Berlin - Vergangene Nacht verbreiteten die Entführer der 61-jährige Hannelore Marianne K., die mit einem Iraker verheiratet ist, und ihres 20 Jahre alten Sohnes eine neue Botschaft im Internet. In einem Video heißt es: "Die Führung der Brigaden hat beschlossen, die Frist für die deutsche Regierung noch weitere zehn Tage zu verlängern."
Es folgt die Forderung der Geiselnehmer: "Zieht eure Soldaten von Afghanistan ab." Sollte die Bundesregierung diese Forderung nicht erfüllen, "wird das Schicksal dieser Verbrecherin und ihres Sohnes ... der Tod sein."
Gestern hatte die Bundeswehr allerdings mit dem Abflug von Tornado-Aufklärungsflugzeugen nach Afghanistan damit begonnen, ihre Präsenz aufzustocken, um stärker in den Kampf gegen die Taliban einzugreifen.
In dem Video bittet Hannelore K. eindringlich die Bundesrepublik und Österreich um Hilfe. Sie fleht ihre Landsleute an, ihr in ihrer schwierigen Lage zu helfen. "Deutschland war sicher, bevor es sich in diese satanische Koalition mit Amerika begab, um das zu bekämpfen, was sie Terrorismus nennen", sagte sie laut arabischer Übersetzung. An ihre zwei in Deutschland lebenden Kinder gewandt sagte sie: "Vielleicht könnt ihr zu Zeitungen gehen, vielleicht könnt ihr einen Protestmarsch organisieren ... wendet euch an Leute, die euch helfen können, bitte, bitte bitte."
Ein Extremist sagte in dem Video, Hannelore K. sei auch deswegen verschleppt worden, weil sie in der Österreichischen Botschaft in Bagdad gearbeitet habe. Österreichs Regierung sei dem Islam und den Muslimen gegenüber feindlich eingestellt. Sie habe zudem Truppen in Afghanistan, "die unsere Kinder töten", erklärte der Sprecher. Hannelore K. sagte: "Ich bitte auch Österreich eindringlich, zu mir zu stehen, da ich viele Jahre in der (österreichischen) Handelsabteilung gearbeitet habe. ... Österreich hat auch Soldaten in Afghanistan, und jetzt werde ich womöglich dafür getötet."
Die Deutsche und ihr Sohn waren am 6. Februar in Bagdad verschleppt worden. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur. Ihre Entführer nennen sich "Brigade der Pfeile der Rechtschaffenheit".
Aus Berlin war bisher lediglich eine formale Stellungnahme zu vernehmen: "Der Krisenstab ist befasst", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am frühen Morgen. Sie wollte zunächst keine weitere Stellungnahme abgeben. Näheres dazu werde womöglich am Vormittag mitgeteilt.
Ein erstes Ultimatum mit der gleichen Forderung war am 21. März verstrichen, ohne dass neue Informationen zum Schicksal der Entführten bekannt wurden. Die Bundesregierung hat mit Blick auf die ersten Forderungen der Entführer mehrmals klargestellt, dass sie nicht erpressbar sei.
asc/dpa/ddp/Reuters
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