Suva - "Um 6 Uhr heute Abend hat das Militär die Führung der Regierung und des Landes übernommen." Das erklärte der Chef der Streitkräfte, Frank Bainimarama, unmissverständlich auf einer Pressekonferenz. Er habe die Befugnisse des Staatspräsidenten übernommen und Ministerpräsident Laisenia Qarase entlassen. Der Chef der Streitkräfte kündigte die Bildung einer Übergangsregierung an. Danach werde er das Präsidentenamt an den bisherigen Amtsinhaber Ratu Josefa Iloilo zurückgeben, damit dieser eine neue Regierung bestimme und Wahlen zur Wiederherstellung der Demokratie ansetze, erklärte der Kommodore.
Der entmachtete Ministerpräsident Laisenia Qarase sitzt in seinem Haus fest. In einem Interview mit dem neuseeländischen Rundfunk sagte er am Morgen, dass er seinen Posten nicht aufgeben wolle. "Vor meiner Tür sind Soldaten. Wenn sie illegalerweise vorpreschen wollen, ist das ihre Sache. Ich werde nicht zurücktreten."
Um Regierungsgebäude in der Hauptstadt Suva zogen Truppen auf. Schwer bewaffnete Soldaten errichteten Straßensperren rund um die Hauptstadt und beschlagnahmten die Dienstfahrzeuge der Regierungsmitglieder.
Bereits am Montag entwaffneten Soldaten die Polizei. Die Streitkräfte wollen die Regierung zum Rücktritt zwingen.
Bainimarama, droht bereits seit Wochen mit einem Schlag gegen die Regierung. Er verlangt von Qarase die Rücknahme eines Amnestiegesetzes für die Verschwörer des Putsches im Jahr 2000. Zudem will Bainimarama andere Gesetze rückgängig machen, in denen er eine Bevorzugung der eingeborenen Fidschianer sieht.
Qarase sagte, es wäre illegal, unter diesem Druck sein Amt aufzugeben. Der Ministerpräsident war im Mai zu einer zweiten fünfjährigen Amtszeit gewählt worden. Unklarheit herrscht über die Rolle von Präsident Ratu Josefa Iloilo. Der Regierungschef sagte, Iloilo stehe auf der Seite der Streitkräfte. Der Präsident wiederum ließ erklären, er billige die Handlungen der Militärs nicht, die gegen die Verfassung und "unsere demokratischen Ideale" verstießen.
Neuseeland und Australien verurteilten den Umsturzversuch. Der australische Ministerpräsident John Howard lehnte jedoch die Bitte Qarases nach einer Entsendung von Soldaten ab. Haben die Putschisten Erfolg, wäre es der vierte Umsturz in Fidschi in 19 Jahren. In dem Land leben etwa 900.000 Menschen, jährlich verbringen zudem 400.000 Urlauber ihre Ferien in dem Pazifikstaat.
ler/AP/Reuters
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