Von Thilo Thielke, Nairobi
Entwicklungshilfe, das ist die Erkenntnis, manifestiert nur die schlechten Zustände. Und diese Zustände wollen wir ja ändern, nicht wahr? Wir wollen den Menschen helfen. Und uns nicht in erster Linie produzieren. Das wäre schäbig. Also sollten sich die Schlagersänger und Politiker wieder auf ihr Kerngeschäft (Musik und Ausschüsse) konzentrieren und Afrika nicht länger mit ihrer schrecklichen Philanthropie heimsuchen. Sie bringt nicht nur nichts, sie ist sogar schädlich.
Aber wir dürfen Afrika doch nicht vergessen!, werden da all die Mitfühlenden klagen. Afrika vergessen? Haben wir das denn jemals getan? Der Mythos, Afrika sei ein vergessener Kontinent ist unausrottbar. Auch wenn die Phrase hohl ist, wie schon 1993 der Politikwissenschaftler Siegfried Kohlhammer ("Auf Kosten der Dritten Welt") eindrucksvoll belegt hat. Die Behauptung, schreibt Kohlhammer, "die Mehrzahl der Menschen in den Industrieländern verschlössen ihre Augen vor dem Elend der Dritten Welt, ist bestenfalls eine gedankenlose Floskel".
Wer erinnert sich nicht an die Bilder aus Biafra, Äthiopien oder Somalia? An Spendengalas, Live-Aid-Konzerte oder Bob Geldofs larmoyante Auftritte neben Polit- und Showgrößen? An die Lebensberichte von Kindersoldaten (Sierra Leone) und möglichen Kindersoldatinnen (Eritrea)? An das Elend der weißen Massai, die es nicht nur monate- oder jahrelang in die Bestsellerlisten geschafft hat, und deren Schicksal als Film mittlerweile auch die Kinocharts stürmte? Wer hat nicht alles Blood Diamonds gesehen oder unsägliche ZDF-Schnulzen mit Iris Berben? Tierdramen. Daktari. Madonna in Malawi und George Clooney in Darfur und Katja Riemann im Kongo. Und immer wieder Henning Mankell und immer wieder Karlheinz Böhm.
Nutzlose Schmierenkomödie
Die Liste ist nicht lang, sie ist endlos. Es existiert längst ein nur schwer zu ertragender Elendstourismus hinein ins Herz der Finsternis. Afrikaner halten die damit einhergehende Attitude für ziemlich kolonialistisch. Aber das ist ein ästhetisches Problem.
Das wahre Problem ist: Diese ganze Schmierenkomödie ist völlig nutzlos. Sie nährt sich aus einem vagen Schuldgefühl gegenüber der Dritten Welt. Die absurde Grundannahme dafür ist: Uns geht es gut, weil es euch schlecht geht. Dabei ist das der pure Nonsens. Der Ersten Welt geht es gut, weil sie eine freie Marktwirtschaft betreibt, deren politische Grundlage eine funktionierende Demokratie bildet. Ausnahmen bestätigen allenfalls die Regel, und auch China wird erst beweisen müssen, ob sein Sonderweg langfristig funktioniert.
Die afrikanischen Länder sind die korruptesten und undemokratischsten Länder der Erde. Einträgliche Geschäfte, wie Bergbau oder Telefongesellschaften, sind verstaatlicht, Grund und Boden nur selten privatisiert. Darum sind die Afrikaner arm. Und die Entwicklungshilfe hilft, dass das so bleibt. Sie ist im Kern eine Planwirtschaft, wenn auch eine chaotische. Das ist tragisch für Afrika, aber lohnenswert für die Entwicklungshilfe. Ihre Geschäftsgrundlage bleibt so nämlich erhalten: das Elend in Afrika.
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manchmal ist es ganz hilfreich, die funktionsweise eines apparats zu kennen. auch, wenn es sicher zynisch in manchen ohren klingen mag und so garnicht politisch korrekt ist: der große teil der in afrika lebenden menschen vertritt [...] mehr...
Nicht allein durch Rationalisierung (von Arbeitsprozessen) sind die westlichen Industrienationen so reich geworden, lieber Marcus Hampell. Auch und besonders durch die Kolonialisierung von Kontinenten wie Nord- und Südamerika, [...] mehr...
1.Die Quintessenz des Artikels haben Sie trotz nochmaligen Resumées nicht erfasst: Altruismus ist nicht der Grund für die genannten Probleme. Prûfen Sie in diesem Zusammenhang den Begriff 'Altruismus' nocheinmal für sich. [...] mehr...
In seinem Artikel „Warum Afrika dank Entwicklungshilfe im Elend verharrt“ zeichnet Thilo Thielke ein drastisches Bild der Entwicklungshilfe. Er stellt Behauptungen auf, wonach Geld in Form von Entwicklungshilfe alles in allem [...] mehr...
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