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27.10.2006
 

Angriffe in Südafghanistan

Nato räumt Tod von Zivilisten ein

Die Internationale Schutztruppe in Afghanistan hat bestätigt, dass bei den jüngsten Einsätzen im Süden des Landes auch Zivilisten getötet worden sind. Mindestens zwölf Menschen seien umgekommen, afghanische Behördenvertreter sprechen dagegen von mindestens 60 Toten.

Kabul - Nach den Vorwürfen von gestern räumte die Nato-geführte Internationale Schutztruppe für Afghanistan heute ein, dass bei Angriffen in dieser Woche in Südafghanistan auch mindestens zwölf Zivilisten getötet wurden. Afghanistans Präsident Hamid Karzai hatte zuvor bereits eine Untersuchungskommission eingerichtet, die Berichte überprüfen soll, wonach bei Nato-Luftangriffen gegen Taliban-Stellungen am Dienstag mindestens 60 Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen.

Die Nato hatte am Dienstag Luftangriffe in den beiden Bezirken Pandschwaji und Paschmul in der südlichen Provinz Kandahar geführt. Der Leiter des Bezirks Pandschwaji, Nias Mohammed Sarhadi, sagte, bei den Luftangriffen seien etwa 60 Bewohner getötet und zahlreiche Häuser zerstört worden. Der stellvertretende Vorsitzende des Provinzrats von Kandahar, Bismellah Afghanmal, sprach sogar von 85 Todesopfern.

Die internationale Allianz verteidigte gestern ihr Vorgehen und erhob schwere Vorwürfe gegen die Taliban. Die Extremisten würden Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" missbrauchen, sagte ein Sprecher des Bündnisses in Kabul. Das erschwere den Einsatz der Truppe.

Taliban-Militärkommandant Mullah Dadullah wies die Vorwürfe zurück. Im Gegenzug warfen die Taliban der Nato Völkermord vor. Die Extremisten kündigten an, die Zahl der ohnehin gestiegenen Selbstmordanschläge weiter zu erhöhen. "Wir wollen die ausländischen Truppen und ihre Sklaven wissen lassen, dass ihre Niederlage in Afghanistan unausweichlich ist", sagte Dadullah der Nachrichtenagentur Reuters. Die Taliban kämpften "bis zum Tod und werden Selbstmordangriffe in den kommenden Tagen verstärken".

Am Morgen waren bei der Explosion einer Bombe in der südlichen Provinz Urusgan mindestens 14 Zivilisten getötet worden. Drei weitere wurden verletzt, wie ein Sprecher des örtlichen Gouverneurs mitteilte. Die Explosion ereignete sich demnach auf einer Straße nördlich von Tirin Kot, der Hauptstadt der Provinz. Unklar war, ob es sich bei dem Sprengsatz um einen erst kürzlich deponierte Bombe oder eine ältere Mine handelte.

phw/AFP/reuters/AP

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