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18.08.2006
 

"Crap"-Affäre

Labour-Abgeordnete spenden Beifall für Bush-Beschimpfung

Die "Crap"-Affäre zieht weite Kreise. Der britische Vize-Premier Prescott dementiert zwar, dass er die Nahost-Politik von US-Präsident Bush "Müll" genannt habe, aber für die Beschimpfung bekommt er viel Zuspruch aus seiner Partei. Im Weißen Haus versucht man abzuwiegeln.

London/Washington - Harry Cohen freute sich. Er sei "voll des Lobes" für John Prescott, sagte der Labour-Abgeordnete, der die Debatte um die Bush-Beschimpfungen erst ausgelöst hatte. Cohen hatte enthüllt, dass Prescott auf einem privaten Treffen die Nahost-Politik George W. Bushs "Müll" genannt haben soll.

Wirbel um Verbalattacken: Großbritanniens Vize-Premier John Prescott
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REUTERS

Wirbel um Verbalattacken: Großbritanniens Vize-Premier John Prescott

Der Sprecher des US-Präsidenten, Tony Snow, sagte, Bush habe sich schon "weit Schlimmeres anhören müssen", und das würde sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Das gehöre zur "Last des Amtes". Im Übrigen betrachte Bush Premierminister Tony Blair als seinen Ansprechpartner in London.

Prescott allerdings ist gegenwärtig kommissarisch Regierungschef, weil Blair im Urlaub ist. Dem Vize-Premier ist der Wirbel um seine Äußerungen offenbar unheimlich. Deutlich dementierte er einen Bericht der Zeitung "Independent", in der Harry Cohen über die Verwendung des C-Wortes plauderte, "Crap", "Müll". Cohen ließ sich nicht beirren und breitete das angeblich Gehörte vor verschiedenen anderen Zeitungen und Nachrichtenagenturen aus. Zwei andere Abgeordnete haben offenbar mittlerweile seine Aussagen bestätigt.

Prescotts Partei klatscht Beifall

Unterdessen haben sich im "Independent" zehn Labour-Abgeordnete auf Cohens Seite geschlagen. Aus dem Wahlkreis Glasgow South West ließ Ian Davidson verlauten, Prescotts Kommentar zur US-Politik sei "knapp und zutreffend". Ihm stimmt auch die Abgeordnete Ann Cryer zu: "Zweifellos wird eine sehr große Zahl Labour-Abgeordneter dem zustimmen, was John Prescott gesagt haben soll. Ich tue es jedenfalls."

Der Bürgermeister von London, Ken Livingstone, sagte, er wisse zwar nicht, was Prescott wirklich gesagt habe, aber die gegenwärtige US-Regierung sei "ein Desaster für das amerikanische Volk" und habe "nicht nur den internationalen Beziehungen, sondern auch der Umwelt erheblichen Schaden zugefügt".

Sogar vom politischen Gegner kommt Zustimmung. Zwar wollte die konservative Tory-Partei die Äußerungen nicht kommentieren. Normal Lamb von der Liberal Democrats-Partei sagte jedoch der Zeitung "Guardian", falls es stimme, was Prescott gesagt haben soll, seien "seine Instinkte in Bezug auf Nahost denen von Tony Blair auf jeden Fall vorzuziehen". Er kritisierte, dass Blair sich in zu große Abhängigkeit zu Bush begeben habe.

sön/AP/dpa

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