünf bis sechs sinken.

Der Irak-Einsatz der US-Armee hat sich in den Vereinigten Staaten angesichts von mittlerweile mehr als 2500 getöteten eigenen Soldaten zu einem äußerst kontroversen Thema entwickelt. Die Umfragewerte von Präsident George W. Bush sind auch vor diesem Hintergrund in den Keller gerutscht. Die oppositionellen Demokraten scheiterten jüngst indes mit mehreren Anträgen im republikanisch dominierten Kongress, Bush den Beginn eines Truppenabzugs noch in diesem Jahr nahe zu legen.

Casey schlägt nun konkret eine schrittweise Reduzierung der US-Basen in dem Golfstaat vor. Bis Ende des Jahres soll ihre Zahl demnach von derzeit 69 auf 57 sinken. Im Juni 2007 verblieben noch 30, Ende 2007 wären es nur noch elf.

Allerdings: Die Abzugspläne stehen unter Vorbehalt. Sie sind an Bedingungen geknüpft, die erst noch zu erfüllen sind. So müsse die Regierung unter Ministerpräsident Nuri al-Maliki die Lage in dem von einem Rebellen-Aufstand erschütterten Land zunehmend besser in den Griff bekommen. Zudem müsse gewährleistet sein, dass der Aufstand nicht auf Gebiete außerhalb der sechs Zentralprovinzen Iraks übergreife. Die Ablehnung der neuen Regierung unter den Sunniten müsse grundsätzlich nachlassen.

Unklar blieb, wann wie viele Angehörige der anderen Truppenteile, die die meisten der knapp 130.000 Soldaten im Irak stellen, nach dem Plan abgezogen werden sollen.

Irakische Opferzahl höher als zugegeben

Die Zahl der seit Beginn der US-geführten Invasion im Irak gewaltsam ums Leben gekommenen Iraker liegt offenbar weit höher als von der US-Regierung bislang zugegeben. Das berichtet die "Los Angeles Times". Unter Berufung auf Statistiken des irakischen Gesundheitsministeriums und des Bagdader Leichenschauhauses beziffert die Zeitung die Zahl der getöteten Iraker auf mindestens 50.000. Die US-Regierung war offiziell zuletzt stets von etwa 30.000 toten Irakern ausgegangen.

Die tatsächliche Opferzahl dürfte die 50.000 jedoch noch weit überschreiten, schreibt die "LA Times" weiter". So seien besonders die Statistiken aus den Unruheprovinzen oft deutlich zu niedrig angesetzt, weil chaotische Zustände eine zuverlässige Zählung der Opfer verhinderten, heißt es unter Berufung auf irakische Regierungsvertreter. In der gleichen Zeit starben auf US-amerikanischer Seite mindestens 2520 Soldaten.

phw/Reuters/dpa/AFP

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