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10.06.2007
 

US-Präsidentschaft

Michelle Obama und das Charisma des Kandidaten

Von Marc Pitzke, New York

Anfangs hatte sie kein Interesse an Politik. Doch das Charisma ihres Mannes hat Michelle Obama überzeugt. Jetzt hoffen die Strategen des Mitfavoriten unter den demokratischen Präsidentschaftsbewerbern, dass es unentschlossenen Wählern genauso geht.

New York - Michelle Obamas erster Eindruck von ihrem Gatten war nicht der Beste. 1988 war das, und Barack Obama hatte gerade als Praktikant in Michelles Anwaltskanzlei in Chicago angefangen. "Komischer Name", dachte sie sich damals. Und ein komischer Typ: "Etwas streberhaft, etwas sonderlich." Attraktiv, ja, sicher. Doch eine Büro-Romanze kam für die Jungjuristin sowieso nicht in Frage.

Ehepaar Obama: "Das Wunder, das mein Mann ist"
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AP

Ehepaar Obama: "Das Wunder, das mein Mann ist"

Trotzdem gewährte sie ihm ein Lunch-Date. Auf Rat einer Kollegin - und weil der Freier so hartnäckig war. "Ich hatte keine großen Erwartungen", erinnerte sie sich kürzlich bei einer Wahlveranstaltung in New Hampshire.

Der Rest ist, wie sie hier so sagen, Geschichte. Heute sieht Michelle Obama, 43, den Mann an ihrer Seite natürlich ganz anders. Er wirkt zwar immer noch etwas sonderlich, und sein streberisch-jungenhaftes Auftreten hat er auch nie ganz abgelegt. Doch sie weiß das alles längst zu schätzen. Sie nennt es "das Wunder, das mein Ehemann ist". Und so wie sie das sagt, ist das kein Wahlkampf-Slogan.

Barack Obamas Parteistrategen hoffen, dass auch die restlichen Amerikaner ihren ersten, womöglich zwiespältigen Eindruck ähnlich überwinden und dem Kandidaten eine Chance geben wie damals die Gattin in spe - nicht zum Lunch-Date, sondern zum Date am Wahltag.

Wahlkampf mit den Töchtern

Michelle Obamas Wandlung von Zweiflerin zum Fan ist eine schöne Parabel auf das politische Charisma des demokratischen Präsidentschaftsaspiranten. Selbst Michelle war erst entsetzt vom Gedanken ans Oval Office; nun kämpft sie mit voller Kraft dafür. So sehr, dass sie jetzt sogar ihren eigenen Job aufgab, als Vizepräsidentin der University of Chicago Hospitals, für die sie Öffentlichkeitsarbeit machte.

Und das will was heißen. Nie zuvor in ihrem Erwachsenendasein ist die immer auf ihre Selbstständigkeit pochende, zweifache Mutter ohne Anstellung gewesen. Erst recht nicht einem Mann zuliebe. "Es ist schon sehr merkwürdig", sagte die pressescheue Obama neulich der "Washington Post", im ersten Interview überhaupt, seit ihr Senatorengatte seine Kandidatur offiziell gemacht hat. "Dies ist das erste Mal, dass ich aufstehe und nicht zur Arbeit gehe. Es ist etwas verwirrend. Aber es ist ja nicht so, dass mir langweilig sein wird."

In der Tat. Der Wahlkampf ihres Mannes treibt sie schon jetzt quer durchs Land, obwohl es bis zum Wahltag 2008 noch 17 Monate hin ist. Manchmal wirkt die Hobby-Sportlerin dabei sogar fast energetischer als der Kandidat selbst, an dessen Größe sie mit 1,80 Metern fast heranreicht. Barack Obama hat den Wählern seine Frau und die Töchter Natasha, 8, und Malia, 5, erst nur zögerlich vorgestellt. Inzwischen aber hat Michelle Obama über ein Dutzend gemeinsame Auftritte mit ihm absolviert, viele davon mit den Mädchen im Schlepptau. Plus ein weiteres Dutzend allein, in seinen Diensten.

Eine ungewohnt untergeordnete Rolle, für sie jedenfalls. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in Chicago, als Tochter eines Maschinisten und aktiven Demokraten sowie einer Sekretärin, war Michelle Robinson immer schon überehrgeizig, dem älteren Bruder nacheifernd. Sie spielte Klavier. Sie war Klassenbeste. Sie schaffte es an die Elite-Uni Princeton, wo sie cum laude abschloss - nur um von da aus direkt zum Jurastudium nach Harvard weiterzugehen.

"Geboren, um zu führen"

Wie ihr Mann erfuhr Michelle Obama früh, was ihre Hautfarbe in der US-Gesellschaft bedeutet. In ihrer Princeton-Abschlussarbeit ("Gebildete Schwarze in Princeton und die schwarze Gemeinschaft") beschrieb sie schon 1985, wie sie sich auf dem Campus oft isoliert und als Minderheit fühlte. "Meine Erlebnisse in Princeton haben mir meine 'Schwarzheit' weit bewusster gemacht als je zuvor", schrieb sie. "Egal, wie liberal und aufgeschlossen sich einige meiner weißen Professoren und Kommilitonen zu verhalten bemühten, fühlte ich mich manchmal doch nur wie ein Gast."

Nach dem Jurastudium trat sie in die Kanzlei Sidley & Austin ein. Und dort lernte sie eben Obama kennen, der in Chicago ein Sommer-Praktikum absolvierte. Der Student hatte im selben Jahr in Harvard begonnen, in dem sie dort ihren Abschluss machte. Ihre Zweifel an ihm wichen schnell. Bald waren sie unzertrennlich.

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