Beirut - Israel könne die Freilassung seiner entführten Soldaten nur durch einen Austausch gegen arabische Gefangene erreichen, stellte Hisbollah-Führer Scheik Hassan Nasrallah klar. Er signalisierte die Bereitschaft der Hisbollah zu einer umfassenden Lösung, die auch den am 25. Juni von palästinensischen Extremisten entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit einschließe.
Es sei eine reine Einbildung Israels, die drei Gefangenen durch Militäraktionen befreien zu können. "Sie werden nur auf einem Weg freikommen: über indirekte Verhandlungen und einen Handel", sagte Nasrallah auf einer Pressekonferenz in Beirut. Seine Organisation sei bereit zum Kampf, "aber wir haben keine Absicht, die Lage zu eskalieren", fügte er hinzu. Die beiden am Morgen entführten Soldaten seien "an einem sicheren, weit entfernten Platz".
Die Operation sei seit langem geplant gewesen und helfe, den Druck auf die Palästinenser im Gaza-Streifen zu lockern, wo der dritte israelische Soldat festgehalten wird. Israel hatte daraufhin eine Offensive in dem Autonomiegebiet begonnen.
Die Hisbollah-Miliz hatte die Soldaten heute während heftiger Gefechte an der israelisch-libanesischen Grenze entführt. Daraufhin stießen israelische Bodentruppen in das Nachbarland vor. Ministerpräsident Ehud Olmert sprach von einem kriegerischen Akt und kündigte eine "sehr schmerzhafte" Antwort an. Bei Luftangriffen und Gefechten wurden mehrere Menschen getötet.
Olmert machte die libanesische Regierung für die Eskalation verantwortlich. Die israelischen Streitkräfte bereiteten nach Angaben aus Regierungskreisen die Einberufung einer Reservedivision mit mehreren tausend Mann vor. Die Bewohner Nordisraels wurden angewiesen, die Schutzräume aufzusuchen.
Die Eskalation begann am Morgen mit heftigen Artilleriegefechten an der gemeinsamen Grenze. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, zuerst geschossen zu haben. Nach israelischen Angaben wurden mehrere Siedlungen im Norden des eigenen Landes angegriffen. Es war das erste Mal seit dem Abzug der Israelis aus dem Südlibanon im Jahr 2000, dass die Armee wieder in dieses Gebiet einmarschierte.
Israelische Kampfflugzeuge griffen Straßen, Brücken und vermutete Stellungen der Hisbollah im Süden Libanons an - offenbar um zu verhindern, dass die Soldaten weiter von der Grenze weggebracht werden. Nach ersten Berichten wurden mindestens zwei libanesische Zivilisten getötet und zwei weitere Personen bei einem israelischen Luftangriff auf eine Brücke 30 Kilometer nördlich der Grenze verletzt. Unter den Verletzten war auch ein Korrespondent des Hisbollah-Fernsehsenders Al Manar. Sieben israelische Soldaten kamen ums Leben. Eine Armeesprecherin teilte mit, bei den schweren Kämpfen im Grenzgebiet seien drei Israelis getötet worden. Vier weitere Soldaten seien vermutlich ums Leben gekommen, als ihr Panzer auf eine Mine fuhr.
Israel hatte zwischen 1978 und dem Jahr 2000 Teile des Südlibanons besetzt. Im Jahr 2000 hatten sich die Truppen unter dem Druck der Hisbollah aus dem Grenzgebiet zurückgezogen.
Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Gefangenenaustausch zwischen der Hisbollah und Israel zu Stande käme. Im Januar 2004 ließ Israel unter deutscher Vermittlung mehr als 420 arabische Häftlinge frei. Im Gegenzug gab die Hisbollah einen israelischen Geschäftsmann frei, den sie in einem Golfstaat gekidnappt hatte, und überstellte die Leichen dreier Soldaten, die vier Jahre zuvor bei einem Angriff an der libanesischen Grenze getötet worden waren.
In der Geisel-Krise im Gaza-Streifen hat Israel die Forderung der Entführer nach einer Freilassung von tausend palästinensischen Häftlingen abgelehnt. Dort wurde der Hamas-Kommandeur Mohammed Deif bei einem Angriff auf ein Haus in Gaza an den Beinen verletzt. Israel macht ihn für verschiedene Terroranschläge verantwortlich.
Bei den Luftangriffen auf Gaza wurden mehrere Personen, darunter auch zwei Kinder, getötet. Zum ersten Mal rückte die israelische Armee seit ihrem Abzug aus dem Gaza-Streifen im September vergangenen Jahres auch wieder mit Panzern in das Zentrum dieses Gebietes vor.
USA beschuldigen Syrien und Iran
Die USA gaben Iran und Syrien eine Mitschuld an der Entführung derisraelischen Soldaten "Syrien und Iran unterstützen die Hisbollah direkt und sind deswegen verantwortlich für die Angriffe und die fortdauernde Gewalt", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Frederick Jones, in Rostock.
Das Weiße Haus rief zur sofortigen Freilassung der beiden Israelis ohne Bedingungen auf. "Wir verurteilen den Hisbollah-Angriff auf Israel und die Verschleppung der Soldaten aufs Schärfste", sagte Jones, der US-Präsident George W. Bush auf dessen Deutschland-Visite begleitete.
Die schiitische Miliz habe als Teil ihrer Offensive auch Raketen auf zivile Ziele geschossen. "Das ist ein Terrorakt", der die ohnehin angespannte Lage nur weiter zuspitzen solle. Die Strategie der Hisbollah sei nicht im Interesse des Libanons, fügte er weiter hinzu. Dass sich die Organisation ungestraft bewaffnen und von libanesischem Territorium aus operieren könne, sei eine direkte Bedrohung für die libanesische Bevölkerung und die Souveränität des Landes.
als/Reuters/dpa/AP
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