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01.08.2006
 

Südlibanon

Blutige Gefechte zwischen israelischen Soldaten und Hisbollah

Israels verschärfte Bodenoffensive im Südlibanon hat begonnen: An mehreren Orten liefern sich Hisbollah-Milizen und israelische Truppen schwere Gefechte. Israelische Soldaten sollen einen 30 Kilometer breiten Grenzstreifen besetzen.

Jerusalem - Es dauerte nicht lange, bis das israelische Militär den Beschluss des Sicherheitskabinetts umsetzte, das sich heute Morgen für eine Ausweitung der Bodenoffensive ausgesprochen hatte. Israelische Soldaten und Milizionäre der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz lieferten sich bereits vormittags im Südlibanon heftige Feuergefechte.

Eine Armeesprecherin bestätigte Kämpfe im Bereich der Ortschaft Aita al-Schaab, etwa zehn Kilometer südöstlich der Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil. Auch in der weiter nördlich gelegenen Ortschaft Taiba werde gekämpft. Nach Angaben der israelischen Armee wurden bei Bodengefechten in den letzten 48 Stunden etwa 20 Hisbollah-Kämpfer getötet. Drei israelische Soldaten seien bei Kämpfen nahe der Grenzortschaft Aita al-Schaab ums Leben gekommen, berichtete der arabische Fernsehsender "al-Arabija".

"Die Israelis versuchen, mehrere Frontabschnitte zu eröffnen, um eine Sicherheitszone im Südlibanon einzurichten", sagte ein Hisbollah-Vertreter. Auch nach Angaben der Uno-Friedenstruppe im Libanon haben israelische Soldaten ihr Operationsgebiet im Süden des Landes erweitert: Es gebe Berichte über Vorstöße nahe Houla, sagte ein Sprecher der Uno-Soldaten.

Mit dem Vorstoß auf libanesisches Gebiet will Israel die Hisbollah von der Grenze zurückdrängen. Sein Land benötige dafür noch 10 bis 14 Tage, sagte Israels Infrastrukturminister Benjamin Ben-Elieser im Militärrundfunk. Die Hisbollah soll 30 Kilometer tief im Land hinter den Fluss Litani zurückgedrängt und ihre Stellungen an und in der Nähe der israelischen Grenze zerstört werden, bevor eine Waffenruhe ausgerufen werden kann, hieß es aus Regierungskreisen. Bis zum möglichen Einsatz einer multinationalen Friedenstruppe solle das Gebiet besetzt bleiben.

Bereits in der vergangenen Nacht hatte die israelische Luftwaffe erneut mehrere Ziele im Libanon angegriffen. Eine israelische Armeesprecherin teilte mit, es seien Abschussrampen für Katjuscha-Raketen sowie Hisbollah-Milizionäre beschossen worden. Zudem seien ein Waffenlager und Zufahrtstraßen in der Bekaa-Ebene angegriffen worden, um Waffenlieferungen aus Syrien an die Hisbollah zu verhindern.

Verteidigungsminister Amir Peretz kündigte an, auf jedes Fahrzeug zu zielen, das aus Syrien Waffen in den Libanon liefere. Man werde Bewegungen an der syrisch-libanesischen Grenze genau beobachten, sagte Peretz und fügte hinzu: "Es gibt keinen Plan, einen Krieg mit Syrien zu beginnen." Israels Justizminister Haim Ramon bezeichnete Syriens Präsident Bashar Assad als einen "Gehilfen der Hisbollah". Er sende "täglich Lastwagen voll mit Waffen, um die Hisbollah zu unterstützen", sagte Ramon im Militärrundfunk. Israel hatte Syrien bereits in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen, iranische Waffenlieferungen über Syrien in den Libanon zu erlauben.

In der israelischen Bevölkerung wird die anhaltende Militäroffensive befürwortet. Laut einer heute von der Zeitung "Maariv" veröffentlichten Umfrage finden 61 Prozent der Befragten, dass die Militäroffensive trotz der verheerenden Bombardements auf Kana mit mindestens 52 Toten fortgesetzt werden müsse. 29 Prozent sprachen sich für eine Aussetzung der Luftangriffe für 48 Stunden aus, wie sie die Armee zunächst verkündet hatte. Nur 9 Prozent der Israelis sind demnach für ein sofortiges Ende der Angriffe und die Eröffnung eines Dialogs. Der Umfrage zufolge meinen 80 Prozent, dass Israel versuchen sollte, Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah zu töten. Ebenso viele Befragte sind zufrieden mit dem bisherigen Einsatz der israelischen Armee.

In dem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah sind nach Unicef-Angaben bereits 620 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 3000 verletzt worden. Schätzungsweise seien ein Drittel der Toten und Verletzten Kinder und Jugendliche, erklärte die Organisation heute in Berlin. Mehr als 800.000 Menschen seien auf der Flucht. "Es ist unerträglich, wie der Tod von Kindern von beiden Konfliktparteien in Kauf genommen wird", sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Dietrich Garlichs. "Der Schutz von Kindern und Zivilpersonen ist eine internationale Verpflichtung in allen Kriegen. Wer diese missachtet, schafft unendliches Leid und ruft nur neue Gewalt hervor."

hen/dpa/AP/Reuters/AFP

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