Washington - Inzwischen gebe es zahlreiche Islamisten-Zellen, die zwar von der Terrororganisation al-Qaida inspiriert worden seien, aber keine direkte Verbindung mehr zu deren Anführer Osama bin Laden oder seinen Vertretern hätten, zitierte die "New York Times" aus der vertraulichen Analyse des National Intelligence Estimate (NIE).
Diese Terrorzellen würden immer wieder aufs Neue entstehen und hätten sich über einen harten Kern von Angehörigen der Terrororganisation al-Qaida und verwandte Gruppen hinaus rund um die Erde ausgebreitet. Laut der Zeitung heißt es in der Einschätzung, der Irak-Krieg habe bei der Ausbreitung der Ideologie des "Heiligen Krieges" eine Rolle gespielt. Überhaupt habe die Terrorgefahr seit den Anschlägen vom 11. September 2001 zugenommen.
Bei der streng geheimen Analyse handelt es sich um die erste offizielle Einschätzung der globalen Terrorbedrohung seit Beginn des Irakkriegs, berichtet die "New York Times". Sie weise der US-Invasion eine größere Bedeutung bei der "Anheizung des Radikalismus" zu als dies bisher in Dokumenten des Weißen Hauses geschehen sei. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben von mehr als ein Dutzend Regierungsbeamten und Experten, die entweder die Endversion des im April fertig gestellten Reports gesehen hätten oder an früheren Entwürfen beteiligt gewesen seien.
Der Bericht besage im Kern, dass der Irak-Krieg das Terrorismus-Problem insgesamt schlimmer gemacht habe, wurde ein Beamter zitiert. Einige der Schlussfolgerungen decken sich mit den Prognosen aus einem anderen Geheimdienstbericht vom Januar 2003: Damals hieß es unter anderem, ein Krieg im Irak könne zu zunehmender Unterstützung für den Islam in der ganzen Welt führen, wie die Zeitung weiter berichtete.
Nach Informationen der "New York Times" begann die Arbeit an der Analyse bereits vor zwei Jahren. Doch wurden die Entwürfe immer wieder geändert - unter anderem, weil einige Regierungsvertreter mit der Ausrichtung unzufrieden gewesen seien. Unter anderem seien in den ersten Entwürfen konkrete Aktionen aufgelistet worden, die der extremistischen Bewegung Auftrieb gegeben hätten: Darunter die Folterungen im Gefängnis von Abu Ghureib bei Bagdad oder das US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba.
abl/dpa/Reuters/AFP
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