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06.10.2006
 

Sudan

Wie Mia Farrow und George Clooney in Darfur Hollywood spielen

Hilfsorganisationen setzen Prominente ein, um Aufmerksamkeit auf ein Krisengebiet zu lenken. Was geschieht, wenn die Schauspieler Mia Farrow und George Clooney in die Elendsregion Darfur im Sudan reisen, beschreibt SPIEGEL-Korrespondent Thilo Thielke.

Wieso "engagieren" sich immer wieder Hollywood-Größen für die "armen Schwarzen in Afrika?" Weil es Film und Fernsehen waren, die unser Bild von der Welt maßgeblich verändert haben, ist es auch nur konsequent, dass es Filmschauspieler wie Mia Farrow und George Clooney sind, die den Takt blasen, in dem die Blauhelmsoldaten heute marschieren sollen.

Farrow in Darfur: "Der Konflikt ist lösbar"
AP

Farrow in Darfur: "Der Konflikt ist lösbar"

Dabei kennen sie den Krieg nur aus den Filmen, durch die sie ketchupbeschmiert humpeln müssen, während hinter ihnen Chinaböller explodieren und Rauchbomben qualmen, bis der Gouverneur von Kalifornien mit seiner Pumpgun kommt und sie ins Jenseits befördert oder Jennifer Lopez auftaucht, wie in Out of sight, wo sie ein schrotflintenbewehrter Federal Marshall ist und Clooney ein Bankräuber auf der Flucht.

Glücklicherweise haben sowohl die Farrow als auch der schöne George wohltätige Organisationen gefunden, die sich um sie kümmern. Das "International Rescue Committee" hat sich Clooneys angenommen, und Mia Farrow erfuhr, nachdem sich Woody Allen seiner Stieftochter zuwandte, glücklicherweise Trost und freundliche Aufnahme im Schoß des Kinderhilfswerks Unicef.

Seitdem unternehmen sie, wohl aus therapeutischen Gründen, gelegentlich schauerliche Reisen ans Ende der Welt, und die führen sie, wie sollte es anders sein, auch zu den Hungernden in Darfur. Weil man in diesen Kreisen so einen Horrortrip selten geboten bekommt, wenn man nicht gerade mit Mickey Rourke auf LSD ist, hat Clooney seinen Daddy Nick ins Lager mitgeschleppt und Mia Farrow ihren Sohn Ronan.

Und dafür, dass all die aufregenden Erlebnisse nicht das Geheimnis der zwei Vielgereisten bleiben, gibt es das Qualitätsmedium stern.de, das uns über den Höllenritt auf dem Laufenden hält: Ronan "wirkt sehr jungenhaft, ist aber ein kleines Genie", während Mia "zart und zerbrechlich" ist und über eine "Haut wie Porzellan" verfügt.

Am tollsten jedoch findet die Farrow, dass in Darfur eigentlich alles irgendwie so ist wie in Hollywood, mit Gut und Böse. "Die Fronten waren ziemlich klar zwischen 'Bad guys' und 'Good guys' von der Afrikanischen Union", erzählt die Aktrice erleichtert, nachdem sie das Darfur-Problem vor Ort lösen konnte: "Der Konflikt ist lösbar."

Die Welt darf sich nämlich glücklich schätzen, dass die Dame nicht nur einfach bis nach Afrika gereist ist, sondern dankenswerterweise auch einen Plan ausgeheckt hat, wie man mit den Muselmännern fertig wird. Man müsste, meint sie, es im Prinzip so ähnlich anstellen, wie in der Szene im "Dreckigen Dutzend", wo Yul Brynner und Charles Bronson die Nazifestung stürmen und die Deutschen überrumpeln. "Die Uno muss da jetzt schnell rein", befiehlt sie.

Zumal sich in Darfur eigentlich alle ganz doll einig sind und Mia nun plötzlich findet, dass es doch fast nur noch "Good guys" gibt: "Eine afrikanische Lösung für ein afrikanisches Problem will die Regierung des Sudan haben, und alle anderen auch." Dann ist ja alles geritzt. Und Ronan, was meinst du? Der findet das alles eher ein wenig so wie in "Das Leben ist schön".

"Im Sudan geschieht gerade auch eine Art Holocaust", berichtet er munter.

Und wie erkennt man so etwas als 19-jähriger US-Boy? "Er ist in vieler Hinsicht älter als sein biologisches Alter", freut sich Mia Farrow über ihren Sprössling.

Die zwei wollen jetzt eine Vortragsreise durch amerikanische Universitäten unternehmen, und "Ronan wird so viel wie möglich über den Darfur-Konflikt schreiben".

Naja, lassen wir die beiden allein, und hoffen, dass sich Unicef weiter um sie kümmert. Vielleicht sind sie infantiler als ihr biologisches Alter, und keiner hat es ihnen bisher gesagt.

Und horchen wir zum Ende dieser Abschweifung kurz in das hinein, was Clooneyvater Nick sozusagen "face to face" mit dieser sudanesischen Art Holocaust fühlt: "Es war ein Privileg für George und mich, diese Menschen auf ihrer gefährlichen Reise getroffen zu haben. Was wir ihnen gegeben haben, verblasst im Vergleich zu dem, was sie uns gaben." Das ist das Bild, das vom Darfur-Konflikt vermittelt wird.

Therapie gescheitert. Es ist nicht nur komisch, sondern auch tragisch.

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