Die Regierung und andere offizielle Vertreter haben wiederholt die Tätigkeit christlicher Missionswerke kritisiert. Die Europäische Union, deren Mitglied die Türkei werden will, hat dagegen mehr Freiheiten für die christliche Minderheit angemahnt. Türkische Nationalisten sehen in christlichen Missionaren Feinde des Landes, die deren politische und religiöse Institutionen untergraben.
Der ebenfalls aus Malatya stammende armenisch-türkische Publizist Hrant Dink war Anfang des Jahres von einem jungen Ultranationalisten ermordet worden. Danach hatte der Staat zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für Schriftsteller und Journalisten getroffen. Vor einem Jahr war auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Mohammed-Karikaturen in der Schwarz-Meer-Stadt Trabzon ein Priester erschossen worden. Vor dem historischen Besuch von Papst Benedikt XVI. im vorigen Jahr hatte es ebenfalls Proteste gegeben.
Christen bilden in der Türkei (70 Millionen Einwohner) eine verschwindend geringe Minderheit. Ihre Zahl wird auf gut 100.000 geschätzt - offizielle Angaben fehlen.
Die Bundesregierung und deutsche Politiker verurteilten die Tat. "Ich verurteile diese furchtbare Tat auf das Schärfste", erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Rande seines Besuchs in Panama. Er gehe fest davon aus, dass die türkischen Behörden alles unternähmen, um das Verbrechen restlos aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. "Die Umstände dieser Tat müssen vollständig ans Licht gebracht werden", forderte Steinmeier nach Angaben des Auswärtigen Amtes.
Sollten sich die Berichte über einen "politischen Hintergrund der Tat bestätigen", müsse die türkische Regierung dies sehr ernst nehmen, betonte die stellvertretende europapolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion und Berichterstatterin für die Türkei, Lale Akgün, in Berlin. "Und sie muss im Interesse des EU-Beitritts ihre Bemühungen, die Religionsfreiheit zu garantieren, weiter verstärken." Der Parlamentarische Geschäftsführer und menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, verurteilte den Anschlag als "erschreckend und von beispielloser Brutalität". Die "islamische Geistlichkeit" sei aufgefordert, "deutlich zu machen, dass Glaubenswechsel und Missionierung, also das Werben für den eigenen Glauben, als Teil der Glaubensfreiheit für alle Glaubensgemeinschaften gleichermaßen unveräußerlicher Teil der Menschenrechte" seien.
Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) reagierte bestürzt auf den Überfall. Die Nachricht von der Ermordung der Verlagsmitarbeiter erschüttere ihn, sagte EKD-Chef Wolfgang Huber in Hannover. Anlass des grauenhaften Geschehens sei, dass der Verlag in der Osttürkei Bibeln verteile. Die Bibel bezeuge das Wort des Lebens. Dieses Wort anderen anzubieten dürfe niemals Grund dafür sein, Menschen an Leib und Leben zu bedrohen.
hen/pat/dpa/Reuters/AP/ddp
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