Wellington/Paris - Ihr Land halte sich an die nach dem Anschlag von 1985 mit Paris getroffene Vereinbarung, sagte die neuseeländische Regierungschefin Helen Clark heute. Damals war vereinbart worden, die juristische Verfolgung von Beteiligten nach der Zahlung von Schadenersatz einzustellen. Clark reagierte damit auf Berichte, wonach ein Bruder der französischen Präsidentschaftsanwärterin Ségolène Royal direkter an dem Anschlag beteiligt gewesen sein soll als bekannt. Royal vermutete, die Geschichte könne lanciert worden sein, um ihrer Kandidatur innerhalb der sozialistischen Partei zu schaden.
Das Außen- und das Handelsministerium hätten sie darauf hingewiesen, dass Frankreich gemäß dem Völkerrecht zur Verantwortung gezogen worden sei, sagte Clark. Wegen des Anschlags waren 1985 zwei französische Geheimdienstagenten in Neuseeland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die anderen Beteiligten kamen dagegen nie vor Gericht. 1991 stellte Wellington die Ermittlungen nach einer Übereinkunft mit Frankreich ein. Paris zahlte damals eine Entschädigung von sieben Millionen Dollar an Neuseeland und 8,1 Millionen Dollar an Greenpeace.
Quelle für die neuen Vorwürfe gegen den Royal-Bruder Gérard Royal ist ein weiterer Bruder der Sozialistin. Antoine Royal sagte der Zeitung "Le Parisien" vom Freitag, der für den Geheimdienst DGSE arbeitende Gérard habe damals "die Bombe gelegt". Nach bisherigem Kenntnisstand hatte er lediglich ein Schlauchboot gesteuert, das Kampfschwimmer zur "Rainbow Warrior" brachte. Das Greenpeace-Schiff war am 10. Juli 1985 durch Haftminen im Hafen von Auckland versenkt worden. Ein Greenpeace-Fotograf kam dabei ums Leben. Die "Rainbow Warrior" hatte damals gegen französische Atomtests im Pazifik demonstrieren sollen.
"Ich weiß nicht, ob das ein Zufall ist", sagte Royal am Sonntagabend im nordwestfranzösischen Guingamp zu den Vorwürfen gegen ihren Bruder. "Eine Wahlkampagne rechtfertigt nicht alles. Alles kann Manipulation sein." Die Sozialisten wollen im November ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen bestimmen. Neben Royal haben bisher Ex-Premier Laurent Fabius und der ehemalige Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn ihre Kandidatur erklärt. Der Gewinner des Auswahlprozesses wird dann voraussichtlich gegen den konservativen Innnenminister Nicolas Sarkozy im Kampf um die Nachfolge von Amtsinhaber Jacques Chirac antreten.
ler/AFP
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