Von Georg Mascolo und Marc Pitzke, Washington
Eine "Debatte" war das sowieso nicht. Eher ein hektisches Abfragen von Positionen durch drei Moderatoren, mit nur rudimentärer Kandidaten-Interaktion. Das Format (60- und 30-Sekunden-Antworten) prädestinierte leere Soundbites voller Parolen und Plattitüden. Was erneut verdeutlichte: TV-Debatten sind ein Relikt alter Zeiten, als Präsidentschaftswahlen noch epische Dramen waren und die Kamera dem Bürger ein Gefühl der Mitsprache gab. Heute werden Kandidaturen auf YouTube geboren (und beerdigt), der "Peep Show" ("Vanity Fair") unserer Online-Welt. Immerhin: Voll war's auf der Bühne. Wer nicht aufpasste, wusste nicht, wer gerade sprach. Neben dem Spitzentrio tummelten sich Senator Brownback, die Ex-Gouverneure Jim Gilmore, Mike Huckabee und Tommy Thompson sowie die Abgeordneten Duncan Hunter, Ron Paul und Tom Tancredo. Letzterer stammelte und stotterte sich durch die Affäre und illustrierte so den Begriff "not ready for primetime".
Eine Stunde bis zum Bush-Lob
Der Abend wimmelte vor republikanischen Lieblingsthemen. Sterbehilfe, Stammzellen, Steuern, Staatshaushalt. (Romney: "Ich kann gar nicht erwarten, das Budget in Washington in die Finger zu bekommen.") Das Thema aber, das am meisten interessierte, wurde nur am Anfang fast flüchtig abgehandelt - der Irak. Neues gab es dazu nicht. Thompson will Iraks "Ölreserven aufsplitten". Brownback weiß, dass sich der Krieg gewinnen lässt, "wenn wir nur für unsere Werte einstehen". Paul, in der Rolle des Hofnarren, forderte eine "Außenpolitik der Nicht-Intervention" - nur das sei "konservativ, republikanisch und pro-amerikanisch." Es dauerte beinahe eine Stunde, bis einer der Kandidaten etwas Nettes über US-Präsident George W. Bush zu sagen hatte. McCain lobte dessen Anstrengungen um ein Immigrationsgesetz. Und das nur auf Anfrage.
Sicher, der Abend hatte amüsante Momente. Nur zwei Kandidaten würden die Verfassung ändern, damit Einwanderer wie Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger (anwesend, rechts neben Nancy Reagan) Präsident werden könnten. Huckabee gab mutig zu, dass der Treibhauseffekt existiere. Tancredo versprach, im Kampf gegen Organknappheit "keine Menschen zu klonen". Romney quälte sich, über "Glauben" zu reden, ohne seinen eigenen zu erwähnen. Thompson erinnerte zweimal daran, dass er "1900 Sachen mit Veto belegt" habe. Und Paul - der die Einkommensteuer ganz abschaffen will - sagte Sätze wie: "Ich habe viele kritische, lebensrettende Entscheidungen getroffen. Ich kann mich im Moment nur an keine erinnern." Ähnlich dürfte es vielen Zuschauern am Ende auch gegangen sein. Nur eins stand nach 90 Minuten so fest wie Romneys Haar: Ronald Reagan wird keine Konkurrenz bekommen.
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