New York - Großbritanniens Außenministerin Margaret Beckett hat Iran aufgefordert, ihrer Regierung umgehend konsularischen Zugang zu den 15 in der Islamischen Republik festgehaltenen britischen Marinesoldaten zu gewähren. In einem Telefonat mit ihrem iranischen Kollegen Manutschehr Mottaki habe dieser am Sonntag zugesagt, dass dies nach dem Abschluss der Ermittlungen gegen die Seeleute geprüft werde, sagte ein Sprecher von Irans Vertretung bei den Vereinten Nationen.
Dies kann allerdings dauern. Am Wochenende gab es seitens der iranischen Führung keinerlei Signale für ein Entgegenkommen. Im Gegenteil: Im Lager von Präsident Mahmud Ahmadinedschad verdichteten sich die Anzeichen, das Mullah-Regime könnte einen Prozess wegen Spionage gegen die britischen Soldaten anstrengen.
Britische und arabische Medien berichteten zudem, Hardliner in Iran betrachten die von den Revolutionären Garden im Persischen Golf festgenommenen und nach Teheran verbrachten Männer und Frauen als Faustpfand, um eine ganze Reihe von Forderungen gegenüber dem Westen durchzusetzen. So sollten mit den Gefangenen mehrere Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden freigepresst werden, die im Januar in der irakischen Stadt Erbil von US-Soldaten festgenommen worden waren. Radikale Gruppen in Iran forderten den Berichten zufolge zusätzlich, die Festgehaltenen erst freizulassen, wenn der Westen die gegen Iran verhängten Sanktionen aufhebt.
Die Soldaten waren am Freitag auf dem iranisch-irakischen Grenzfluss Schatt al-Arab festgenommen worden. Nach Darstellung der Regierung in Teheran waren sie illegal in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen. Beckett habe dagegen in ihrem Gespräch mit Mottaki "sehr deutlich gemacht", dass sich die Festgenommenen auf irakischem Gebiet befunden hätten, sagte ein Sprecher des britischen Außenministeriums nach dem Telefonat. Ein Zeitplan für weitere Kontakte beider Seiten sei nicht vereinbart worden.
Die Frage der konsularischen Betreuung wurde nach Angaben diplomatischer Kreise auch bei einem Treffen des britischen Botschafters Geoffrey Adams mit einem Vertreter des Außenministeriums in Teheran angesprochen. Einem Bericht des iranischen Fernsehens zufolge war der Diplomat von der iranischen Regierung einbestellt worden.
Premierminister Tony Blair hatte Iran am Sonntag der gezielten Entführung der Marineangehörigen aus irakischen Hoheitsgewässern beschuldigt. "Dies ist eine sehr ernste Situation", erklärte Blair am Rande des EU-Gipfeltreffens in Berlin: Er hoffe jedoch, dass die Angelegenheit auf diplomatischem Wege gelöst werden könne.
Ahmadinedschad weist Uno-Resolution zurück
Als Reaktion auf die neuen Sanktionen des Weltsicherheitsrats schränkt Iran indes die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ein. Das Kabinett werde diese Entscheidung erst wieder aufheben, wenn das Uno-Gremium die Zuständigkeit für das iranische Atomprogramm wieder an die IAEA abgebe, erklärte Regierungssprecher Gholamhossein Elham gestern. Präsident Mahmud Ahmadinedschad kritisierte die Sanktionen als Folge der "Feindseligkeit einiger Mächte gegen Iran".
Die Einschränkung der Zusammenarbeit Teherans mit der IAEA bezieht sich Regierungssprecher Elham zufolge auf drei Klauseln, wonach die iranische Regierung die IAEA über neue Schritte und Entscheidungen bezüglich ihres Atomprogramms informieren soll. Die Sicherheitsratsresolution nannte Elham im staatlichen Fernsehen ebenfalls unrechtmäßig und schikanierend.
Die "Feinde Teherans" hätten mit den Strafmaßnahmen erneut einen Fehler gemacht, sagte Ahmadinedschad im staatlichen Fernsehen. Das iranische Atomprogramm werde dadurch jedoch "nicht einmal eine Sekunde lang" aufgehalten.
Außenminister Manutschehr Mottaki warnte auf einer Pressekonferenz in New York, die Resolution werde Konsequenzen haben. Teheran habe sich mehrfach vergeblich um Verhandlungen mit den fünf Vetomächten im Sicherheitsrat und Deutschland bemüht, sagte Mottaki. Mit "illegalen und ungerechtfertigten" Aktionen wie den verschärften Strafmaßnahmen gegen Teheran verliere der Uno-Sicherheitsrat an Glaubwürdigkeit.
Das Uno-Gremium verabschiedete am Samstag einstimmig eine zweite Resolution, die Teheran zum Einlenken zwingen soll. Zu den Sanktionen gehören ein Verbot iranischer Waffenexporte und weitere Einschränkungen im Zahlungsverkehr mit Iran. Die IAEA soll in 60 Tagen einen Bericht vorlegen und prüfen, ob Iran der Forderung nach Aussetzung der Urananreicherung nachgekommen ist.
phw/reuters/dpa/AP
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