Mittwoch, 10. Februar 2010

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06.08.2006
 

Nahostkrieg

Hisbollah verübt bisher schwersten Angriff auf Nordisrael

Bei dem bislang folgenschwersten Raketenangriff der libanesischen Hisbollah-Miliz auf Israel sind mindestens zehn Soldaten getötet worden. Die radikalislamische Organisation feuerte Dutzende Raketen auf den Norden des Landes - auch eine Synagoge soll getroffen worden sein.

Tel Aviv - Eine Rakete habe eine Gruppe von Reservisten in der Ortschaft Kfar Giladi nördlich von Kirjat Schmona direkt getroffen, berichten israelische Medien. Zehn Soldaten starben, neun wurden verletzt. Es ist die höchste Zahl an Opfern bei einem einzelnen Angriff auf Israel seit Beginn der Kämpfe am 12. Juli. Insgesamt starben seitdem durch die Angriffe der Hisbollah 56 israelische Soldaten und 33 Zivilisten.

Hisbollah habe heute Dutzende von Raketen auf den Norden Galiläas abgefeuert, hieß es. Einem Radiobericht zufolge schlug ein Geschoss in einer Synagoge in Kfar Giladi ein.

Bei Bodengefechten im Südlibanon waren in der vergangenen Nacht nach Angaben der israelischen Armee zwölf Hisbollah-Milizionäre und ein Soldat getötet worden. Kampfflugzeuge bombardierten heute früh erneut Ziele im Südlibanon und im östlichen Bekaa-Tal. Allein in der Nacht seien 80 Angriffe geflogen worden, teilte das Militär mit.

Israel reagierte heute positiv auf die von Frankreich im Uno- Sicherheitsrat eingebrachte Libanon-Resolution. Israelische Medien berichteten unter Berufung auf Regierungskreise, der Entwurf werde in Jerusalem mit Zufriedenheit betrachtet. Der in tagelangen Verhandlungen mit den USA abgestimmte Entwurf fordert Israel und die Hisbollah zur Beendigung ihrer Kämpfe auf.

Die Hisbollah erklärte, sie könne die Resolution nicht annehmen, solange Israel sich nicht vollständig aus dem Libanon zurückziehe. Nicht ein israelischer Soldat dürfe auf libanesischem Territorium verbleiben, sagte einer der Kabinettsminister der Hisbollah in Beirut, Mohammed Fneisch.

Der Weltsicherheitsrat hatte sich gestern Abend in einer ersten Beratung mit dem Resolutionsentwurf befasst. Diplomaten rechnen mit einer Verabschiedung der Entschließung zu Beginn der Woche. Sie räumten allerdings ein, dass es schwierig werden würde, Israel und die Hisbollah von einer Annahme der Resolution zu überzeugen.

Ein Sieg für die USA

Die Vorlage ruft zur "vollständigen Beendigung der Gewalt" zwischen Israel und der Hisbollah auf, gesteht Israel aber das Recht zu, sich gegen Angriffe der schiitischen Miliz mit Gegenangriffen zur Wehr zu setzen: Ein Sieg der USA und Israels gegen Frankreich und andere Länder, die sich für einen sofortigen Waffenstillstand ausgesprochen hatten.

Der Entwurf fordert Israel und die Hisbollah auf, sich auf Prinzipien für einen langfristigen Frieden zu verständigen. Ein zentraler Punkt dabei ist ein Waffenembargo gegen jede Einheit im Libanon mit Ausnahme der libanesischen Regierung. Damit soll verhindert werden, dass die Hisbollah Waffenlieferungen aus Iran und Syrien erhält, die als Hauptunterstützter der schiitischen Miliz gelten.

Vorgesehen sind zudem die Entwaffnung der Hisbollah sowie die Schaffung einer Pufferzone von der israelischen Nordgrenze bis zum Litani-Fluss im Libanon. Die bereits seit 1978 im Südlibanon stationierte Uno-Beobachtertruppe Unifil soll vorübergehend die Einhaltung der geplanten Waffenruhe überwachen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Resolutionsentwurf als "wichtigen Schritt zur Beendigung der Kampfhandlungen" begrüßt. Es sei ein starkes Zeichen der Staatengemeinschaft an die Konfliktparteien", zitierte ein Regierungssprecher die Kanzlerin heute in Berlin. Zuvor hatte bereits US-Präsident George W. Bush den Entwurf begüßt. Der Präsident sei mit dem erzielten Fortschritt zufrieden, sagte sein Sprecher Tony Snow. Bush sei sich aber auch bewusst, dass es bis zu einem Ende der Gewalt noch ein langer Weg werden könnte.

Auch der britische Premierminister Tony Blair begrüßte den Entschließungstext. Dies sei "ein wichtiger erster Schritt zur Beendigung der tragischen Krise", erklärte Blair in London.

Israelische Schriftsteller für Waffenstillstand

In einem offenen Brief an die Regierung in Jerusalem haben drei der bekanntesten Schriftsteller Israels ein sofortiges Ende der Angriffe auf den Libanon gefordert. "Alle erreichbaren Ziele dieser Operation wurden erreicht, deshalb ist es nun nicht mehr zu rechtfertigen, weiteres Leid zu verursachen und noch mehr Blut auf beiden Seiten zu vergießen", heißt es in dem Aufruf von David Grossman, A. B. Yehoshua und Amos Oz, den heute die Zeitung "Haaretz" veröffentlichte.

Die drei Autoren, die als Israels große literarische Stimmen der Gegenwart gelten, stellten zugleich klar, dass sie den Einsatz gegen die Hisbollah im Grundsatz für richtig hielten. "In unseren Augen handelt es sich um einen moralisch gerechten und völkerrechtlich legitimen Akt der Selbstverteidigung gegen eine Aggression aus einem feindlichen Land." Nun müsse die Regierung aber einen sofortigen Waffenstillstand anstreben, weil ein weiteres militärisches Vorgehen keine Früchte tragen könne.

ler/dpa/Reuters/AP/AFP

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