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23.07.2006
 

Krise in Nahost

Haifa mehrfach mit Raketen beschossen

Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah fordert weitere zivile Todesopfer: Bei neuen israelischen Luftangriffen im Libanon kamen mindestens zwei Menschen ums Leben, darunter eine Journalistin. Bei Raketenangriffen auf den Norden Israels starben zwei Menschen.

Haifa/Beirut/Jerusalem - Die libanesische Hisbollah-Miliz hat ihre Angriffe auf die israelische Küstenstadt Haifa fortgesetzt und dabei fünf Menschen verletzt. Die Opfer befanden sich nach Angaben von Sanitätern in einem Gebäude, das von Raketen getroffen worden war. Im Verlauf des Tages waren bei Angriffen der radikal-islamischen Hisbollah auf Haifa bereits zwei Menschen getötet und 15 weitere verletzt worden.

Israels drittgrößte Stadt liegt 35 Kilometer von der Grenze zum Libanon entfernt. Die israelische Luftwaffe griff wieder zahlreiche Ziele im gesamten Libanon an, wobei mindestens fünf Zivilisten ums Leben kamen.

Neben Fabriken, Brücken und Gebäuden im Osten und Süden des Landes bombardierte Israel erneut den südlichen Teil der Hauptstadt Beirut, der als Hochburg der Hisbollah gilt. Erstmals wurde auch die Küstenstadt Sidon bombardiert. Gestern rückten Bodentruppen mit rund einem Dutzend Panzern in den Südlibanon ein und besetzten das strategisch wichtige Grenzdorf Marun al Ras. Seit Beginn der Kämpfe sind 36 Israelis getötet worden, darunter 17 Zivilisten. Die Zahl der libanesischen Todesopfer stieg auf über 350.

Drohungen aus Syrien

Zum ersten Mal seit Beginn des Krieges wagt sich eine Hisbollah-Schutzmacht aus der Deckung. Der syrische Propaganda-Minister Mohsen Bilal drohte Israel heute mit militärischer Vergeltung. Sollte die israelische Armee im Südlibanon einmarschieren, erkärte Bilal heute in einem Interview, werde Syrien nicht ruhig zusehen. Falls Israel Bodentruppen in den Libanon schicke oder Syrien zu Nahe komme, "wird Syrien nicht still sitzen. Wir werden uns dann am Konflikt beteiligen", sagte Bilal weiter. Die Hisbollah erklärte sich zu Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch bereit.

Eine Entscheidung über eine massive Bodenoffensive ist offenbar noch nicht gefallen. Man behalte sich einen solchen Vorstoß vor, der Armeechef habe aber noch keine Entscheidung gefällt, erklärte ein Armeesprecher in Jerusalem. Bei einer Bodenoffensive rechnen Militärexperten mit hohen israelischen Verlusten, da die Hisbollah den Israelis in einen blutigen Guerillakampf verstricken könnte. Bisher wird der Krieg von beiden Seiten vor allem mit Raketen und Bomben geführt. Bisher feuerte die radikalislamische Gruppe etwa 1000 Raketen auf Israel ab.

UN-Koordinator kritisiert Israel

Tausende Libanesen flohen angesichts der unvermindert anhaltenden Bombardements und aus Angst vor einer Verschärfung der israelischen Offensive in den Norden des Landes. UN-Koordinator Jan Egeland zeigte sich nach einem Besuch in Beirut erschüttert von den Folgen des Krieges gezeigt. Die Zivilbevölkerung im Libanon und im Norden Israels zahle einen unangemessenen hohen Preis, erklärte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe. Er warf Israel vor, mit einer unverhältnismäßigen Reaktion auf einen Angriff der Hisbollah gegen internationales humanitäres Recht zu verstoßen. Egeland kündigt an, er wolle am Montag nach Israel reisen und dort "um Gnade für die Zivilbevölkerung" bitten.

Tonnenweise Hilfsgüter des Uno-Flüchtlingshilfswerks lagern derzeit in Syrien, weil sie die Flüchtlinge im Libanon von Syrien aus nicht auf dem Landweg erreichen. Es gebe keinen humanitären Korridor, der eine gefahrlose Versorgung der Vertriebenen ermögliche, teilte das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) in Genf mit.

Egeland machte sich in Beirut ein Bild von der Lage rund eineinhalb Wochen nach Beginn der israelischen Offensive. Er besuchte die am stärksten zerstörten südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt, wo die Hisbollah ihren Hauptsitz hat und die ein Schwerpunkt der Luftangriffe waren. "Ich hätte nie gedacht, dass hier Häuserblock für Häuserblock dem Erdboden gleich gemacht wird", sagte Egeland. Er forderte ein Ende der Kämpfe und kündigte an, die Vereinten Nationen würden am Montag einen internationalen Aufruf für Hilfe für den Libanon starten. Mit Israel wollte er Hilfskorridore in den Süden des Landes aushandeln, wo die Not am größten ist. Nur wenige Stunden nach seiner Abreise wurde das Gebiet wieder angegriffen.

Tel Aviv geht davon aus, dass die USA noch mindestens eine Woche lang der Offensive im Libanon zustimmen werden. "Hochrangige Behördenvertreter sind der Ansicht, dass Israel von den Amerikanern für eine Fortsetzung der Einsätze gegen die Hisbollah noch bis mindestens nächsten Sonntag grünes Licht bekommt", hieß es auf der Internet-Seite der israelischen Zeitung "Haaretz".

jaf/mik/Reuters/dpa/AP

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