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Irakische Flüchtlinge Tausche Bürgerkrieg gegen schwedische Kleinstadt

2. Teil: "Ein völlig neues Leben zu beginnen ist ein Höllenjob"

Einer von ihnen ist Mahir, ein 26 Jahre alter Elektroingenieur. Nervös auf der Bettkante des sparsam ausgestatten Erdgeschoss-Apartments sitzend, erklärt er, wie ihn die Rebellen dazu drängten das Land zu verlassen. Kurz darauf entkam er nur knapp seiner Erschießung auf den Straßen Bagdads. Sein Freund hatte nicht so viel Glück. Mahir hörte die Kopfschüsse. Ihr Verbrechen? Sie reparierten eine Trafostation, die sich auf einer Militärbasis befand.

Die Angst, auch nur die Haustür zu öffnen

Oder Firas, ein ehemaliger Lehrer für Europäische Geschichte, der bedroht wurde, weil er als Übersetzer und politischer Analyst direkt mit den Amerikanern zusammenarbeitete. "Wir hatten Angst vor den Bombenattentaten, aber bei denen war man zumindest kein individuelles Ziel", sagt Firas. "Wenn du die Straße entlang gehst und eine Bombe bläst dich weg, dann ist das Schicksal. Du kannst nichts dagegen machen. Jeder Iraker hat diese fatalistische Grundhaltung. Jeder. Aber ab 2006 wurde es persönlich. Da hattest Du den Punkt erreicht, an dem du Angst hattest, die Tür deines eigenen Hauses nur zu berühren."

Jenseits des europaweiten öffentlichen Widerstands gegen den Irak-Krieg stößt die Notlage der Vertriebenen größtenteils auf taube Ohren. Ende April teilte die Europäische Union mit, dass sie momentan keine Notwendigkeit darin sehe, ihre Türen für die irakischen Flüchtlinge weiter zu öffnen. Der Vorsitzende der europäischen Justiz- und Innenminister-Treffen, der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble, erzählte Journalisten, dass "die momentane Situation keine Notfall-Maßnahmen rechtfertigt." Stattdessen entschied sich die EU dazu, mehr Hilfen zur Verfügung zu stellen, die einerseits den Vertriebenen innerhalb des Iraks als auch denen in Jordanien und Syrien zu Gute kommen sollen. Zusätzlich zu den 15,2 Millionen Euro die bereits in die Region flossen, kommen nun noch weitere 13,6 Millionen Euro hinzu.

"Ein neues Leben zu beginnen, ist ein Höllenjob"

Seit Jahren arbeitet Europa an der Harmonisierung der Einwanderungsgesetze. Bis jetzt aber steckt das Projekt noch in den Kinderschuhen. Das Resultat ist, dass die einzelnen Länder innerhalb der EU grundverschiedene Standards und Richtlinien anwenden, wenn es um irakische Flüchtlinge geht.

Mittlerweile hat kaum ein Iraker - vorausgesetzt er hat das nötige Kleingeld, um nach Europa zu gelangen - Schwierigkeiten damit, zu entscheiden wohin er geht. Leute, die sich wie Anwar, Mahir und Firas bereits in Schweden aufhalten, sorgen dafür, dass ihre Freunde nicht den Fehler begehen, ein Land anzusteuern, in dem die Aufnahmechancen geringer sind als in Schweden.

Die Schweden stellen den neu Ankommenden Unterkünfte und geben ihnen monatlich eine finanzielle Unterstützung in Höhe von ungefähr 300 Dollar. Wenn sie sechs Monate bleiben, dürfen sie sich um eine Aufenthaltsgenehmigung bewerben und können dann von 1000 Dollar Sozialhilfe profitieren. Haben die Flüchtlinge erst einmal ihre Aufenthaltsgenehmigung, können sie darüber nachdenken ihre Familienangehörigen nachzuholen.

Trotzdem wollen nicht alle von ihnen bleiben: Anwar sagt, er brenne darauf zurückzukehren, sobald sich die Situation verbessert hat. "Schweden ist ein sehr großzügiges Land" betont er. "Aber ein völlig neues Leben zu beginnen, ist ein Höllenjob. Es ist nicht so einfach, wie man denkt. Du lässt alles zurück - dein Auto, dein Haus, deine Karriere. Und dann kommst du hierhin um deinen Arsch zu retten."

*Anmerkung des Autors: Die meisten Iraker, die befragt wurden, baten darum, nicht bei vollem Namen genannt und fotografiert zu werden, da die konfessionellen Spannungen innerhalb des Iraks auch im Exil anzutreffen seien.

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