Washington - Von Teheran aus erfahre die schiitische Volksgruppe im Irak politische und militärische Unterstützung. "Wo die Amerikaner gescheitert sind, sind die Iraner eingesprungen", schreiben die Autoren der saudi-arabischen Sicherheitsbehörden in dem 40-seitigen Bericht, der von der Regierung in Auftrag gegeben worden sein soll und der "Washington Times" vorliegt. Durch das Engagement Teherans im Irak sei ein schiitischer "Staat im Staat" entstanden.
Die Schiiten sind im Irak und Iran die größte Volksgruppe. Unter dem sunnitischen Diktator Saddam Hussein wurden sie im Irak unterdrückt. Zwischen Iran und Irak kam es auch deshalb immer wieder zu politischen Spannungen.
Der saudische Bericht liegt in Riad angeblich bereits seit März vor. Aber erst jetzt wurde öffentlich, wie weit die iranische Unterstützung reichen soll. Eine wichtige Funktion sollen dabei die so genannten Badr-Brigaden, der militärische Arm der schiitischen Sciri-Partei, einnehmen. "Die Brigaden sind der iranische Schlüssel, um militärische und geheimdienstliche Ziele im Irak zu erreichen", so der Report, der sich auf Interviews mit Offizieren aus Polizei- und Militäreinheiten stützen soll. So warnt der Bericht: Es sei das erklärte Ziel Teherans, die jungen irakischen Institutionen zu unterwandern. "Viele Offiziere stehen den Badr-Milizen loyaler gegenüber als ihren eigenen Einheiten", zitiert die Zeitung die saudischen Behördenmitarbeiter.
Konkret unterstütze Teheran die irakischen Schiiten durch Waffen und Geld, das in die Ausbildung von Aufständischen investiert werden solle. Die Milizen sollen zudem umfangreiche logistische Unterstützung erhalten. Teheran stelle aber auch Geld für humanitäre Hilfsmaßnahmen zur Verfügung.
Bislang hatten US-Offizielle zwar bestätigt, dass die irakischen Sicherheitskräfte von schiitischen Milizen unterwandert wrden sind. Eine direkte Einflussnahme Teherans hatten sie aber abgestritten. Amerikanische Irak-Experten zweifeln an der Objektivität des saudischen Berichts.
Der Irak ist zunehmend Tummelplatz der verschiedenen Interessengruppen im Nahen Osten. In den vergangenen Wochen hatte Saudi-Arabien angekündigt, sich bei einem möglichen Rückzug der US-Truppen im Irak verstärkt zu engagieren. Wie die "Washington Times" berichtet, ist das längst passiert: So sollen saudi-arabische Bürger Geld für sunnitische Rebellen in den Irak überwiesen haben. Der Bericht empfiehlt der Regierung in Riad, Verantwortung für die sunnitische Volksgruppe zu übernehmen. In Saudi-Arabien leben überwiegend Sunniten. Der Machthaber König Abdullah gilt als sehr konservativ.
Saudi-Arabien und Iran tragen den Kampf um Einfluss im Irak immer offener aus. Dass ihre Interessen aufeinanderprallen, bestätigte der amerikanische Außenpolitik-Experte Ed O'Connell. O'Connell sagte der Zeitung, unter der Oberfläche tobe ein Krieg zwischen pro-iranischen schiitischen Kräften und sunnitischen Geheimdienstbehörden. Die Sunniten greifen dabei auf ein altes Netzwerk zurück: Saddam Husseins Geheimdienst "Iraqi Intelligence Service" (IIS) bestehe auch nach dem Sturz des Diktators in großen Teilen weiter.
anb
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