Kairo - Eine der ersten Reaktionen aus der muslimischen Welt auf die persönlichen Worte des Papstes kommt von der radikalen ägyptischen Moslembruderschaft - und ist ebenso überraschend wie konziliant. Offenbar hat Benedikt mit seinen öffentlichen Worten des Bedauerns den richtigen Ton angeschlagen. "Wir können sie als ausreichende Entschuldigung akzeptieren", sagte der Vizechef der Organisation Mohammed Habib, "obwohl wir uns gewünscht hätten, dass der Papst seine Ideen und Visionen zum Islam dargelegt hätte."
Die Moslimbruderschaft ist eine radikale ägyptische Oppositinsgruppe, die in mehreren anderen Staaten der arabischen Welt Nachahmer gefunden hat. Nach der umstrittenen Regensburger Rede des Papstes, hatte Habib dem Papst vorgeworfen, er gieße "Öl ins Feuer".
Auch die Erklärung vom gestrigen Samstag hatte der Organisation nicht ausgereicht. Darin hatte zwar Benedikt XVI. sein Bedauern geäußert - veröffentlicht hatte die kurze Erklärung aber Tarcisio Bertone. Er bekleidet als vatikanischer Staatssekretär für die Beziehung zu den Staaten die Funktion eines Außenministers.
"Wir wollen eine persönliche Entschuldigung des Papstes", hatte Habib gestern gefordert. "Wir empfinden, dass er einen gravierenden Fehler begangen hat, der uns betrifft, und dieser Fehler kann nur durch eine persönlich vorgebrachte Entschuldigung beseitigt werden." Das, was der Vatikan bisher verbreitet habe, sei keine persönliche Entschuldigung der päpstlichen Aussagen.
Die Worte des Bedauerns vor dem Angelus-Gebet in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo erfüllen diesen Anspruch in den Augen der Moslembruderschaft nun offenbar. Benedikt XVI. hatte am Sonntagmittag zu Pilgern gesagt, er sei "tief betrübt", weil Passagen seiner seine Regensburger Rede als "beleidigend für muslimische Gläubige" interpretiert worden seien. Die inkriminierte Passage, Aussagen des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos, denen zufolge der Prophet Mohammed "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht habe, sei nur ein Zitat gewesen. Benedikt XVI. sagte wörtlich "Nur ein Zitat, das in keiner Weise meine persönliche Haltung dem Islam gegenüber ausdrückt."
Bereits vor dem Einlenken von Vizechef Habib hatte Mohammed Mahdi Akef, der Führer der Moslembruderschaft, gegenüber der Nachrichtenagentur AP eine entspanntere Haltung seiner Organisation durchblicken lassen: Zwar sei die Verärgerung über die Regensburger Rede angebracht, diese solle aber nicht zu lange andauern. Akef fügte hinzu: "Auch wenn der Papst das Oberhaupt der katholischen Kirche ist, folgen dieser ja nicht alle Europäer. Insofern werden sie auch nicht durch seine Worte beeinflusst."
stx/AP/rtr
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