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23.04.2007
 

Propaganda

Irakische Qaida-Filiale ernennt Kabinett

Von Yassin Musharbash

Ein neuer Propaganda-Schachzug der irakischen Qaida: Um ihren Anfang des Jahres ausgerufenen "Islamischen Staat Irak" attraktiver zu machen, hat sie jetzt ein "Kabinett" vorgestellt. Der PR-Trick ist auch eine Reaktion auf ein Zerwürfnis mit der Terror-Konkurrenz.

Berlin - Insgesamt zehn Minister stellt der "Offizielle Sprecher des Islamischen Staates Irak" in einem aktuellen Videoband vor, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Mit diesem Schritt will die irakische Filiale des Terrornetzwerks offensichtlich ihr Image aufpolieren und andere Gruppen dazu bewegen, sich ihr anzuschließen.

"Sprecher" des "Islamischen Staates Irak": Fischerei, Scharia, Öl
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"Sprecher" des "Islamischen Staates Irak": Fischerei, Scharia, Öl

Der Sprecher selbst ließ sich wie immer nur anonymisiert abfilmen - die Namen der zehn "Minister" des Terrorkabinetts nannte er jedoch. Die allermeisten sind indes völlig unbeschriebene Blätter. So bleibt offen, ob es diese Personen überhaupt gibt. Wirklich einschlägig bekannt ist nur der "Kriegsminister", Abu Hamsa al-Muhadschir, der Chef der irakischen Qaida-Filiale.

Die anderen Minister sollen unter dem "Staatschef und Anführer der Gläubigen", Abu Omar al-Baghdadi, für die Ressorts Gesundheit, Öl, "allgemeine Angelegenheiten", Medien, Angelegenheiten der Märtyrer und Gefangenen, Sicherheit und Scharia-Angelegenheiten zuständig sein. Sogar ein Ministerium für "Landwirtschaft und Fischerei" gibt es - und das, obwohl der "Islamische Staat Irak" selbst laut der von Sympathisanten hergestellten Landkarten keinen Meter Küste enthält, sondern lediglich Flussgewässer.

Zunehmende Isolation al-Qaidas

Die Vorstellung des Kabinetts ist nichts als ein Propagandaschlag. Aber der Hintergrund, vor dem er stattfindet, ist ernst zu nehmen:

Seit Wochen tobt ein Streit zwischen der irakischen al-Qaida und einiger der anderen im Land aktiven Terror- und Aufständischengruppen. Insbesondere die vor allem aus Irakern bestehende "Islamische Armee" hat sich mit den Jüngern von Osama Bin Laden überworfen. Ihr Vorwurf: Al-Qaida habe dutzende ihrer Kämpfer getötet.Die irakische al-Qaida konterte den Vorwurf damit, dass sie der "Islamischen Armee" vorwirft, von Saudi-Arabien finanziert zu werden. Erst letzte Woche hatte das Netzwerk noch einmal betont, es rufe alle Mudschahidin des Irak dazu auf, sich dem "Islamischen Staat" anzuschließen. Wer es nicht tue, der müsse freilich bekämpft werden.

Mittlerweile haben einige der Gegner al-Qaidas sogar eine Allianz gegen das Netzwerk geknüpft - sie kritisieren die Dschihadisten dafür, dass sie das Blut anderer Muslime vergießen. Längst macht es den Eindruck, dass al-Qaida im Irak nur noch andere kleine Gruppe zu ihren Verbündeten zählen kann. Immer mehr ehemalige Kooperationspartner, etwa die schlagkräftigen "Ansar al-Sunna", eine kurdisch-irakischen Terrorgruppe, distanzieren sich.

Der "Islamische Staat Irak", den al-Qaida im Verbund mit einigen anderen Organisationen Anfang des Jahres ausrief, war der vorerst letzte Versuch, diesem Trend etwas entgegen zu setzen und sich als "irakisch" zu legitimieren. Häufige Ansprachen des "Anführers der Gläubigen" und seiner Sprecher sollen zudem den Anschein erwecken, dieser Phantasiestaat sei tatsächlich physisch existent und eine bedeutende Größe - was natürlich nicht stimmt. Einen ähnlichen Zweck hatte eine anderen Ansprache aus der vergangenen Woche, in der der "Staatschef" Abu Omar ohne Beweise vorzulegen behauptete, seine Kämpfer seien in der Lage, die Do-it-Yourself- Rakete "Qaida 1" in Serie herzustellen.

Das "Kabinett" spielt also in Wahrheit keine Rolle. Seine Vorstellung ist aber insofern eine interessante Entwicklung, als sie illustriert, mit welchen Methoden al-Qaida versucht, die fortschreitende Isolation zu verhindern.

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