Sonntag, 22. November 2009

Politik



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17.09.2006
 

Regensburger Rede

Moslembrüder mit Papst-Pardon zufrieden

Die ägyptische Moslembruderschaft ist zufrieden mit den Worten Benedikts XIV. beim Angelus-Gebet. Sie würden als "ausreichende Entschuldigung" akzeptiert. Ein versöhnliches Signal - gestern noch hatte den Moslembrüdern eine Erklärung aus dem Vatikan nicht ausgereicht.

Kairo - Eine der ersten Reaktionen aus der muslimischen Welt auf die persönlichen Worte des Papstes kommt von der radikalen ägyptischen Moslembruderschaft - und ist ebenso überraschend wie konziliant. Offenbar hat Benedikt mit seinen öffentlichen Worten des Bedauerns den richtigen Ton angeschlagen. "Wir können sie als ausreichende Entschuldigung akzeptieren", sagte der Vizechef der Organisation Mohammed Habib, "obwohl wir uns gewünscht hätten, dass der Papst seine Ideen und Visionen zum Islam dargelegt hätte."

Die Moslimbruderschaft ist eine radikale ägyptische Oppositinsgruppe, die in mehreren anderen Staaten der arabischen Welt Nachahmer gefunden hat. Nach der umstrittenen Regensburger Rede des Papstes, hatte Habib dem Papst vorgeworfen, er gieße "Öl ins Feuer".

Auch die Erklärung vom gestrigen Samstag hatte der Organisation nicht ausgereicht. Darin hatte zwar Benedikt XVI. sein Bedauern geäußert - veröffentlicht hatte die kurze Erklärung aber Tarcisio Bertone. Er bekleidet als vatikanischer Staatssekretär für die Beziehung zu den Staaten die Funktion eines Außenministers.

"Wir wollen eine persönliche Entschuldigung des Papstes", hatte Habib gestern gefordert. "Wir empfinden, dass er einen gravierenden Fehler begangen hat, der uns betrifft, und dieser Fehler kann nur durch eine persönlich vorgebrachte Entschuldigung beseitigt werden." Das, was der Vatikan bisher verbreitet habe, sei keine persönliche Entschuldigung der päpstlichen Aussagen.

Die Worte des Bedauerns vor dem Angelus-Gebet in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo erfüllen diesen Anspruch in den Augen der Moslembruderschaft nun offenbar. Benedikt XVI. hatte am Sonntagmittag zu Pilgern gesagt, er sei "tief betrübt", weil Passagen seiner seine Regensburger Rede als "beleidigend für muslimische Gläubige" interpretiert worden seien. Die inkriminierte Passage, Aussagen des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos, denen zufolge der Prophet Mohammed "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht habe, sei nur ein Zitat gewesen. Benedikt XVI. sagte wörtlich "Nur ein Zitat, das in keiner Weise meine persönliche Haltung dem Islam gegenüber ausdrückt."

ORIENT UND OKZIDENT: 14 JAHRHUNDERTE RINGEN ZWISCHEN CHRISTEN UND MUSLIMEN

Das 6. und 7. Jahrhundert nach christlicher Zeitrechnung ist für Europa eine sorgenvolle Zeit. Die Schrecken der Völkerwanderung haben das Ende des römischen Kaiserreichs und damit der Spätantike besiegelt. Handel und Geldwirtschaft verlieren an Bedeutung - Herrschaftsräume werden neu verteilt.

DPA
Eine wichtige Macht in den Zeiten des Umbruchs ist das Papsttum. Erstmals hat der römische Kaiser Justinian I. den römischen Bischof Leo I. (440 bis 461) als Pontifex Maximus bezeichnet. Im Frühmittelalter ist der Papst gleichzeitig mächtigster Kirchenfürst des Abendlandes und politische Figur.

754 und 756 erfährt der Papst durch den Langobarden-Einfall in Rom die Gefahr, die von allen ausgeht, die nicht seiner religiös-politischen Autorität gehorchen.

Zu den Faktoren, die in Rom für Angst sorgen, gehören auch die Auswirkungen einer neuen Religionsgründung im Nahen Osten:

570 wird der Prophet Mohammed in Mekka geboren. Mit der Hidschra, seinem Auszug von Mekka nach Medina, beginnt die islamische Zeitrechnung. Die monotheistische Religion, die Mohammed begründet, verbreitet sich rasch, zunächst auf der arabischen Halbinsel. Die neue Religion erhebt - ebenso wie auch das Christentum und das Judentum - einen Alleinanspruch.

Spätestens 638 nehmen auch die katholischen Europäer die neue Konkurrenz wahr: Araber muslimischen Glaubens erobern Jerusalem, die Christen, Juden und Muslimen gleichermaßen als heilige Stadt gilt. Die christlichen Bewohner werden von den arabischen Eroberern ziehen gelassen.

661 wird das Kalifat der Umayyad-Dynastie begründet. Von der Hauptstadt Damaskus aus erweitern die muslimischen Herrscher ihren Einflussbereich bis Iran und Nordafrika. Militärische Eroberung und religiöse Missionierung gehen einher. Viele Quellen betonen aber auch die Toleranz der Eroberer.

674 spürt das oströmische Reich, zu welcher Macht die muslimischen Herrscher mittlerweile gelangt sind. Sie belagern fünf Jahre lang die Hauptstadt Konstantinopel (Byzanz).

Bereits vor dem Einlenken von Vizechef Habib hatte Mohammed Mahdi Akef, der Führer der Moslembruderschaft, gegenüber der Nachrichtenagentur AP eine entspanntere Haltung seiner Organisation durchblicken lassen: Zwar sei die Verärgerung über die Regensburger Rede angebracht, diese solle aber nicht zu lange andauern. Akef fügte hinzu: "Auch wenn der Papst das Oberhaupt der katholischen Kirche ist, folgen dieser ja nicht alle Europäer. Insofern werden sie auch nicht durch seine Worte beeinflusst."

stx/AP/rtr

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