Hamburg - Die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) hat in den vergangenen Monaten einen internen Bericht über den Störfall in Forsmark erstellt. Er beruht unter anderem auf Untersuchungen und Analysen des Betreibers Vattenfall und der schwedischen Atomaufsicht.
Demnach wäre die Anlage nach dem Ausfall der gesamten Stromversorgung nur noch 18 Minuten von einem Horrorszenario entfernt gewesen. Dann wären die ersten Teile des Reaktorkerns freigelegt worden. "Nach circa fünf Stunden wäre das gesamte Kühlmittelinventar verdampft gewesen", heißt es nach SPIEGEL-Informationen in dem Bericht.
Der Report listet eine ganze Reihe von technischen und organisatorischen Mängeln auf, konstatiert "fehlende administrative Vorgaben", "ungeeignete Schutzeinrichtungen" und "Planungsfehler". Nachdem am Unglückstag die Eigenstromversorgung nahezu komplett ausgefallen war, sprang "entgegen der Auslegung", wie es heißt, auch eine Not-Gasturbinenanlage nicht an. Außerdem schalteten aufgrund plötzlicher Spannungsunterschiede zwei der vier Diesel-Notstromaggregate nicht zu.
Obwohl die zwei verbliebenen Generatoren wie vorgesehen starteten, sank der Füllstand innerhalb des Reaktordruckbehälters weiter bedrohlich ab. Dieser stabilisierte sich erst 15 Minuten nach dem Ausfall der ersten Systeme – noch 1,90 Meter oberhalb des radioaktiven Kerns. Da hatte die Mannschaft bereits Vorkehrungen getroffen, radioaktiven Dampf in den Sicherheitsbehälter abzulassen.
Nur die zwei Diesel-Generatoren retteten, so die Experten, das KKW vor dem GAU – dabei wäre auch ihr Ausfall zu erwarten gewesen.
Der schwedische Energiekonzern Vattenfall wies den Bericht zurück. Der zuständige Unternehmenssprecher Göran Lundgren sagte der dpa in Stockholm: "Das ist einfach nicht wahr. Es hat niemals eine solche Gefahr bestanden. Ich verstehe nicht, wo solche Behauptungen herkommen."
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