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Türkei Putsch paradox

2. Teil: Gerede über Juntas, die Gefahr eines weltweiten Bruchs

Beide Gruppen scheinen für den finalen Kampf um die Macht zu mobilisieren.

Die erste Gruppe ist jetzt auch wirtschaftlich mächtig. Weil ihre Beziehungen zum "Staat" nicht gut sind, verkauft sie, was sie in Anatolien produziert, im Ausland. Sie hat Ertragskraft und fördert ihre politische Organisation.

Derzweiten Gruppe fehlt es an Finanzkraft.

DieUnterstützer der ersten Gruppe sind die Bourgoisie, die im Ausland Handel treibt und Kredite aufnimmt, ein intellektueller Sektor, der glaubt, dass die Türkei sich nur mit Mitteln der Demokratie normalisieren kann, und eine Gruppe von Bürokraten, die glaubt, die Strukturen des Staates müssten sich ändern, um besser mit dem Rest der Welt zusammenzuarbeiten.

Wichtige Sektoren des Rechtssystems, der Armee, des Beamtenapparats stehen hinter der zweiten Gruppe. Weil die zweite Gruppe realisiert, dass sie nicht durch politische und demokratische Mittel an der Macht bleiben kann, sucht sie nun andere Wege.

Die Präsidenten-Wahl hat die Absichten beider Seiten offengelegt und gezeigt, wie scharf ihr Konflikt ist.

Die zweite Gruppe, die durch die Armee unterstützt wird, will nicht länger Wahlen. Und die Gerüchte um einen möglichen Putsch werden von Tag zu Tag lauter.

Amerika wird gegen einen Putsch sein müssen

Es gibt Gerede über Juntas. Was wird also bei einem Putsch passieren?

Die zweite Gruppe, deren Lebensstil westlicher ist, wird mit der Unterstützung der Armee an die Macht kommen - und die Unterstützung des Westens verlieren. Denn Europa wird sich einem Militärputsch definitiv entgegenstellen.

Das stets pragmatische Amerika könnte einen Putsch akzeptieren, wenn es im Gegenzug Unterstützung für seine Politik im Nordirak und im Nahen Osten bekommt. Aber die US-Regierung steht vor einem Problem: Eine Nation, die den Irak besetzt, um dem Land "Demokratie" zu bringen, wird nicht in der Lage sein, der Welt oder sich selbst zu erklären, warum sie einen Putsch in der Türkei unterstützt. Und nach dem Desaster im Irak sind die USA nicht in der Lage, internationale Einwände einfach wegzuwischen. Amerika wird also gegen einen Putsch sein müssen - ob es will oder nicht.

Was wird ein Land, das vom Westen finanziert wird, eine Armee, die Waffen aus dem Westen bekommt, machen, wenn die Beziehungen zum Westen zerbrechen? Ich denke, die zweite Gruppe hat darüber nachgedacht und eine Antwort gefunden.

Wenn es einen Putsch in der Türkei gibt, wird eine politische Lage entstehen, die es noch nie gegeben hat: Die Türkei wird die Partnerschaft mit Russland und Iran suchen und ihre Waffen, ihre Energie und ihr Geld von diesen beiden Ländern bekommen. Erdgas, Öl und Atomkraft aus Iran und Russland werden ausreichen, um die Türkei am Leben zu halten - zumindest für eine Weile.

Der türkische Riss wird zu einem weltweiten Bruch führen

Aber ein Block aus Russland, der Türkei und Iran wird auch das weltweite Gleichgewicht verändern. Er wird totale Kontrolle über den Nahen Osten ausüben. Er wird Europa in den Grenzen des kleinen Kontinents einsperren. Er wird den Kaukasus, Afghanistan und Pakistan unter seine Hegemonie bringen. Er wird enge Beziehungen zu der muslimischen Welt bilden. Er wird die Ölquellen dominieren. Er wird versuchen, eine Partnerschaft mit China zu bilden.

Solche Entwicklung würde den Einfluss eines aus Europa, Amerika und Japan bestehenden Westens dramatisch mindern. Der neue Block hätte riesige militärische, finanzielle und energiepolitische Macht. Der türkische Riss würde zu einem weltweiten Bruch führen.

Wenn es irgendwann einen Dritten Weltkrieg gibt, dann glaube ich, wird er aus diesen internationalen Gräben resultieren.

Manche mögen denken: "So etwas wird niemals passieren." Wer unanfechtbare Belege dafür hat, soll sich melden. Aber wenn - und ich halte das nicht für unwahrscheinlich - was werden wir machen?

In Wahrheit müssen mehrere Akteure dieses Szenario bedenken: diejenigen, die heute die verschiedenen Lager in der Türkei bilden. Die europäischen Länder, die versuchen die Türkei aus Europa herauszuhalten - und unverschämt mit dieser Nation verhandeln, deren Erbe zugleich großartig und erbärmlich ist. Die vorgebe, n den Annäherungsprozess zu befördern, statt wirkliche Zusammenarbeit anzubieten. Und Amerika, das sich selbst für schlau hält, weil es in seiner Türkeipolitik ein doppeltes Spiel spielt.

Dass der blutige Konflikt, dem sich die Türkei nähert, die ganze Welt in Brand setzt, ist nicht so abwegig, wie viele denken. Wir sollten nicht vergessen, dass der Erste Weltkrieg mit einem Pistolenschuss begonnen hat.

Aus dem Englischen von Anna Reimann

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