Bagdad - Nach der Hinrichtung von zwei Mitangeklagten des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein äußerte US-Außenministerin Condolezza Rice heute ihre "Enttäuschung" über die Art der Vollstreckung des Todesurteils. Die USA seien enttäuscht, dass den Angeklagten nicht mehr Würde eingeräumt worden sei, sagte Rice bei einer Pressekonferenz mit ihrem ägyptischen Kollegen Ahmed Abul Gheit in Luxor.
Saddam Husseins Halbbruder, der Ex-Geheimdienstchef Barsan al-Tikriti, und der ehemalige Richter Awad al-Bandar waren in den frühen Morgenstunden gehängt worden. Sie waren wie Saddam wegen eines Massakers an Schiiten aus dem Dorf Dudschail zum Tode verurteilt worden.
Offizielle Filmaufnahmen der Exekution zeigten, wie Barsan enthauptet wurde. Zudem ist zu sehen, wie die beiden Verurteilten mit verhülltem Gesicht und zitternd auf den Moment warten, in dem sich die Falltür öffnet. Anders als Saddam wurden sie in orangefarbenen Sträflingsanzügen vorgeführt. Barsan war Chef des berüchtigtsten Geheimdienstes während Saddams Gewaltherrschaft, Bandar sprach zahlreiche Unrechtsurteile. Die offiziellen Aufnahmen wurden zunächst nur ausgewählten Journalisten gezeigt, eine Veröffentlichung ist Regierungsvertretern zufolge nicht vorgesehen.
Rice ging nicht explizit auf die Enthauptung al-Tikritis ein, forderte aber eine Bestrafung derjenigen, die nach der Hinrichtung Saddam Husseins Filmaufnahmen der Exekution in Umlauf gebracht hatten. Das Weiße Haus hatte gestern Abend bereits erklärt, die irakische Regierung lasse "Gerechtigkeit" gegen diejenigen walten, die wegen "brutaler Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verurteilt worden seien.
US-Botschafter Zalmay Khalilzad erklärte heute, die Todesurteile seien eine innere Angelegenheit des Iraks. "Es war ein irakisches Gerichtsverfahren. Es war eine irakische Entscheidung und es war eine irakische Hinrichtung", sagte Khalilzad. Die Verurteilten saßen während ihres Verfahrens vor einem Sondertribunal in US-Haft und waren von US-Soldaten zum Hinrichtungsort gebracht worden.
Kritik aus Europa
In Europa stießen die Umstände der erneuten Hinrichtungen auf scharfe Kritik. "Die Berichte über die grausamen Umstände der heutigen Hinrichtungen sind sehr verstörend", sagte der irische Außenminister Dermit Ahern. "Ich bin überzeugt, dass es im Interesse der Gerechtigkeit und der Versöhnung im Irak ist, wenn die irakischen Behörden nun Maßnahmen ergreifen, um Exekutionen abzuschaffen."
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner warnte, der Vollzug der Todesstrafe mache die dringend nötige Versöhnung der Iraker nur schwieriger. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kündigte an, die Gemeinschaft werde Italiens Initiative, die Todesstrafe international zu ächten, unterstützen. Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi hatte die Bemühungen in Reaktion auf Saddams Hinrichtung angestoßen.
Der Vatikan bedauerte, dass der Irak seiner Bitte um Begnadigung der Verurteilten nicht Folge geleistet hat. "Eine grausame Anwendung des Rechtssystem hat einmal mehr von einem Galgen Gebrauch gemacht", hieß es im "Osservatore Romano", dem offiziellen Blatt des römisch-katholischen Kirchenstaats.
Großbritannien bekräftigte sein grundsätzliches Nein zur Todesstrafe und erklärte, es habe diese Haltung gegenüber der irakischen Regierung vertreten. Premierminister Tony Blair hatte bereits die Umstände von Saddams Hinrichtung als nicht akzeptabel verurteilt, die Anwendung der Todesstrafe aber als souveräne Entscheidung des Iraks bezeichnet. Außer dem Irak lassen noch 67 Staaten ein Todesurteil zu, darunter auch die USA.
Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Hinrichtung der beiden Gefolgsleute des irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein bedauert. Seine Sprecherin Michèle Montas wies am Montagabend darauf hin, dass Ban im Vorfeld mehrmals an die irakische Regierung appelliert habe, Milde walten zu lassen.
Die Menschenrechtsorganisation "amnesty international" verurteilte die Hinrichtung und bezeichnete sie als "brutal und grausam". Die Angeklagten sollten für ihre Taten büßen, das Urteil hätte aber in einem fairen Prozess und ohne die Todesstrafe fallen müssen.
Enthauptung aus irakischer Sicht ein "Akt Gottes"
Saddam Hussein war bereits am 30. Dezember hingerichtet worden. Die umstände seiner Exekution waren international auch deshalb kritisiert worden, weil heimlich gefilmte und im Internet veröffentlichte Aufnahmen zeigten, wie der Verurteilte kurz vor dem Tod von Anwesenden beleidigt wurde.
Die irakische Regierung betonte, sie habe diesmal keine Verletzung der Verfahrensregeln und keine Parolen unter dem Galgen zugelassen. "Die Verurteilten waren keiner Misshandlung ausgesetzt. Ihre Rechte wurden nicht verletzt und es gab keine Rufe", sagte Regierungssprecher Ali al-Dabbagh. Angesichts der Enthauptung al-Tikritis sprach al-Dabbagh von einem "Akt Gottes".
Die Leichen der beiden hingerichteten Vertrauten des irakischen Ex-Präsidenten wurden nach Tikrit im Nordirak übergeführt. Die Körper seien mit einem US-Militärhubschrauber in die Heimatregion Saddam Husseins gebracht worden, teilte ein Verwandter des irakischen Ex-Staatschefs mit.
phw/AFP/AP/reuters
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