Beirut - Scheich Hassan Nasrallah hat Bundeskanzlerin Angela Merkel heftig angegriffen. Seine Kritik entlud sich an ihrer Aussage, wonach das deutsche Marinekontingent vor der Küste des Libanons Israels Sicherheit dienen solle. "Sie sagt, ihr Ziel sei es, Israel zu schützen", rief Nasrallah vor mehreren hunderttausend Anhängern. "Aber ich sage ihr: selbst wenn sie die See, den Luftraum und das Land überwachen - wir haben mehr als 20.000 Raketen und sind stärker als je zuvor."
Zudem verlangte er den Rücktritt der libanesischen Regierung unter Ministerpräsident Fuad Siniora, weil diese den Herausforderungen nach dem Libanon-Krieg nicht gewachsen sei. Die Hisbollah habe sich organisatorisch und militärisch erholt. Während des gut einmonatigen Libanon-Krieges hatte die schiitische Hisbollah aus dem Süden des Landes zahlreiche Raketen auf Israel abgefeuert.
Die Regierung ihrerseits schlug heute vor, die Hisbollah in eine Brigade der Streitkräfte integrieren und im Südlibanon einzusetzen. Diese Brigade "könnte unter Kontrolle der Armee eine Rolle beim Schutz der Dörfer im Süden haben", sagte Verteidigungsminister Elias Murr der Pariser Zeitung "Le Monde". Er wolle Nasrallah glauben, dass die Waffen der Hisbollah dem Schutze des Libanons dienten und "keine Karte Irans" seien.
Um ihrer Rolle zum Schutze des Landes gerecht zu werden, müssten die libanesischen Streitkräfte Raketen zur Panzer- und Flugabwehr kaufen, sagte Murr. "Wir hätten dann eine zusätzliche Karte, um die Entwaffnung aller von der Hisbollah bis zu den Palästinensern auszuhandeln."
Nasrallah lehnte auf der heutigen Kundgebung eine Entwaffnung der Miliz erneut rundweg ab. "Keine Armee der Welt kann uns dazu zwingen, die Waffen aus unseren Händen zu geben", sagte er in Beirut. Die Hisbollah verteidigt ihre Bewaffnung mit dem Argument, die libanesischen Streitkräfte seien zur Verteidigung des Landes nicht in der Lage. "Sobald die libanesischen Streitkräfte angemessen ausgerüstet sind, wird man eine Lösung finden, um diese Widerstandskämpfer in eine Brigade des libanesischen Heeres zu integrieren", sagte der Minister.
Regev: Nasrallah spuckt Gemeinschaft ins Gesicht
Das israelische Außenministerium dagegen verurteilte den Auftritt Nasrallahs scharf. Mit seiner bekundeten Weigerung, seine Miliz entwaffnen zu lassen, habe Nasrallah nicht nur die libanesische Regierung herausgefordert, sondern die gesamte internationale Gemeinschaft, zitierte die Zeitung "Haaretz" den Sprecher des Außenministeriums, Mark Regev. "Die Internationale Gemeinschaft kann es nicht gestatten, dass dieser vom Iran finanzierte Extremist in das Gesicht der organisierten Gemeinschaft der Nationen spuckt."
Viele Zuhörer Nasrallahs waren mit Wagen und Kleinbussen aus dem Süden des Landes, der Hochburg der Miliz, in die libanesische Hauptstadt gebracht worden. Es hatte Spekulationen darüber gegeben, ob der Schiit sich an die Öffentlichkeit wagen würde. Der Hisbollah-Führer war mit dem Ausbruch des militärischen Konfliktes mit Israel in den Untergrund gegangen. Israel hatte angekündigt, Nasrallah trotz der seit dem 14. August geltenden Waffenruhe weiter zu jagen.
ler/Reuters/AFP/dpa
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