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10.08.2006
 

Polen

Kaczynski verurteilt Vertriebenen-Ausstellung

Mit scharfen Worten hat Polens Ministerpräsident Kaczynski die Berliner Vertriebenen-Ausstellung "Erzwungene Wege" kritisiert. Unmittelbar vor Eröffnung der Schau protestierten polnische und deutsche Rechtsextreme vor dem Kronprinzenpalais.

Berlin/Warschau - "Ich glaube, wir haben es hier mit einer sehr schlechten, sehr irritierenden und sehr traurigen Angelegenheit zu tun," sagte Jaroslaw Kaczynski über die Berliner Ausstellung "Erzwungene Wege" während seines Besuchs der Gedenkstätte für das ehemalige Konzentrationslager Stutthof bei Danzig.

Für die Ausstellung über Vertreibungen in Europa ist die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, verantwortlich. Die CDU-Politikerin ist auch Vorsitzende der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen. Sie hofft, dass die Ausstellung eine Art Vorläufer des geplanten Zentrums ist, das allerdings seit sechs Jahren zu massiven Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Polen führt.

Kaczynski sagte: "Wir wünschen uns, dass alles, was mit den Namen von Frau Steinbach in Verbindung steht, so schnell wie möglich endet, denn daraus entspringt nichts Gutes für Polen, für Deutschland, für Europa." Er fügte hinzu, die Erinnerung daran, "wer der Angreifer und wer das Opfer war", müsse eindeutig bewahrt werden.

Unmittelbar vor Eröffnung der Ausstellung kam es heute zu Protesten von polnischen und deutschen Rechtsextremen. Vor dem Kronprinzenpalais in Berlin versammelten sich insgesamt rund 50 überwiegend aus Polen angereiste Jugendliche mit Transparenten und rot-weißen Fahnen. Nach Aussage einer Teilnehmerin protestierten die Jugendlichen gegen das geplante Zentrum gegen Vertreibung. Vor allem in Polen und Tschechien wird befürchtet, dass Deutschland bei der Aufarbeitung der Vertreibungen die eigene Schuld relativieren will.

In der Ausstellung im Berliner Kronprinzenpalais werden anhand von 280 Objekten aus 14 Nationen, Texten und Videostationen bis 29. Oktober auf 600 Quadratmetern Vertreibungsschicksale im 20. Jahrhundert aufgezeigt.

Dokumentiert wird unter anderem der Völkermord an den Armeniern (1915/16), die Vertreibung der Juden in Europa ab 1933, die Vertreibung Deutscher am Ende des Zweiten Weltkrieges und die Vertreibungen im ehemaligen Jugoslawien in den neunziger Jahren.

hen/AP/ddp

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