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16.05.2007
 

Präsidentenwechsel in Frankreich

Der Manager der Macht hat übernommen

Von Stefan Simons, Paris

Nicolas Sarkozy ist Frankreichs Präsident. Jetzt beginnt die Ära eines extrem machtbewussten Präsidenten - das wird Kanzlerin Merkel schon heute Abend beim Antrittsbesuch zu spüren bekommen.

Paris - Die Amtsübergabe von einem Präsidenten zum nächsten verläuft in Frankreich nach protokollarisch minutiös vorgeschriebener Choreographie: Empfang im Ehrenhof, Privatissimum in den Amtsräumen mit der Übergabe der geheimen Atom-Codes, offizielle Bestallung im Festsaal, außerdem die feierliche Fahrt zum "Arc de Triomphe" und eine erste Fernsehansprache an die Franzosen.

Ein Kuss zur Machtübernahme: Sarkozy mit Frau Cecilia und Familie
AFP

Ein Kuss zur Machtübernahme: Sarkozy mit Frau Cecilia und Familie

Nicolas Sarkozy, seit heute Präsident der Grande Nation, erledigt das beinah monarchische Gepränge mit der vorgeschriebenen Würde, verabschiedet seinen Vorgänger Jacques Chirac – und ist schon auf dem Weg zum ersten Auslandstermin: Symbolik, Symbolik. Der erste Besuch des Franzosen führt nach Berlin, zum Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am frühen Abend werden beide dort zum Abendessen zusammenkommen.

Sarkozy ist ein Staatsmann in Eile: Nach dem Gutsherren Chirac, der eher wegen seiner jovialen Volksnähe als durch eine brillante zwölfjährige Bilanz in die Geschichte eingehen dürfte, zieht Sarkozy, der Manager der Macht, in den Amtssitz Nummer 55 Rue du Faubourg Saint Honoré.

Schlagzeilen mit einem Badeurlaub

Die Interimszeit zwischen dem Wahlsieg am 6. Mai und der Amtseinführung heute hatte Sarkozy eigentlich für eine introvertierte Besinnung auf die Verantwortung des Amtes verplant. Doch die Einkehr schmolz zu einem dreitägigen Badeurlaub auf einer Luxusjacht vor Malta zusammen.

Zurück in Paris organisierte Sarkozy seine Ministerriege: Ein kleines Team von gerade 15 Ministern (statt 32), politisch geschickt zusammengestellt mit Politikern aus dem rechten und linken Parteienspektrum. Nur Wochen vor den Parlamentswahlen gräbt er der Opposition von Sozialisten und Zentristen damit das Wasser ab und gibt sich nun als "Präsident aller Franzosen".

Als solcher wird er mit Nachdruck für die Interessen seines Landes eintreten – auch im Umgang mit den Deutschen. Zwar vermittelte Sarkozy ganz in der Linie seines charmanten Vorgängers Chirac bei bisherigen Besuchen in Berlin eine gewisse körperliche Nähe zur Kanzlerin. Er signalisierte – "bisou" rechts, "bisou" links – familiäres Einvernehmen. Doch anders als sein Vorgänger dürfte sich Nicolas Sarkozy bei politischen Kontroversen als beinharter Gegner erweisen.

Deutsch-französischer Motor nicht ausreichend leistungsfähig

Im Wahlkampf outete er sich als US-naher Atlantiker und ließ schon früh durchblicken, dass die Beziehung zum Nachbarn jenseits des Rheins an herzlicher Eintracht verlieren wird. "Auch wenn die deutsch-französische Entente nach wie vor notwendig ist, so ist sie meiner Überzeugung nach als Motor nicht mehr ausreichend leistungsfähig", schreibt er in seinem politischen Glaubensbekenntnis "Témoignage" ("Bekenntnis").

Ende der Schmusezeit, vorbei die parteiübergreifende Freundschaft Kohl-Mitterrand, die kumpelhafte Kameradschaft von Schröder-Chirac? Sarkozy setzt auf die deutsch-französische Achse - "genauso stark, aber weniger exklusiv."

Die diplomatische Abgrenzung hat vor allem handfeste innenpolitische Gründe: Der künftige Präsident will möglichst rasch und auf der Woge des Wahlerfolgs eine ambitiöse Liste angekündigter Wirtschaftsreformen anschieben. "Wir müssen schnell vorankommen", verlangt Sarkozy. Schon am 10. Juni stehen Parlamentswahlen an.

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Die neuesten Beiträge:
16.09.2010 von Chirac: Sarko hat schon recht

Ihr Beispiel stimmt für normale Arbeitnehmer/Rentner nicht ganz: Also Vorsicht mit dem Auswandern. In beiden Ländern liegt ja das normale Renteneintrittsalter bei 65 Jahren (100% Rente, ohne weiere Bedingungen und Abzüge [...] mehr...

15.09.2010 von austromir:

Da haben Sie völlig recht. Die große Hungerkatastrophe von 2008 in Deuschland hat der Kapitalismus gnadenlos ignoriert. Nicht einmal die Medien haben darüber berichtet! Dabei hat es da vor allem arbeitslose Kinder getroffen. mehr...

15.09.2010 von Diomedes: Die bizarren Rechts- und Einwanderungsphantasien der Brüssler Lysander

Tja, liebe Franzosen, auch hier erfüllt sich das Dichterwort: „Des Feindes Gab ist keine dir und fördert nicht.“ – und so verhält es sich auch mit dem despotisch-bürokratischen Moloch, dessen Aufrichtung der englische Hausmeier [...] mehr...

12.09.2010 von seine-et-marnais: Wer hat das bestellt?

z.B. 210 mio euros fuer Tapie weil er aufgerufen hatte Sarkozy zu waehlen, Steuererleichterungen und Subventionen ohne Ende, oft widerspruechlich, eine Wirtschaftspolitik die Millionen von Arbeitslosen produziert, die nicht [...] mehr...

09.09.2010 von Knippi2006:

Diejenigen, die sich die letzten Jahre die Taschen bis zum Bersten vollgestopft haben? mehr...

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