Aus Kunduz berichtet Matthias Gebauer
Es war 9.45 Uhr, als in Kunduz zwei schwere Helikopter vom Typ CH-53 abhoben und vom Bundeswehrcamp in Richtung Termez in Usbekistan entschwebten. An Bord der Hubschrauber: die drei Leichen der Bundeswehrsoldaten, die am Samstag auf einem Markt in der nordafghanischen Stadt einem Selbstmordbomber zum Opfer gefallen waren.
Die Särge sollen heute Abend mit einer Militärmaschine in Deutschland ankommen. Auf einer zentralen Trauerfeier in Köln wird ihnen dann offiziell und mit militärischen Ehren gedacht. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan werden kommen, Jung will bei einer ökumenischen Trauerfeier eine kurze Rede halten.
Es war ein stiller Abschied im Camp Kunduz. Die drei Särge, geschmückt mit Fahnen und Blumen, wurden am frühen Morgen auf dem zentralen Antreteplatz aufgebahrt. Davor: Bilder der getöteten Männer, allesamt Angestellte der Wehrverwaltung, ein Hauptmann und zwei Oberfeldwebel.
Gut 430 Soldaten gedachten ihrer Kameraden, 90 Minuten dauerte die Trauerfeier - Bilder davon gibt es nicht, die Bundeswehr ließ keine Journalisten zu. Zu sehr seien die Soldaten noch schockiert über den Vorfall und über die auch in deutschen Medien gezeigten Bilder von schwer verletzten Soldaten kurz nach dem Anschlag.
"Sie wollen uns entzweien"
Oberst Peer Luthmer, Kommandeur in Kunduz, sagte, die drei Soldaten würden nie vergessen, sie würden für immer zum Kontingent der Bundeswehr in der nordafghanischen Stadt gehören. Die gesamte Bundeswehr sei schwer betroffen und in tiefer Trauer. Das aber dürfe die Mission in Afghanistan nicht stoppen: Es sei richtig und wichtig, weiter für die Menschen hier zu arbeiten - Äußerungen, wie sie in den vergangenen Tagen auch von der Bundesregierung zu hören waren.
Erstmals sprach der Kommandeur auch den einheimischen Opfern des Anschlags sein tiefes Beileid aus. Zwölf Afghanen waren gestorben - alle, die Afghanen und die Deutschen, seien Opfer des schrecklichen Anschlags, sagte Luthmer. "Die Hintermänner dieser menschenverachtenden Tat wollen uns, die Bürger von Kunduz und die deutschen Soldaten, entzweien." Das werde nicht gelingen. Man wolle sich weiter in Kunduz engagieren und beim Aufbau helfen.
Nach der Rede spielte eine Kapelle das "Lied vom guten Kameraden" - dann brachten Träger mit weißen Handschuhen und weißen Helmen die Särge zu den Hubschraubern.
"Germany please stay - we need you"
"Es sollte eine stille Veranstaltung werden, ohne Zorn, auch wenn viele hier zornig sind", sagte Oberstleutnant Günther Schellmann später. Es sei wichtig gewesen, Abschied zu nehmen, auch damit die weitere Arbeit nicht vollkommen von Trauer überlagert wird.
Am Donnerstag wollen auch die Bürger von Kunduz der Soldaten und der getöteten Afghanen gedenken - vor allem aber für das weitere Engagement der Deutschen in Kunduz werben. Tausende Menschen sollen zu einer Demonstration zusammenkommen, sagte Gouverneur Mohammed Omar, der die Kundgebung mit dem Stadtältesten organisiert. "Die Deutschen sind traurig. Ich teile diese Trauer, will aber auch Dank für den großen Einsatz aussprechen, der uns bisher sehr geholfen hat."
Die Demonstration hat das Motto "Germany please stay, we need you" - "Deutschland, bitte bleib, wir brauchen dich". Mohammed Omar warnt vor einem Abzug: "Das wäre eine Katastrophe für uns. Dann kehren Chaos und Verbrechen in die Stadt zurück." Außerdem, sagt er, sei Terrorismus nicht nur ein Problem für Afghanistan: "Wenn wir zurück in die Hände der Terroristen fallen, werden diese bald wieder im Westen Angriffe ausführen."
Neuer Anschlag in Nordafghanistan
Noch während die deutschen Soldaten heute Abschied von ihren getöteten Kameraden nahmen, gab es in der Stadt Maimana in Nordafghanistan einen weiteren Anschlag auf die internationale Schutztruppe Isaf. Dort explodierte am Morgen eine Bombe nahe eines norwegischen Militärstützpunktes, als eine Streife von Isaf-Soldaten gerade auf dem Rückweg in ihr Camp in der Provinz Faryab war.
Nach Angaben der norwegischen Armee wurde ein finnischer Nato-Soldat getötet. Zwei norwegische Soldaten seien verletzt worden. Die Polizei teilte zudem mit, dass auch ein afghanischer Zivilist getötet und ein weiterer verletzt worden seien. Den Angaben einheimischer Sicherheitskräfte zufolge wurde der Sprengsatz möglicherweise ferngezündet.
In der Provinz hatte es im vergangenen Jahr Demonstrationen gegen die Präsenz der norwegischen Truppen gegeben. Der getötete Soldat ist das erste Opfer der finnischen Armee im Afghanistan-Einsatz, an dem das skandinavische Land mit 70 Soldaten beteiligt ist. Norwegen ist mit rund 500 Soldaten an der Internationalen Schutztruppe Isaf beteiligt und verlor bisher einen Soldaten.
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