Kirkuk/Bagdad - Mindestens 105 Menschen seien allein heute Morgen bei der Explosion einer Autobombe in dem Dorf Emerli ums Leben gekommen, teilten die Polizei und ein Krankenhaus übereinstimmend mit. Mehr als 250 weitere Menschen seien verletzt worden, als sich ein Selbstmordattentäter in einem Lastwagen auf einem belebten Markt des 130 Kilometer südlich der nordirakischen Stadt Kirkuk gelegenen Orts in die Luft jagte.
Die Explosion habe das Zentrum von Emerli zerstört, sagte der Vize-Polizeichef des Nachbarorts Tus Churmatu, Hussein Ali Raschid. Nach der Detonation sei ein Feuer ausgebrochen, das sich schnell auf zahlreiche Geschäfte ausgebreitet habe. Etwa 40 Gebäude stürzten den Angaben zufolge durch die Detonation ein, rund 20 Läden wurden zerstört. Die Rettungskräfte zogen unter anderem auch drei Kinder aus den Trümmern der zerstörten Häuser. Sie erlagen kurz darauf ihren Verletzungen. Unter dem Schutt wurden weitere Opfer vermutet, mindestens fünf Menschen wurden nach Polizeiangaben vermisst. In Emerli leben vornehmlich schiitische Turkmenen, die im Irak eine Minderheit darstellen.
"So einen schweren Anschlag hat es in Emerli noch nie gegeben", sagte ein Ladenbesitzer, der sich im Krankenhaus von Kirkuk wegen einer Verletzung behandeln ließ. Splitter der Explosion hätten Menschen getötet, die hunderte Meter von dem Anschlag entfernt gewesen seien. Teilweise mit privaten Autos wurden blutüberströmte Menschen in die Krankenhäuser der Nachbarstadt Tus Churmatu und nach Kirkuk gebracht. Dort waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Polizeiposten vor zwei Monaten zwölf Menschen getötet und 178 weitere verletzt worden.
Wagen rast in Trauerzug
Im Osten des Landes an der Grenze zum Iran raste am späten Freitagabend in Garghusch ein Attentäter mit seinem Wagen in eine Gruppe schiitischer Kurden, die gerade von einer Beerdigung zurückkehrten. Er sprengte den Wagen in die Luft und riss nach Behördenangaben 22 Menschen mit in den Tod, 17 wurden verletzt.
In Bagdad wurden außerdem in der Nacht bei einem Granatenangriff sieben Mitglieder einer Familie im Schlaf getötet, darunter vier Kinder im Alter von 9 bis 17 Jahren. Die Familie schlief nach Angaben des Innenministeriums auf dem Dach ihres Hauses in dem mehrheitlich sunnitischen Viertel Fadhil im Zentrum der irakischen Hauptstadt. In der unmittelbaren Nachbarschaft des Stadtteils liegen mehrere vor allem von Schiiten bewohnte Bezirke. Wegen Temperaturen von häufig mehr als 40 Grad Celsius auch in der Nacht schlafen viele Menschen in Bagdad unter freiem Himmel. Klimaanlagen funktionieren wegen der häufigen Stromausfälle nur unzuverlässig.
Autobombenanschläge wie die von Emerli tragen häufig die Handschrift von sunnitischen Extremisten, die dem al-Qaida-Netzwerk von Osama Bin Laden nahe stehen. Bislang bekannte sich jedoch niemand zu den Attentaten.
Zugleich gingen britische Soldaten am Samstag im Süden des Landes massiv gegen Aufständische vor. Militärvertreter sprachen vom größten Einsatz der Truppen in diesem Jahr. Bei den heftigen Kämpfen mit den Muslimextremisten in Basra kam ein britischer Soldat ums Leben.
Das US-Militär teilte mit, dass in den vergangenen zwei Tagen erneut acht US-Soldaten im Irak getötet wurden. Damit stieg die Zahl der getöteten US-Soldaten seit Monatsanfang auf 22. In den vergangenen drei Monaten kamen so viele US-Militärangehörige ums Leben wie noch nie in einem Quartal seit der Invasion im März 2003. Die steigenden Opferzahlen erhöhen den innenpolitischen Druck auf US-Präsident George W. Bush, die Truppen so schnell wie möglich abzuziehen. Doch dieser will sogar 28.000 weitere Soldaten in den Irak schicken, um das Land mit militärischen Mitteln zu stabilisieren. Die unlängst gestartete Sicherheitsoffensive irakischer und US-amerikanischer Truppen blieb angesichts täglicher Anschläge bislang weitgehend erfolglos.
sam/AFP/Reuters
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