Paris - Erstmals zog der Zentrumspolitiker François Bayrou in einer Umfrage mit der Kandidatin der Sozialisten, Ségolène Royal, gleich. Beide würden nach einer Erhebung des IFOP-Instituts in der ersten Runde der Präsidentenwahl 23 Prozent der Stimmen erhalten. In der Vorwoche hatte Royal noch 6,5 Punkte Vorsprung. Im Vergleich zur letzten IFOP-Umfrage von Ende Februar verzeichnete Bayrou einen Zugewinn von vier Prozentpunkten.
François Bayrou: "Die Strategie muss nicht geändert werden"
Noch schlechter sähe es für Ségolène Royal aus, wenn der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen nicht die notwendigen 500 Unterschriften von Mandatsträgern für eine Kandidatur zusammen bekommen sollte und dann nicht antreten darf. In diesem Fall läge Bayrou mit 25 Prozent sogar einen Punkt vor Royal. Sarkozy von der Regierungspartei UMP käme dann auf 34,5 Prozent, ein Plus von 6,5 Punkten. Die erste Runde der Präsidentenwahl findet am 22. April statt, die Stichwahl ist für den 6. Mai angesetzt.
Bayrou, früherer Bildungsminister, war als Außenseiter in das Rennen um das Präsidentenamt gestartet. Er präsentiert sich als Kandidat der Mitte, der dem Schlagabtausch zwischen dem linken und rechten Lager ein Ende machen will. Für den Fall seiner Wahl hat Bayrou die Bildung einer neuen Sammlungspartei der Mitte angekündigt. "Alle in einer Mehrheit, das würde das Land zur Bewegungslosigkeit verdammen", kritisierte Innenminister Sarkozy im "Journal du Dimanche" Bayrous Pläne.
"Ein Leben nach der Politik"
Für die Sozialisten droht sich durch Bayrous Aufstieg das Fiasko der Präsidentschaftswahl von 2002 zu wiederholen, als ihr Kandidat Lionel Jospin in Runde eins vom Rechtsextremisten Le Pen geschlagen wurde. Nerven will man in Royals Lager aber keine Zeigen: "Die Wähler interessieren sich für Bayrou, weil ihn die Medien unter die Lupe nehmen und er deswegen 'in' ist", sagte ihr Wahlkampfmanager Jean-Louis Bianco der Sonntagszeitung. Die Strategie müsse nicht geändert werden.
Unterdessen wartet man in Frankreich mit Spannung auf die Erklärung von Jacques Chirac über seine Wahlambitionen. Frankreichs Staatschef Chirac will sich heute in einer Fernsehrede zu der Frage einer neuen Kandidatur für das Präsidentenamt äußern. Zwar gilt es als sicher, dass der Staatspräsident nach zwölf Jahren im Élysée-Palast seinen Verzicht auf eine dritte Amtszeit erklären würde.
Spekuliert wird aber vor allem darüber, ob er seinem Widersacher Sarkozy seine Unterstützung zusagen würde. "Das wäre ein wichtiges politisches Ereignis", sagte dieser. Seit Wochen mehrten sich die Hinweise, dass Chirac nach einer 40 Jahre langen politischen Karriere seinen Rückzug vorbereitet. "Es gibt ohne Zweifel ein Leben nach der Politik. Ein Leben bis zum Tod", sagte er in einem Fernsehinterview. Am Freitag zog er auf dem EU-Gipfel in Brüssel eine unerwartet selbstkritische Europa-Bilanz. Das Scheitern des Referendums über die EU-Verfassung sei eine "persönliche Niederlage" gewesen, an der er selbst vielleicht mitverantwortlich gewesen sei, sagte er.
anr/Reuters/AFP/AP
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