Brüssel/Portoroz - Der Nato-Rat beschloss in Brüssel, die Zuständigkeit der Isaf "so rasch wie praktisch möglich" auch auf den hart umkämpften Osten Afghanistans auszuweiten. Dieser Beschluss ist jetzt offiziell in Kraft getreten, da bis 18.00 Uhr keines der 26 Nato-Mitglieder Einspruch erhoben hat. Dies teilte ein Nato-Sprecher am Rande eines Verteidigungsministertreffens in Portoroz (Slowenien) mit.
Es wurde erwartet, dass US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ebenso wie Nato-Oberbefehlshaber General James Jones (USA) die Nato-Verbündeten auffordern wird, zusätzliche Soldaten für die Isaf, vor allem den Einsatz im Süden des Landes, bereitzustellen. Außerdem solle geprüft werden, ob die Nato-Staaten der afghanischen Armee überschüssiges Material schenken könnten.
Die Isaf besteht derzeit aus rund 20.000 Soldaten. Die Ausweitung in den Osten bringt etwa 13.000 US-Soldaten, die bisher Teil der Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" der USA waren, unter Isaf-Kommando. Rund 8000 Soldaten sollen weiter unter US-Befehl für "Operation Enduring Freedom" eingesetzt werden. Erst im August hatte die Isaf das Kommando auch auf den Süden ausgeweitet, wo sich rund 8000 britische, kanadische und niederländische Soldaten heftige Gefechte mit den radikalislamischen Taliban geliefert haben.
Bush will Karzai und Musharraf versöhnen
US-Präsident George W. Bush will die Präsidenten von Afghanistan und Pakistan, Hamid Karzai und Pervez Musharraf, versöhnen und im gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus und Extremismus einen. Zum Abschluss des gleichzeitigen Besuchs der beiden Staatsoberhäupter in Washington rief Bush Karzai und Musharraf im Anschluss an ein festliches Abendessen in kleinem Kreis im Weißen Haus zur Beilegung ihrer Streitigkeiten und einer besseren Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf auf.
Bei dem kurzen, gemeinsamen Auftritt der drei Präsidenten vor den Fernsehkameras und der Presse war allerdings die starke Spannung zwischen den asiatischen Staatsmännern spürbar. Während Bush nach einer kurzen, würdigenden Rede über die Führungskraft der beiden Politiker seinen Gästen die Hand schüttelte, kam es zwischen Karzai und Musharraf zu keinerlei höflichen Gesten. Bush nannte Karzai und Musharraf vor Beginn des Dinners "meine Freunde".
In einer Erklärung des Weißen Hauses nach dem rund zweieinhalbstündigen Treffen der drei hieß es, dass sich alle Parteien auf einen besseren Austausch von Geheimdienstinformationen und gemeinsame Aktionen gegen Terroristen geeinigt hätten. Das Weiße Haus sprach von einem "konstruktiven Meinungsaustausch". An dem Abendessen nahmen auch US-Vizepräsident Dick Cheney, US- Außenministerin Condoleezza Rice und Sicherheitsberater Stephen Hadley teil.
Vor dem Gespräch hatte Bush gesagt, dass alle Beteiligten verstünden, dass die gemäßigten Kräfte durch Extremisten und Radikale herausgefordert würden. Nach den Worten von Bush muss außerdem sichergestellt werden, dass Terrorchef Osama bin Laden vor Gericht gestellt wird.
Afghanistan und Pakistan streiten unter anderem darüber, wo sich Bin Laden zur Zeit aufhält. Musharraf und Karzai ließen in der zurückliegenden Woche keine Gelegenheit aus, sich in Interviews gegenseitig vorzuwerfen, zu wenig gegen die wieder erstarkten Taliban-Milizen und den Terrorismus zu tun.
Vor dem Treffen sagte Musharraf, dass Karzai wie ein Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecke und aus innenpolitischen Gründen in Afghanistan nicht mit der Wahrheit konfrontiert werden wolle. Karzai wiederum sagte, Musharraf verweigere sich der Realität und müsse stärker gegen Religionsschulen auf pakistanischem Boden vorgehen, in denen Hass und Gewalt gepredigt werde.
Bush hatte versucht, mit dem Gespräch in Washington die Wogen zu glätten und jahrelanges Misstrauen zwischen Karzai und Musharraf abzubauen. Beide Präsidenten sind wichtige Verbündete in Bushs Krieg gegen Islamisten und den Terrorismus. Zugleich sind die USA bei der Jagd auf Bin Laden sowie auf andere hochrangige Mitglieder der Taliban oder von al-Qaida auf die Kooperation beider Länder angewiesen.
asc/dpa/AFP
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