Kabul/Berlin - Das Verteidigungsministerium erklärte heute in Berlin, der Anschlag auf die Bundeswehrfahrzeuge sei kurz vor Mitternacht mit Handfeuerwaffen verübt worden. Die Soldaten hätten auch zurück geschossen, sagte ein Ministeriumssprecher. Eines der drei geschützten Patrouillenfahrzeuge vom Typ Dingo sei leicht beschädigt worden, habe aber weiter fahren können, da die Auswirkungen des Beschusses "nicht groß" gewesen seien.
Deutsche Soldaten seien nicht verletzt worden. Der Anschlag zeige, dass auch im Norden Afghanistans die Lage weder ruhig noch stabil sei. Man habe es auch hier mit einer hohen Gefährdungslage zu tun, sagte der Sprecher.
Bei schweren Kämpfen in Südafghanistan wurden nach Angaben der Internationalen Schutztruppe Isaf mindestens 70 radikalislamische Rebellen getötet. Isaf-Sprecher Luke Knittig sagte heute in Kabul, das vierstündige Gefecht in der Provinz Helmand sei am Vortag von einem Angriff der Rebellen ausgelöst worden.
Soldaten der Nato-geführten Isaf und der afghanischen Armee hätten das Feuer erwidert. Die Isaf habe Kampfhubschrauber eingesetzt und die Rebellen aus der Luft beschossen. Zwischen 70 und 80 Aufständische seien getötet worden. Über getötete oder verwundete Soldaten wurde nichts bekannt.
Zu den Gefechten kam es in der Nähe des Ortes Musa Kala. Der gleichnamige Distrikt war bis September heftig umkämpft. Die in Helmand stationierten britischen Truppen hatten dann mit den örtlichen Stammesführern vereinbart, sich aus dem Distrikt zurückzuziehen. Im Gegenzug sollten die Stammesführer den Taliban nicht mehr erlauben, in Musa Kala zu operieren.
Die Sicherheitslage in Afghanistan ist so schlecht wie nie seit dem Sturz der Taliban. Seit Jahresbeginn kostete der besonders im Süden und Osten tobende radikalislamische Aufstand mehr als 3900 Menschen das Leben gekostet, mehr als vier mal so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Nach Isaf-Angaben kam es in diesem Jahr bereits zu rund 100 Selbstmordanschlägen, so viele wie nie zuvor. Dabei starben 230 Afghanen und 17 ausländische Soldaten.
phw/AP/dpa
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