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19.01.2007
 

Wettrüsten im All

Chinesischer Raketentest alarmiert die USA

China hat als erste Nation seit Jahrzehnten mit einer Rakete einen eigenen Satelliten im All abgeschossen. Experten befürchten ein neues Wettrüsten: Die USA fürchten um ihre Vorherrschaft im All und sehen nationale Interessen bedroht.

Peking/Tokio/Washington - Bei dem Raketentest wurde nach Erkenntnissen amerikanischer Geheimdienste am 11. Januar ein veralteter chinesischer Wettersatellit vom Boden aus mit einer Rakete zerstört. Die Mittelstreckenrakete sei vom Raumfahrtbahnhof Xichang in Südwestchina gestartet. Die Überbleibsel des zerstörten Satelliten wurden, wie die "Aviation Week" berichtete, bereits vor Tagen von Beobachtern in mehreren anderen Nationen gesichtet. Mit einiger Verspätung folgte nun die Bestätigung der US-Regierung.

Kontrollzentrum in Xichang: China auf dem Weg zur Weltraum-Macht
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AFP

Kontrollzentrum in Xichang: China auf dem Weg zur Weltraum-Macht

Die Amerikaner zeigten sich beunruhigt: China sendet mit der Mission ein deutliches Signal der Stärke. Bisher hatten nur die beiden klassischen Weltraummächte, die USA und die Sowjetunion, in den 70er und 80er Jahren Satelliten zerstört. Der Abschuss beweist, dass China theoretisch auch US-Spionagesatelliten abschießen könnte. Diese umkreisen die Erde in einer engeren Bahn als der Wettersatellit.

Die USA setzen bei der militärischen Aufklärung und bei der Terrorismus-Bekämpfung sehr stark auf Satelliten, die Bilder können auch der Wirtschaftsspionage dienen.

Experten fürchten Wettrüsten

Nach Angaben der "New York Times" werten Experten den Versuch als möglichen Vorboten eines Wettrüstens im All. "Das ist die erste echte Ausweitung der Bewaffnung im All seit 20 Jahren", zitiert die "New York Times" den Weltraumexperten Jonathan McDowell aus Harvard. "Das beendet eine lange Phase der Zurückhaltung."

Der Weltraumschrott der zerstörten Rakete könnte schon jetzt eine Bedrohung für andere Satelliten sein. Der Weltraumexperte David Wright sagte der Londoner "Times", der Satellit könnte in bis zu 40.000 Teile von einer Größe von einem bis zehn Zentimetern zerbrochen sein. Die Teile würden länger als ein Jahrzehnt um die Erde kreisen.

Die USA, Japan, Australien und Kanada protestierten gegen den Test. China wies die Sorgen über den Satelliten-Abschuss gegenüber Japan zurück. China hatte allerdings stets betont, dass sein Weltraumprogramm ausschließlich defensiver Natur sei.

Japan habe seine Sorgen über die chinesische Botschaft in Tokio an Chinas Außenministerium übermittelt und um Aufklärung gebeten, berichtete Kabinettschef Yasuhisa Shiozaki. Die japanische Regierung sei "aus der Sicht nationaler Sicherheit und der friedlichen Nutzung des Weltalls sehr besorgt". Japan betrachte Chinas Entwicklung zwar nicht als Bedrohung, doch müsse Peking berücksichtigen, "dass ein Mangel an Transparenz Misstrauen entstehen lässt", sagte der Kabinettschef. Offizielle Stellen und Fachleute in Peking wollten sich nicht äußern.

USA sehen eigene Interessen bedroht

Insbesondere die USA haben China wegen des Tests kritisiert. "Nach Ansicht der Vereinigten Staaten ist die Entwicklung und das Testen solcher Waffen seitens Chinas nicht vereinbar mit dem Geist der Zusammenarbeit, den beide Länder im Bereich der zivilen Raumfahrt anstreben", erklärte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Gordon Johndroe. Tony Snow, der Sprecher des Weißen Hauses, zeigte sich "besorgt" über den Test Chinas.

US-Offizielle beklagen vor allem, dass China den Test nicht angekündigt hatte, trotz entsprechender Bitten nach mehr Offenheit bei solchen Aktivitäten.

Die US-Regierung sperrt sich allerdings selbst seit langem gegen ein internationales Abkommen, das die Weltraumrüstung beschränken soll. Deshalb könnte der Test auch ein Signal Chinas an die Amerikaner sein, nun endlich in solche Verhandlungen einzutreten.

Erst im vergangenen Jahr hatte Präsident Bush eine Raumfahrt-Doktrin formulieren lassen, die sehr stark auf die nationalen Interessen setzt und Rufe nach einer Rüstungsbeschränkung im All ignoriert. Danach wollen die USA ihre "Rechte, Fähigkeiten und Handlungsfreiheit im All" bewahren und andere daran hindern, diese Freiheit einzuschränken.

Mittel der Diplomatie?

"Jahrelang haben die Chinesen und die Russen versucht, ein Verbot von Weltraum-Waffen voranzutreiben", sagte die amerikanische Rüstungsexpertin Theresa Hitchens der "New York Times". Und sie folgerte: "Das Vorgehen, eine militärische Potenz zur Schau zu stellen, um jeden an den Verhandlungstisch zu bringen, ist eine klassische Technik des Kalten Krieges."

Dass China an Anti-Satelliten-Systemen arbeitet, war schon im August deutlich geworden, als ein hoher US-Beamter berichtet hatte, dass China kurz zuvor mit einem bodengestützten Laser einen Satelliten der USA geblendet habe.

jaf/asc/dpa/AP

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