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26.07.2006
 

Prozess gegen Ex-Diktator

Saddam will im Fall der Todesstrafe erschossen werden

Kugel statt Strick - falls die Richter ihn zum Tode verurteilen sollten, besteht der irakische Ex-Diktator Saddam Hussein darauf, erschossen zu werden. Er wolle nicht wie ein gewöhnlicher Verbrecher gehängt werden, gab er zu Protokoll.

Bagdad - "Wenn ihr Saddam Hussein zum Tode verurteilen müsst, erinnert euch, dass Saddam Hussein ein Militärangehöriger ist und er deshalb durch Erschießen und nicht durch Hängen hinzurichten ist", sagte Saddam Hussein heute während seines Prozesses im Gerichtssaal. Der Ex-Diktator hat allerdings nie eine militärische Ausbildung erhalten, nachdem er in seiner Jugend bei der Aufnahme an die Militärakademie gescheitert war. Nach seiner Machtergreifung 1979 hatte er sich selbst zum Feldmarschall ernannt. Vor allem in Kriegszeiten zeigte er sich gern in Uniform.

Ex-Dikator Hussein: "Sie sind mein Feind"
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AFP

Ex-Dikator Hussein: "Sie sind mein Feind"

Es war der erste Auftritt Saddams vor Gericht seit des Beginns seines Hungerstreiks vor drei Wochen. Zuletzt war er am 19. Juni vor Gericht erschienen. Damals hatte die Staatsanwaltschaft wegen des Massakers von Dudschail die Todesstrafe für ihn und zwei seiner sieben Mitangeklagten gefordert. 148 Männer und Jugendliche waren dort im Jahr 1982 nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf Saddam hingerichtet worden.

Der frühere Diktator des Irak zeigte sich heute erneut streitlustig, wirkte aber deutlich abgemagert. Zum Auftakt des heutigen Verhandlungstages durfte Saddam Hussein eine Stellungnahme abgeben, in der er erneut die Legitimation und die Unvoreingenommenheit des Gerichts anzweifelte. Das Gericht sei Handlanger der US-amerikanischen Besatzung. Während eines emotionalen Ausbruchs des Angeklagten unterbrach ihn Richter Rauf Abdel Rahman und warf ihm vor, zur Gewalt gegen Iraker aufzurufen.

Richter schalten Saddams Mikrofon ab

"Ich rufe zur Tötung von Amerikanern und Invasoren auf, nicht zur Tötung von Irakern", entgegnete der Angeklagte. Der Richter verwies darauf, dass die Aufständischen täglich im Durchschnitt 60 Iraker töteten, aber nur zwei Amerikaner. "Warum greifen sie die Iraker in Cafés und auf Märkten an? Warum sprengen sie sich nicht unter Amerikanern in die Luft?" Darauf sagte Saddam Hussein: "Dieser Fall ist nicht den Urin eines irakischen Kindes wert." Schließlich schaltete der Richter die Mikrofone des Angeklagten ab.

Der 69-Jährige war am Sonntag, dem 17. Tag seines Hungerstreiks, nach einem Schwächeanfall wegen des Fastens ins Krankenhaus gebracht und kurzzeitig über eine Magensonde ernährt worden. Saddam Hussein erklärt heute, er sei gegen seinen Willen direkt aus dem Krankenhaus in den Gerichtssaal gebracht worden. Er lehnte seinen Pflichtverteidiger erneut ab. "Sie sind mein Feind."

Die Verteidiger von Saddam Hussein boykottieren den Prozess und fordern einen besseren Schutz vor Anschlägen. Daraufhin wurden Pflichtverteidiger für Saddam Hussein und seine sieben Mitangeklagten bestellt. Die fehlende Sicherheit für die Verteidiger ist auch der Grund für den Hungerstreik Saddams und dreier weiterer Angeklagter. Bislang wurden drei Anwälte in Bagdad erschossen. Die Verteidiger hatten das Angebot des Gerichts, in die hermetisch abgeschirmte "Grüne Zone" von Bagdad zu ziehen, in der sich auch das Gerichtsgebäude befindet, abgelehnt.

Der Pflichtverteidiger sagte heute in seinem Plädoyer, die Augenzeugen und die im Prozess vorgelegten Dokumente hätten nicht beweisen können, dass Saddam Hussein persönlich in die Morde an Schiiten in Dudschail 1982 verwickelt gewesen sei. Danach fragte der Richter den Angeklagten, ob er noch etwas sagen wolle. Eine politische Rede dürfe er allerdings nicht halten. Saddam Hussein fing jedoch erneut an, über Politik zu sprechen, woraufhin ihm der Richter das Wort entzog.

Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden. Mit einem Urteil wird Mitte August gerechnet. Ab dem 21. August muss Saddam Hussein sich dann in einem weiteren Prozess wegen der Ermordung irakischer Kurden in den achtziger Jahren verantworten.

Nach Auskunft aus dem Umfeld des Tribunals hat Saddam, Hussein im Anschluss an die heutige Verhandlung erstmals wieder etwas gegessen. "Er hat Rindfleisch mit Reis und etwas Brot gegessen. Anschließend Obst. Er hat auch ein kohlensäurehaltiges Getränk auf der Basis von Koffein getrunken", hieß es.

phw/dpa/AP/AFP

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