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24.09.2006
 

Afghanistan

US-Einheit soll Gefangene gefoltert und getötet haben

Erneut erschüttert ein Folterskandal die US-Streitkräfte. Angehörige einer Spezialeinheit sollen einem Bericht der "Los Angeles Times" zufolge in Afghanistan Gefangene gefoltert und getötet haben. Kameraden hätten die Täter vor der eigenen Militärführung gedeckt.

Los Angeles – Die Spezialeinheit der Green Berets der Alabama National Guard kehrte im Frühjahr 2003 glorreich aus Afghanistan zurück. Jeder Einzelne der zehn Mitglieder starken Truppe, so berichtet die "Los Angeles Times", hatte nach Ansicht des Kommandanten einen Orden verdient. Der Auftritt der Truppe in Afghanistan wurde in den höchsten Tönen gepriesen, sie habe bewiesen, dass die Nationalgarde im Krieg gegen den Terror der regulären Armee in nichts nachstehe.

"Doch die Mannschaft kam mit Geheimnissen nach Hause", schreibt die Zeitung. Die Soldaten der Einheit sollen im Jahr 2003 wehrlose Gefangene getötet und misshandelt haben. Ein unbewaffneter Bauer sei nach einem schweren Gefecht auf dem Stützpunkt der Spezialeinheit in Gardez verhört und dann erschossen worden. Ein 18-jähriger Rekrut der afghanischen Armee sei ebenfalls gestorben, nachdem er auf dem Stützpunkt verhört wurde. Die Beschreibungen seiner Verletzungen hätten auf schwere Schläge und andere Misshandlungen hingedeutet. Auch mehrere andere Gefangene seien geschlagen oder gefoltert worden.

Der "Los Angeles Times" zufolge unterscheiden sich diese Vorfälle deshalb von anderen Tötungsfällen in US-Gefangenschaft, weil sie sogar vor der Militärführung verheimlicht werden konnten. Ein damals auf dem Stützpunkt eingesetzter Soldat berichtete der "Los Angeles Times", seine Einheit habe sich nach dem Tod des Jugendlichen versammelt, um für den Fall von Ermittlungen die Aussagen abzustimmen.

"Jeder im Team wusste davon", sagte der Soldat, dessen Name nicht genannt wurde. Es werde jedoch nicht über derartige Vorfälle gesprochen. Was auf der unteren Kommandoebene geschehe, werde nicht an die Vorgesetzten weitergegeben. "Keiner will jemanden in Schwierigkeiten bringen. Man lehnt sich zurück und hofft, dass es vorbeigeht."

Fußtritte, Schläge, kaltes Wasser, Schlafentzug

Die "Los Angeles Times" untersuchte die Zwischenfälle gemeinsam mit der Organisation Crimes of War Project. Die Armee leitete inzwischen Ermittlungen ein. Die Zeitung erhielt seitdem nach eigenen Angaben Einblick in Tausende Seiten interne Militärdokumente, denen zufolge Gefangenenmisshandlungen in Afghanistan häufiger vorkommen als bisher zugegeben wurde.

2002 sprach ein hochrangiger Vertreter der Spezialkräfte in einem Briefwechsel von einem "extrem hohen Niveau körperlicher Gewalt". Ein Kommandeur der US-Armee sagte, die Gefangenen würden zum Teil so lange ohne Anklage festgehalten, dass bereits von "Kidnapping" die Rede sein könne.

Schon seit geraumer Zeit wurden immer wieder Vorwürfe wegen der Misshandlung Gefangener im Stützpunkt Gardez und anderen US-Lagern laut. Das Internationale Rote Kreuz schlug Alarm. Die Stützpunkte seien Kurzzeit-Gefängnisse mit speziell geschultem Personal. Gardez sei einer der schlimmsten gewesen. Dort Gefangene berichteten, sie seien geschlagen, mit Fußtritten malträtiert und in eiskaltes Wasser geworfen worden. Auch hätten sie tagelang nicht schlafen dürfen.

Serie von Folter von Bagram bis Abu Ghureib

Die jetzt bekannt gewordenen Folter- und Tötungsvorwürfe reihen sich ein in eine ganze Serie von Misshandlungen Gefangener durch US-Soldaten in Afghanistan und im Irak. Besonders die Vorgänge im Bagdader Gefängnis Abu Ghureib schockierten die Weltöffentlichkeit. Vor allem in der muslimischen Welt schuf sich Amerika mit der Menschen entwürdigenden Behandlung von Gefangenen viele neue Feinde. Die Untersuchung der Verbrechen von Abu Ghureib führte dazu, dass mehrere Soldaten der US-Armee zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Hochrangige Befehlshaber und Politiker wurden jedoch nicht zur Rechenschaft gezogen.

Auch in Afghanistan waren bereits Foltervorwürfe laut geworden. Im Dezember 2002 folterten amerikanische Ermittler zwei Häftlinge im Stützpunkt Bagram nahe Kabuls zu Tode. Die "New York Times" hatte vor eineinhalb Jahren berichtet, dass ein 22-jähriger Taxifahrer beim Verhör im Gefängnis starb. Ein Dolmetscher hatte laut einem US-Protokoll ausgesagt, der Mann sei während eines viertägigen Verhörs gefoltert worden. Kurz davor war laut dem Militärbericht ein weiterer Häftling seinen Folterverletzungen erlegen. Er sei an Handschellen aufgehängt worden. Einige der Verhör-Experten wurden nach Informationen der "New York Times" im Juli 2003 von Bagram in Afghanistan nach Abu Ghureib im Irak versetzt.

asc/AFP

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