Mittwoch, 10. Februar 2010

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Papst Benedikt XVI.

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17.09.2006
 

Angelus-Gebet

Benedikt XVI. geht auf Distanz zu Manuel II.

Der Papst distanziert sich - aber er kriecht nicht zu Kreuze. Die islamkritische Passage sei "nur ein Zitat" gewesen. Sie entspreche nicht seiner Haltung, sagte Benedikt heute beim Sonntagsgebet vor Pilgern in Rom. Für seine versöhnlichen Worte erntete er Jubel, und er scherzte sogar.

Einen Scherz erlaubte sich der Papst, als er ans Fenster trat, um vor der Menge der angereisten Gläubigen das Angelus-Gebet zu sprechen: Einige von ihnen hielten sich Plastikfolien über die Köpfe. "Wasser ist ja auch ein Zeichen des heiligen Geistes", sagte Benedikt XIV.

Benedikt XIV.: "Ich hoffe, dass dieses Gewitter ein Bisschen nachlässt"
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Benedikt XIV.: "Ich hoffe, dass dieses Gewitter ein Bisschen nachlässt"

Sobald das Oberhaupt der katholischen Kirche sich gezeigt hatte, brandete Beifall auf. Das traditionelle Sonntagsgebet, heute in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo außerhalb Roms, war auch heute ein Heimspiel. Nichts zu spüren von den empörten Reaktionen auf die islamkritischen Passagen in der Regensburger Rede der vergangenen Woche, welche die islamische Welt in Aufruhr versetzt hatten. Sogar Terrordrohungen gegen Papst und Vatikan hat es gegeben. Sicherheitsexperten waren wegen des Angelusgebets besorgt gewesen - es herrschten erhöhte Sicherheitsmaßnahmen.

"Ich hoffe, dass dieses Gewitter ein bisschen nachlässt", sagte der Papst. Das war mehr als zweideutig. Benedikt XVI. sprach nicht nur von den "wundervollen Erfahrungen" bei seinem Bayern-Besuch. Von den Reaktionen auf seine Regensburger Rede sei er "tief betrübt", weil sie als "beleidigend für muslimische Gläubige" interpretiert worden seien. Die inkriminierte Passage, Aussagen des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos, denen zufolge der Prophet Mohammed "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht habe, sei nur ein Zitat gewesen. Benedikt XVI. wörtlich: "Nur ein Zitat, das in keiner Weise meine persönliche Haltung dem Islam gegenüber ausdrückt."

Damit bekräftigte der Papst die Erklärung vom gestrigen Samstag, in der Staatssekretär Tarcisio Bertone, der Außenminister des Vatikans, das Bedauern des Papstes ausgedrückt hatte. In Castel Gandolfo sprach Benedikt XVI. nun von einer Haltung des "gegenseitigen Verständnisses" und der "gegenseitigen Liebe" gegenüber den Muslimen.

Er wiederholte auch den Hinweis darauf, dass er hofft, die Menschen mögen seine Rede richtig verstehen. Die Gläubigen beantworteten die Worte des Papstes mit Beifall und Jubel.

Dann wandte der Papst sich dem Apostel-Paulus und dem Gebet des Tages zu. Pilgergruppen aus Frankreich, Italien, Polen, aus englisch- und spanischsprachigen Ländern bedachte er mit kurzen Grußworten in ihrer Landessprache, ebenso wie eine Gruppe aus dem Allgäu. Gott, sagte der Papst, helfe auch in dunklen Zeiten. Er wünsche den Gläubigen eine gute Woche.

Benedikt selbst steht eine bewegte Woche ins Haus: Nicht nur, dass vielen religiösen und politischen Führern aus muslimischen Ländern seine Worte des Bedauerns nicht genügen. Die irakische Terrorgruppe Dschaitsch al-Mudschahidin hatte gar mit einem Anschlag auf den Vatikan gedroht. Auch innerhalb der Kirche hat die Regensburger Rede Benedikts offenbar Verstimmungen ausgelöst: "Mit Karol Wojtyla (Papst Johannes Paul II.) wäre das nicht passiert", zitierte die Turiner Zeitung "La Stampa" ein Kurienmitglied.

ORIENT UND OKZIDENT: 14 JAHRHUNDERTE RINGEN ZWISCHEN CHRISTEN UND MUSLIMEN

Das 6. und 7. Jahrhundert nach christlicher Zeitrechnung ist für Europa eine sorgenvolle Zeit. Die Schrecken der Völkerwanderung haben das Ende des römischen Kaiserreichs und damit der Spätantike besiegelt. Handel und Geldwirtschaft verlieren an Bedeutung - Herrschaftsräume werden neu verteilt.

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Eine wichtige Macht in den Zeiten des Umbruchs ist das Papsttum. Erstmals hat der römische Kaiser Justinian I. den römischen Bischof Leo I. (440 bis 461) als Pontifex Maximus bezeichnet. Im Frühmittelalter ist der Papst gleichzeitig mächtigster Kirchenfürst des Abendlandes und politische Figur.

754 und 756 erfährt der Papst durch den Langobarden-Einfall in Rom die Gefahr, die von allen ausgeht, die nicht seiner religiös-politischen Autorität gehorchen.

Zu den Faktoren, die in Rom für Angst sorgen, gehören auch die Auswirkungen einer neuen Religionsgründung im Nahen Osten:

570 wird der Prophet Mohammed in Mekka geboren. Mit der Hidschra, seinem Auszug von Mekka nach Medina, beginnt die islamische Zeitrechnung. Die monotheistische Religion, die Mohammed begründet, verbreitet sich rasch, zunächst auf der arabischen Halbinsel. Die neue Religion erhebt - ebenso wie auch das Christentum und das Judentum - einen Alleinanspruch.

Spätestens 638 nehmen auch die katholischen Europäer die neue Konkurrenz wahr: Araber muslimischen Glaubens erobern Jerusalem, die Christen, Juden und Muslimen gleichermaßen als heilige Stadt gilt. Die christlichen Bewohner werden von den arabischen Eroberern ziehen gelassen.

661 wird das Kalifat der Umayyad-Dynastie begründet. Von der Hauptstadt Damaskus aus erweitern die muslimischen Herrscher ihren Einflussbereich bis Iran und Nordafrika. Militärische Eroberung und religiöse Missionierung gehen einher. Viele Quellen betonen aber auch die Toleranz der Eroberer.

674 spürt das oströmische Reich, zu welcher Macht die muslimischen Herrscher mittlerweile gelangt sind. Sie belagern fünf Jahre lang die Hauptstadt Konstantinopel (Byzanz).

Bei seiner Generalaudienz am Mittwoch werde er noch einmal ausführlicher über die Bayern-Reise der vergangenen Woche sprechen, kündigte Benedikt XIV. heute bei seinem nur rund 17-minütigen Auftritt an. Insgesamt machte der Papst einen gelösten, heiteren Eindruck. Am Ende war der Regen über Castel Gandolfo stärker geworden. Die Pilger jubelten trotzdem weiter.

stx/ddp/dpa

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