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18.08.2006
 

Uno-Friedenstruppe

"Soldaten aus Bangladesch sind katastrophal ausgerüstet"

Von Christian Teevs

Das Dritte-Welt-Land Bangladesch stellt insgesamt gesehen die meisten Soldaten bei Uno-Friedensmissionen, rund 10.000 Mann. Auch für die Libanon-Mission bietet Bangladesch an, einen Großteil der Soldaten zu stellen. Experten streiten, ob dies sinnvoll sein kann.

Berlin - Der Nahost-Experte Maximilian Terhalle kann sich eine entscheidende Rolle der Soldaten aus Bangladesch nicht vorstellen. "Die Soldaten aus Bangladesch sind katastrophal ausgestattet und ausgebildet", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) zu SPIEGEL ONLINE. Solche Truppen seien heillos überfordert, wenn sie auf Hisbollah-Kämpfer treffen würden. "Die haben Waffen, die sind so alt, dass sie sich damit in erster Linie selbst gefährden", erklärt Terhalle. Warum sich Staaten wie Bangladesch so gerne an Uno-Missionen beteiligen, sei klar. "Die profitieren in erster Linie finanziell davon."

Der Sold, den die Soldaten von der Uno bekämen, werde mindestens zur Hälfte einbehalten, um damit Haushaltslöcher zu stopfen. "Vor allem profitieren die Dritte-Welt-Staaten aber mit Handelsverträgen und Schuldenerlassen, die sie als Gegenleistung für ihr militärisches Engagement erhalten", betont Terhalle. Er sehe die Gefahr, dass die Schlagkraft der Libanon-Friedenstruppe durch Soldaten aus Bangladesch, Indonesien oder Malaysia arg begrenzt sei.

Anderer Ansicht ist der Vorsitzende der Hilfsorganisation "Grünhelme", Rupert Neudeck. "Soldaten aus Bangladesch beteiligen sich seit 15 Jahren an Uno-Missionen und sind für den Libanon-Einsatz besser geeignet als jede europäische Armee." Zwar gibt auch Neudeck zu, die Ausrüstung der Soldaten aus Bangladesch lasse häufig zu wünschen übrig. Dies sei aber durch die Europäer ohne Probleme zu beheben. So habe man das im Kongo oder in Bosnien auch schon praktiziert.

"Aspirin und Milchpulver"

Doch auch wenn die Soldaten aus Bangladesch eine Ausrüstung von europäischen Partnern bekämen, wäre ihre Schlagkraft "sehr, sehr begrenzt", entgegnet Terhalle. Es wäre weiterhin eine reine "Präsenztruppe", die den Auftrag, die libanesisch-israelische Grenze zu sichern, niemals erfüllen könne. Terhalles Kollege von der DGAP, Henning Riecke, sagt, die heute bekannt gegebenen Kontingente seien nur ein erster Schritt. "Im Moment halten noch alle ihre Karten zurück. Frankreich und auch Deutschland werden ihre Kontingente noch erhöhen."

Neudeck ist dagegen froh über die gering ausgefallene deutsche Beteiligung. "Mir sind 2000 Soldaten aus Bangladesch lieber als 200 Deutsche", sagte Neudeck, der 1979 die Hilfsorganisation "Cap Anamur" gründete. Diese hätten Erfahrung in Kriegsgebieten und würden "in kritischen Situationen nicht lange fackeln". Die Bundeswehr könne eine dermaßen gefährliche Mission nicht leisten. "Der deutsche Beitrag beschränkt sich auf Aspirin und Milchpulver", diagnostiziert Neudeck spöttisch.

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