Madrid - Einige Camps seien so überfüllt, dass zahlreiche Afrikaner unter freiem Himmel schlafen müssten, berichtete "El Mundo" heute. In den Lagern herrschten hygienisch so verheerende Verhältnisse, dass die Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten drohe. Unter den Bewohnern komme es häufig zu Schlägereien. Die Vorwürfe stammen der Zeitung zufolge aus einem Bericht, den Polizeibeamte an ihre Gewerkschaft geschickt haben.
Die spanische Regierung bestätigte, dass die Lager bis an die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit gefüllt seien. Man könne aber nicht von verheerenden Verhältnissen sprechen, sagte Innenstaatssekretär Antonio Camacho. Auf den Kanaren sind insgesamt derzeit 8000 Flüchtlinge, die mit Booten von Westafrika auf die Inselgruppe gelangt sind, in provisorischen Camps untergebracht. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres sind mehr als 10.500 Flüchtlinge eingetroffen.
Auch in den Flüchtlingslagern anderer Länder ist die Versorgungslage offenbar dramatisch: Das Lager auf der besonders betroffenen italienischen Insel Lampedusa ist nach Angaben der Behörden nur für 186 Personen ausgelegt, oft kommen dort jedoch an einem einzigen Wochenende um die 500 Flüchtlinge an. Italien wie auch Spanien und Malta wollen außerdem mehr Sanitäter, Ärzte, Psychologen und Dolmetscher in den Auffanglagern einsetzen.
Um die Situation in den Lagern zu verbessern stellt die EU-Kommission Italien, Malta und Spanien 3,3 Millionen Euro zur Verfügung. Es handele sich um eine Soforthilfe, teilte ein Kommissionssprecher heute in Brüssel mit.
Damit sollen neben neuen Flüchtlingslagern eine strengere Überwachung der Seegrenzen finanziert werden. So soll die Ausstattung von Späh- und Suchtrupps der Küstenwachen verbessert werden, die auf dem Mittelmeer nach Bootsflüchtlingen Ausschau halten. Die Kommission geht davon aus, dass in den Sommermonaten rund 3000 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken sind.
Der Süden Spaniens erlebte unterdessen einen neuen Zustrom von illegalen Zuwanderern. Nach Angaben der Behörden erreichten mehr als 200 Nordafrikaner mit etwa 20 Booten in der Region Andalusien das spanische Festland. Die meisten von ihnen stammten aus Marokko. Illegale Immigranten aus dem nordafrikanischen Staat werden normalerweise umgehend in ihre Heimat abgeschoben, da Spanien mit Rabat ein Rückführungsabkommen geschlossen hat.
ler/dpa/AP
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