ThemaIrakRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
09.04.2007
 

Irak

Sadr stachelt Miliz an, Hunderttausende folgen Protestaufruf

Muktada al-Sadr hat gerufen, Hunderttausende folgen: Im Irak protestieren Anhänger des radikalen Schiitenpredigers gegen die Präsenz ausländischer Truppen. "Tod den USA" lauten die Schlachtrufe, "Besatzer raus".

Bagdad - Auf den Boden waren vielerorts Flaggen der USA und Israels gemalt, so dass die Menge sie mit Füßen treten konnte. Die Teilnehmer der Protestaktion zogen durch die Straßen der den Schiiten heiligen Städte Kufa und Nadschaf, rund 160 Kilometer südlich von Bagdad. Sie schwenkten irakische Flaggen, riefen "Ja zum Irak", "Tod den USA", "Besatzer sollen den Irak verlassen". Auch sunnitische Geistliche nahmen an den Kundgebungen teil.

Protestierende Schiiten: Wegen der Angst vor Anschlägen wurde der Feiertag wieder zum ganz normalen Arbeitstag gemacht
Zur Großansicht
REUTERS

Protestierende Schiiten: Wegen der Angst vor Anschlägen wurde der Feiertag wieder zum ganz normalen Arbeitstag gemacht

Aufgerufen zu den Demonstrationen hatte der radikale schiitische Geistliche Muktada al-Sadr, Anlass ist der vierte Jahrestag des Sturzes von Saddam Hussein. Sadr, der in der ärmeren schiitischen Stadtbevölkerung große Sympathien genießt, macht die US-Invasion für das Chaos und die unerbittliche Gewalt im Irak verantwortlich. Seine Mehdi-Miliz, die sich immer wieder blutige Gefechte mit US-Soldaten liefert, hat das US-Verteidigungsministerium als die größte Gefahr für den Frieden im Irak bezeichnet.

Ob Sadr auch persönlich an den heutigen Protestaktionen teilnimmt, ist noch ungeklärt. Der Schiitenführer wurde seit Monaten nicht in der Öffentlichkeit gesehen. In einer heute in Nadschaf verbreiteten Erklärung rief er die irakischen Streitkräfte auf, die Zusammenarbeit mit den USA einzustellen. Zugleich wies er seine Kämpfer an, ihre Anschläge gegen US-Soldaten und nicht gegen Iraker zu richten. Die Erklärung trug Sadrs offizielles Siegel, ihre Authentizität konnte jedoch nicht überprüft werden.

Auch in Bagdad bereiteten sich die Sicherheitsbehörden auf Protestkundgebungen vor. Aus Furcht vor Anschlägen gilt seit heute Morgen ein 24-stündiges Fahrverbot. Man dürfe den Rebellen keine Gelegenheit zu Anschlägen bieten, sagte ein Sprecher. Gestern hatte die irakische Regierung bekannt gegeben, der 9. April sei ab sofort wieder ein normaler Arbeitstag. Die von den USA 2003 eingesetzte irakische Übergangsregierung hatte den Tag des Einmarsches der US-Truppen in Bagdad zum offiziellen Feiertag erklärt.

Aufständische töten sechs US-Soldaten

Die US-Armee berichtete von vier weiteren Angriffen von Aufständischen auf ihre Soldaten im Irak, bei denen heute insgesamt sechs Amerikaner ums Leben gekommen waren. Damit erhöhte sich die Zahl der US-Soldaten, die in den vergangenen zwei Tagen getötet wurden, auf zehn. Die Angriffe ereigneten sich alle im Süden Bagdads sowie in den nördlich der Hauptstadt gelegenen Provinzen Dijala und Salaheddin.

Die USA teilten mit, die Zahl der Morde in Bagdad sei seit Beginn einer Sicherheitsoffensive vor zwei Monaten deutlich gesunken. Dafür habe die Gewalt in anderen Gebieten wie in Dijala zugenommen.

Die irakische Regierung hatte vergangene Woche angekündigt, die Offensive auf andere Städte auszuweiten. Der Militäreinsatz gilt als letzter Versuch, das Abgleiten des Irak in einen religiös motivierten Bürgerkrieg zu verhindern.

Die Lage im Irak war auch Thema der Osterbotschaft von Papst Benedikt XVI. Er beklagte das "unaufhörliche Gemetzel" im Irak. Er vermisse positive Nachrichten aus dem Land, aus dem die Zivilbevölkerung fliehe, betonte Benedikt.

ase/Afp/dpa/Reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Irak

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP