Canberra - Um gegen den wieder erstarkenden Aufstand der Taliban vorzugehen, wäre es hilfreich, wenn eine größere Anzahl europäischer Länder ihre Einsatzregeln ändern und sich am Kampf beteiligen würden, sagte der australische Außenminister Alexander Downer. Einen Verbleib der australischen Spezialeinheiten in der Region schloss Downer jedoch aus.
"Ich denke, die wirkliche Herausforderung besteht darin, dass eine größere Anzahl von Ländern von den Vorsichtsmaßnahmen Abstand nehmen muss, die ihr Engagement begrenzen, und sich darauf vorbereiten, die Last im Süden des Landes mitzutragen", sagte Downer. "Ich denke, wir brauchen eine größere Team-Anstrengung in Afghanistan."
Australien hat im Süden 500 Soldaten stationiert, darunter 192 Mitglieder einer Spezialeinheit, die jedoch bereits mit dem Abzug begonnen haben, der in zwei Wochen abgeschlossen sein soll. Eine Verlängerung ihres Einsatzes komme nicht in Frage, sagte Downer. "Wir müssen vorsichtig sein und können nicht von unseren Spezialeinheiten verlangen, die ganze Zeit die gesamte Last zu tragen."
Auch Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer dringt darauf, dass Länder wie Deutschland, Spanien und Italien einen Einsatz ihrer Truppen im Süden ermöglichen und hatte bis zu 2500 zusätzliche Isaf-Soldaten gefordert. Momentan besteht die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) aus 18.500 Soldaten. Deutschland hat derzeit Soldaten in Nordafghanistan und Kabul stationiert. Die Bundesregierung hat einen Einsatz im Süden ausgeschlossen.
Bundestagsentscheidung: Donnerstag
Der Bundestag entscheidet bereits übermorgen über die Verlängerung des schwierigen Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan. Das teilte der Bundestag auf seiner Homepage mit. Damit wird die namentliche Abstimmung um einen Tag vorgezogen. Das Mandat für die Beteiligung von bis zu 3000 deutschen Soldaten an der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) läuft am 13. Oktober aus und soll um ein Jahr verlängert werden.
Der Bundestag stimmte 2001 erstmals der Friedensmission zu. Sie steht heute unter dem Dach der Nato. Die derzeitige Lage in Afghanistan mit Kämpfen und Anschlägen von Taliban-Rebellen auf die internationalen Truppen gilt als so schlecht wie seit dem Sturz des Regimes vor fünf Jahren nicht mehr.
Die Bundesregierung begründet ihren Antrag auf Verlängerung des Einsatzes damit, dass es durch das Engagement der internationalen Gemeinschaft gelungen sei, in Afghanistan eine auf demokratischen Grundsätzen basierende politische Ordnung zu etablieren. Es seien die grundsätzlichen Rahmenbedingungen geschaffen worden, dass das Land nicht erneut zu einem sicheren Hafen für Terroristen werde. Die Kosten für den weiteren Einsatz belaufen sich auf 460 Millionen Euro.
asc/Reuters/dpa
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