Ankara - Allein 100.000 Menschen seien mit Bussen nach Ankara gekommen, um dem Aufruf laizistischer Organisationen zu folgen, berichtete der Fernsehsender NTV. Sie Sie schwenkten rote Landesflaggen mit Stern und Halbmond und trugen Porträts des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. Fast 10.000 Polizisten waren nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Tandogan-Platz postiert, wo die zentrale Kundgebung stattfand.
Die Demonstranten riefen: "Die Türkei ist sakulär und bleibt sakulär." Die pensionierte Lehrerin Mehlika Erecekler sagte mit Blick auf die konservative Regierung Erdogans: "Sie wollen die Türkei langsam in Richtung Iran oder Saudi-Arabien umwandeln. Aber sie werden es nicht schaffen, denn sie haben Angst vor der Armee. Wir unterstützen die Armee." Die Armee gilt als Hüterin der laizistischen Staatsverfassung der Türkei.
Der Nachfolger des amtierenden Präsidenten Ahmet Necdet Sezer wird Anfang Mai vom Parlament für eine siebenjährige Amtszeit gewählt. Erdogan äußerte sich bislang nicht zu seinen Ambitionen, Beobachter rechnen aber mit einer Kandidatur des strenggläubigen Muslim.
Von Montagmorgen an bis zum 25. April können sich die Kandidaten anmelden. Der neue Staatschef soll sein Amt am 16. Mai antreten. Erdogans Regierungspartei AKP hat im Parlament eine große Mehrheit und könnte deshalb im Alleingang über den neuen Staatschef bestimmen. Bei einer Wahl Erdogans ins höchste Staatsamt fürchten dessen Kritiker eine Islamisierung der Türkei.
als/AFP/dpa
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