Rom - Mit einem Aufruf zur "Ehrfurcht vor den Kindern" hat Papst Benedikt der XVI. in der Nacht die traditionelle Mitternachtsmesse in Petersdom begangen. Er widmete die Predigt den in Not geratenen Kindern der Welt: "Das Kind von Bethlehem lenkt unseren Blick auf all die leidenden und missbrauchten Kinder in der Welt - die geborenen wie die ungeborenen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor Tausenden Gläubigen in der Basilika.
Er erinnerte an die Kinder, "die als Soldaten in eine Welt der Gewalt hineingeführt werden, die betteln müssen, die darben und hungern, die keine Liebe erfahren". Er rief die Gläubigen dazu auf, mit dafür zu sorgen, dass die "Würde" der Kinder respektiert werde.
In seiner Predigt mahnte der Papst außerdem dazu, über den Konsum nicht die wahre Bedeutung der Weihnachtsgeschenke zu vergessen: Weihnachten sei das Fest der Geschenke geworden, "um Gott nachzuahmen, der sich uns selber geschenkt hat". Gleichzeitig forderte er von den Gläubigen, nicht nur denen zu schenken, "die dir wiederschenken", sondern auch an diejenigen zu denken, "denen niemand schenkt und die dir nichts dafür zurückgeben können".
Es war die zweite Christmette Papst Benedikt XVI. seit seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt im April 2005. Nach Angaben des Vatikans wurde sie von 73 Fernsehstationen in 47 Länder übertragen. Am ersten Weihnachtsfeiertag (12.00 Uhr) wird Benedikt XVI. von der Mittelloggia des Petersdomes aus seine Weihnachtsbotschaft an die Welt richten und den Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) spenden. Er wird von 102 Fernsehstationen in 63 Staaten übertragen.
In Betlehem rief der Lateinische Patriarch Michel Sabbah bei der traditionellen Christmette zur Einstellung der Gewalt im Nahen Osten auf. Er forderte ein Ende des "Bruderkampfs" der Palästinenser. Weihnachten in den Palästinensergebieten werde in diesem Jahr "unter schwierigen Bedingungen gefeiert, die von unseren Streitigkeiten untereinander zusätzlich verschärft werden", sagte Jerusalems oberster katholischer Geistlicher in der St. Katharinen-Kirche von Bethlehem. Der Machtkampf zwischen der Fatah von Präsident Mahmud Abbas und der Hamas von Premier Ismail Hanija öffne den Weg zu "noch mehr Toten". Er stelle für alle Palästinenser und Christen im Nahen Osten eine zusätzliche Gefahr dar: "Sich gegen den eigenen Bruder zu stellen, bedeutet, sich gegen Gott zu stellen."
Es sei an der Zeit, dass Israelis, Palästinenser und die internationale Staatengemeinschaft "die lange Phase des Todes in unserer Geschichte beenden und uns zu einer neuen Phase in der Geschichte des Heiligen Landes führen", sagte Sabbah, der selbst Palästinenser ist. Er rief die für Bluttaten Verantwortlichen auf, ihr eigenes Gewissen auf den Prüfstand zu stellen. Dies sollten Politiker beider Seiten ebenso tun wie alle gegnerischen Parteien, einschließlich israelischer Soldaten und all jener, "die als Extremisten und Terroristen klassifiziert werden". An der Messe in der Nacht zum Montag nahm auch Präsident Abbas teil, dem Sabbah einen besonderen Segen aussprach.
plö/AP/Reuters/AFP
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