Von Georg Mascolo und Marc Pitzke, Washington
Washington/New York - Im Auditorium hängt eine ausrangierte "Air Force One", im Museum selbst lagern abermillionen Dokumente und die Gastgeschenke einer achtjährigen Präsidentschaft. Etwa der russische Kosakensattel, den Michail Gorbatschow einst seinem Freund Ronald Reagan überreichte.
Manchmal ist schon die Wahl des Ortes die eigentliche Botschaft: Nicht durch Zufall fand die erste TV-Debatte der republikanischen Anwärter aufs Präsidentenamt gestern Abend in der Ronald-Reagan-Präsidentenbibliothek in den sanften Hügeln Südkaliforniens statt. Gesucht wird, nach den quälenden Bush-Jahren, ein neuer Reagan.
In Sicht ist er nicht. Blass wirkte das Feld. Blass vor allem gegenüber den Demokraten. Kein Hispanic (wie New Mexicos Gouverneur Bill Richardson), keine Frau (wie Hillary Clinton), kein Schwarzer (wie Barack Obama). Zehn weiße, alte Männer in schwarzen Anzügen. Nur die Krawatten bekannten Farbe. Sieben der Kandidaten trugen rote. Einer, der Außenseiter Sam Brownback, eine goldene.
Eine Ikone, an der sich die arg gebeutelte Präsidentenpartei aufrichten könnte, fehlte in dieser traurigen Runde. Entweder sind die Bewerber der Basis nicht konservativ genug. Oder, so sie rechts genug stehen, im Land unbekannt und chancenlos.
"Ich will diese Nation führen"
RudyMcRomney nennen Republikaner das Problem mit ihren drei Spitzenkandidaten. Da ist Rudy Giuliani, New Yorks Ex-Bürgermeister, der derzeit in den Umfragen führt. Ein wahrer Konservativer ist der zweimal Geschiedene beileibe nicht, und gerade erst haben die Medien begonnen, die Vergangenheit des "Helden" vom 11. September 2001 unter die Lupe zu nehmen. Das wird noch unangenehm.
Mitt Romney ist Mormone und damit der christlichen Basis nur schwer zu vermitteln. Und für John McCain - der schon so lange nach dem Präsidentenamt schielt, dass er nach den Regeln der Partei jetzt eigentlich an der Reihe wäre - sieht es finster aus: Die Unterstützung für den Irak-Krieg kostet ihn Sympathien. Zudem wäre er beim Amtsantritt 72. Das ist in Amerika die statistische Lebenserwartung für Männer.
McCain war denn auch der, der gestern am meisten zu verlieren hatte - und er gab eine schlechte Figur ab. Bockig und bissig wirkte er. Starrte in die Kamera, ballte die Faust, drohte mit dem Zeigefinger, schlug mit der Handkante aufs Pult. Wie eine Animatronic-Figur in Disneyland, von Geisterhand gesteuert. "Ich bin nicht der Jüngste, aber ich bin am besten vorbereitet", schwor er, sein Wahlkampfmotto.
Wo war der charismatische "straight talker"? McCain versuchte unendlich viele Sprachschablonen unterzubringen, und dabei verhaspelte er sich immer wieder. Um den Irak wieselte er sich herum ("der Krieg ist furchtbar schlecht gemanagt worden"). Osama Bin Laden will er "bis zu den Pforten der Hölle verfolgen". Den Wählern schwor er: "Ich will diese Nation führen."
Durch die Affäre gestottert
Auch Giuliani machte sich nicht besonders. Sein Versuch, Reagan für seine Zwecke zu exhumieren, war peinlich, zumal die greise Nancy Reagan in der ersten Reihe saß. Seine repetitive (und falsche) Erinnerung, er habe New York von der Kriminalität befreit, nervte. Sein Eiertanz um die Abtreibung ("Ich hasse Abtreibung!", rief der Ex-Befürworter gleich zweimal) war allzu durchsichtig. Und sein 9/11-Heldenschein ("Im Angesicht des Terrors nie weichen!") - na gut, was hat er sonst.
Romney setzte sich durch seine erschreckende Bräune ab und sein schellack-gespraytes Haar. Ein perfekter Anchorman, mit sonorer Stimme und Worten, die wie Honig runterliefen - und an die man sich eine Minute später nicht mehr erinnern konnte. "Natürlich kriegen wir Osama Bin Laden", tönte er. "Er wird sterben!" Und dann, obligatorisch: "I love America. Amerika ist die großartigste Nation der Welt!"
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