London - Die 15 von Iran freigelassenen britischen Marinesoldaten dürfen ihre Erlebnisse aus der 13-tägigen Gefangenschaft an die Medien verkaufen. Mit der Erlaubnis setzte sich das Verteidigungsministerium in London über seine sonst üblichen Regeln hinweg. Eine Sprecherin begründete dies gestern mit dem großen Medieninteresse. "Das sind besondere Umstände", sagte sie.
Großes Medieninteresse: Britischer Soldat bei der ersten Pressekonferenz nach der Rückkehr
Berichten zufolge könnten die Soldaten für ihre Schilderungen insgesamt rund 250.000 Pfund (rund 367.000 Euro) erhalten. Das Geld dürften die Soldaten komplett behalten, hieß es im Ministerium. Die "Times" berichtet, die Gruppe habe sich darauf geeinigt, alle Gelder aus Medienauftritten zu gleichen Teilen untereinander aufzuteilen und zehn Prozent der Einnahmen für einen wohltätigen Zweck zu spenden.
Am lukrativsten dürfte die Story der einzigen Frau unter den Soldaten sein, Faye Turney. Britische Medien berichteten, sie habe ihre Geschichte für umgerechnet rund 147.000 Euro an den Fernsehsender ITV und eine Tageszeitung verkauft. Ein anderer ehemaliger Gefangener sagte der "Sunday Times", er verlange 70.000 Pfund. "Ich bin es wert, weil ich einer von nur zweien war, der sich nicht von den Iranern hat knacken lassen", sagte Dean Harris.
John Tindell, Vater des Ex-Gefangenen Joe Tindell, sagte, sein Sohn habe ein Angebot über 10.000 Pfund ausgeschlagen. Er sei über die Genehmigung des Verteidigungsministeriums überrascht gewesen. Nach Tindells Worten wollen die 15 sogar die Vasen, die ihnen die Iraner als "Gastgeschenke" mit auf den Weg gaben, bei Ebay versteigern.
Kritik aus der Opposition
Die Erlaubnis des Ministeriums stieß bei Beobachtern auf scharfe Kritik. Liam Fox, Verteidigungsexperte im Schattenkabinett der Torys, sagte: "Eine der großen Eigenschaften unserer Streitkräfte ist ihre Professionalität und ihre Würde. Viele Menschen, die während der Entführung mit den Geiseln gelitten hätten, werden den Verkauf ihrer Geschichte als unwürdig und unter dem hohen Niveau unserer Streitkräfte erachten." Der verteidigungspolitische Sprecher der oppositionellen Liberal Democrats, sagte, die Entscheidung werde für Stirnrunzeln sorgen. "Ich hoffe, dass das nicht nach hinten losgeht und die öffentliche Sympathie für unsere Streitkräfte darunter leidet."
Die "Times" zitierte den empörten Vater eines im Irakkrieg getöteten Soldaten mit den Worten: "Das ist falsch und sollte nicht vom Verteidigungsministerium genehmigt werden." Keiner der Eltern getöteter Soldaten habe je die Geschichte seiner Kinder verkauft.
"So etwas gab es noch nie", sagte der ehemalige Kommandeur der britischen Truppen in Bosnien-Herzegowina, Colonel Bob Stewart, der BBC. Die Gefangennahme sei wohl "kaum eines der glorreichsten Kapitel in der Geschichte der Royal Navy". Er sei entsetzt, dass das Ministerium die Soldaten ermutige, Profit aus einem militärischen Desaster zu schlagen.
Die Marineangehörigen waren am 23. März im irakisch-iranischen Grenzgewässer im Mündungsgebiet des Schatt al-Arab festgenommen worden. Iran warf ihnen vor, in seine Hoheitsgewässer eingedrungen zu sein, was Großbritannien bestreitet. Die Soldaten erklärten nach ihrer Heimkehr am Donnerstag, sie seien in Iran zu falschen Geständnisse gezwungen worden. Unter anderem sei ihnen sieben Jahre Haft angedroht worden.
Gestern war bekannt geworden, dass sich auch Papst Benedikt XVI. um die Freilassung der Briten in Iran bemüht haben soll. Dies verlautete aus Vatikankreisen in Rom, die damit einen Bericht der britischen Zeitung "The Guardian" bestätigten. Das katholische Kirchenoberhaupt habe vor wenigen Tagen einen Brief an den Obersten Führer Irans, Ajatollah Chamenei, geschrieben. Darin habe er ihn darum gebeten, eine Lösung für die Krise zu finden, hieß es. Benedikt habe ausdrücklich die Hoffnung geäußert, dass die gefangenen Briten noch vor Ostern in ihre Heimat zurückkehren dürften.
phw/Reuters/AFP/dpa
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