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13.10.2006
 

Friedensnobelpreis

Ahtisaari, Bono und andere Favoriten

Es ist die angesehenste Auszeichnung der Welt, und bis zur letzten Minute wird über den diesjährigen Preisträger spekuliert: Heute wird in der norwegischen Hauptstadt Oslo der Friedensnobelpreis verliehen. SPIEGEL ONLINE stellt die Favoriten vor.

Hamburg - Die Liste ist lang, 191 Kandidaten sind für den Friedensnobelpreis nominiert, der heute in Oslo verliehen wird - aber wenn Experten einen Favoriten nennen sollen, fällt vor allem ein Name: Martti Ahtisaari.

In etlichen Konfliktregionen der Welt hat der frühere finnische Präsident vermittelt. Nordirland, das ehemalige Jugoslawien, Eritrea, Namibia, Aceh: Der 69-jährige Krisenmanager ist gefragt, wenn ein Makler des Friedens benötigt wird.

Als Ahtisaari im Frühling 1999 im Auftrag der EU über den Abzug der serbischen Verwaltung und der Sicherheitskräfte aus dem Kosovo verhandelte, trug ihm die erfolgreiche Vermittlung weltweiten Ruhm ein. Entschlossen nötigte er dem damaligen serbischen Machthaber Milosevic die Zustimmung zum Rückzug ab. In westlichen Zeitungen wurde der Finne anschließend als "neuer Star Europas" gefeiert.

Derzeit gestalten sich Ahtisaaris Vermittlungen als Uno-Sondergesandter für den Kosovo allerdings schwieriger. Die Gespräche zwischen Albanern und Serben über den zukünftigen Status des Kosovo sind ins Stocken geraten. "Ich sehe nicht, dass die Parteien sich in der Statusfrage bewegen", sagte Ahtisaari kürzlich resigniert.

Nur wenige Experten sehen den noch ausstehenden Erfolg im Kosovo als Argument gegen einen Nobelpreis für Ahtisaari. Schon im vergangenen Jahr wurde der Finne für die Auszeichnung hoch gehandelt. Schließlich hatte er 2005 ein Friedensabkommen in der indonesischen Region Aceh vermittelt. Auch sein damaliger Verhandlungspartner, der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, wurde für den Nobelpreis vorgeschlagen.

Bono, Bob Geldof und ihr Einsatz für die Dritte Welt

Besonders prominente Namen auf der Liste des Osloer Komitees für den Friedensnobelpreis sind die irischen Rockmusiker Bono und Bob Geldof.

Bono, Sänger der Rockband U2, wurde für seinen Kampf gegen Armut nominiert. Seit Jahren setzt sich der 46-Jährige für einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt ein und ist Dauergast beim Weltwirtschaftsforum. "Bono ist sehr beschlagen, was die Probleme der am wenigsten entwickelten Länder der Welt angeht", sagte der frühere US-Finanzminister John Snow über den Iren.

Geldof wurde für die Organisation der Live-8-Benefizkonzerte im vergangenen Jahr nominiert - es war eine Neuauflage seines Konzertprojekts "Band Aid", der erfolgreichsten Benefizaktion aller Zeiten: Mehr als 120 Millionen Euro sammelte Geldof damals für Afrika.

In London, Berlin, Paris, Philadelphia, Johannesburg, Tokio, Rom und Toronto traten im vergangenen Jahr Künstler wie Madonna und Robbie Williams im Rahmen von Live-8 auf, um von den Industrieländern mehr Hilfe für die Armen zu fordern. "Wer die Versprechen an die Armen bricht, bringt Menschen um", sagte Geldof in einem Zeitungsinterview, nachdem sich die Chefs der führenden Industrienationen im vergangenen Jahr auf einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Erde und eine Erhöhung der Entwicklungshilfe geeinigt hatten.

Ebenfalls nominiert ist die chinesische Dissidentin Rebiya Kadeer. Wegen des "Verrats von Staatsgeheimnissen" hatte Peking Kadeer inhaftiert. Nach fünfeinhalb Jahren Haft durfte sie in die USA ausreisen. Ihr Vergehen: Sie hatte ihrem Mann Zeitschriften ins amerikanische Exil schicken wollen - ganz normale Zeitschriften.

Kadeer kämpft einen schweren Kampf gegen einen großen Gegner: Sie will die chinesische Führung vor ein internationales Menschenrechtstribunal bringen. Sie wirft dem Regime vor, die Uiguren, eine muslimische Minderheit im Nordwesten des Landes, zu unterdrücken.

Offizielle Regierungsstellen in China hatten norwegische Parlamentarier vor wenigen Wochen vor einer Vergabe des Preises an Kadeer gewarnt und mit Konsequenzen gedroht. Die Regierung in Oslo wies dies als unzulässige Einmischung in die Arbeit des völlig unabhängigen Nobelkomitees zurück.

Ayaan Hirsi Ali ins Gespräch gebracht

Auch die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali wurde für den Preis vorgeschlagen. Bekannt wurde sie als niederländische Politikerin und Buchautorin. Die 36-Jährige kämpft für die Rechte der Frauen. Auf einer Veranstaltung gegen Ehrenmorde sagte Hirsi Ali, die Gewalt, die weltweit an Frauen und Mädchen verübt werde, komme in "jedem Jahr einem neuen Ruanda gleich". Es sei für junge Frauen wahrscheinlicher durch die eigene Familie ermordet zu werden, als an Malaria, an Krebs, im Krieg oder bei einem Autounfall umzukommen. Als niederländische Politikerin übte Hirsi Ali immer wieder scharfe Kritik an der ihrer Ansicht nach überzogenen Toleranz und fehlgeschlagenen Integrationspolitik in dem Land. Im Sommer 2006 zog Hirsi Ali in die USA um.

Neben 168 Einzelpersonen stehen auf der Liste des Nobelkomitees auch 23 Organisationen - etwa die SOS-Kinderdörfer oder die Nichtregierungsorganisation "International Crisis Group". Nicht alle Kandidaten sind bekannt, das Gremium hält die Namen traditionell geheim, oft teilen jedoch die Nominierenden ihre Kandidaten mit.

Um 11.00 Uhr wird Ole Danbolt Mjoes, der Vorsitzende des Nobelkomitees, den diesjährigen Preisträger ausrufen. Martti Ahtisaari, der hoch gehandelte Kandidat, äußert sich zurückhaltend über seine Chancen. Seine Nominierung sei wie ein Lottoschein. "Ich habe noch nie im Lotto gewonnen", sagte der Finne.

hen/anr/ AFP/dpa

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