Warschau - Binnen weniger Stunden hat die polnische Regierung eine bizarre Debatte über die Pressefreiheit in ihrem Land ausgelöst. Am Mittag gab das Presseamt der polnischen Regierung eine kuriose Richtlinie heraus: keine Profilaufnahmen mehr von Premier Jaroslaw Kaczynski.
Es sei "einfach nicht nötig", den Premier von der Seite zu fotografieren, erläuterte Kaczynskis Sprecher Jan Dziedziczak die neue Regel für Pressefotografen, über die die Zeitung "Dziennik" berichtete.
Wenige Stunden später folgte die Kehrtwende: Kaczynski selbst nahm die Anordnung seines Presseamtes zurück. Es gebe keine Fotozensur, stellte der Regierungschef klar. Fotoreporter hätten in der Regierungskanzlei auch weiterhin alle Arbeitsfreiheiten, versicherte er vor Journalisten. "Hier ist mein Profil", wandte er den amüsierten Fotografen seine Seite zu.
Zuvor hatte sein Sprecher dementiert, dass die Richtlinie von Kaczynski aus Eitelkeit erlassen worden sei. Eine solche Vorschrift sei "alltägliches Vorgehen", behauptete Dziedziczak.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte mit scharfer Kritik auf die polnische Richtlinie reagiert. "Solche Regelungen, wie Politiker zu fotografieren sind, kennen wir nur aus Diktaturen", sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner in Berlin.
"Solche Restriktionen existieren nachweislich in Weißrussland, wo Journalisten auch inhaftiert werden", sagte Zörner. Es sei generell "völlig unakzeptabel", dass Bildjournalisten Vorschriften gemacht werden, wie Politiker abzulichten seien. Zörner hatte sowohl deutsche als auch polnische Fotografen dazu ermuntert, sich nicht an die polnischen Auflagen zu halten.
als/hen/dpa
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